Bielefeld Stadt hat jetzt Ansprechpartnerin für Belange von Lesben, Schwulen und anderen

Gleichstellung: Kurz vor dem "Christopher Street Day" hat Friederike Vogt ihre Arbeit als Ansprechpartnerin für die Belange von so genannten LSBTI* aufgenommen. "Ich möchte Liebefeld lebenswerter machen"

Lieselotte Hasselhoff

Bielefeld. Lesben, Schwulen, Bisexuelle, Transgender und Intersexuelle, kurz LSBTI*, haben jetzt einen Kontakt bei der Stadt, der für sie zuständig ist. Die Koordinierungsstelle ist seit Anfang Juni besetzt. Beauftragte ist Friederike Vogt. "Es gibt Menschen, die sagen, ich wäre dazu berufen worden", sagt sie schmunzelnd. Viel zu tun gebe es, denn der Aktionsplan betreffe praktisch alle gesellschaftlichen Bereiche. Beginnen will Vogt damit, dass sie selbst bekannter wird. Zum "Christopher Street Day" (CSD) am kommenden Samstag plant sie die Teilnahme einer Fußgruppe der Stadtverwaltung. "Ich habe gerade das Banner bestellt, ich wünsche mir, dass die Mitarbeiter der Stadt ein Zeichen für LSBTI* setzen und hoffe, dass viele kommen." »Es geht um Akzeptanz in allen Bereichen« Ein großer Teil ihrer Arbeit wird darin bestehen, die Fachbereiche der Stadt bei der Umsetzung der Aktionsplan-Ziele zu unterstützen. So muss zum Beispiel der Bereich "Kinder, Jugend, Familie" dafür Sorge tragen, dass unter anderem der Treffpunkt für lesbische, bisexuelle und Trans-Frauen "Mosaik" finanziell abgesichert ist. "Grundsätzlich geht es in allen Bereichen darum, Akzeptanz für LSBTI* zu schaffen. "So, wie man im Jugendzentrum mal einen Film über Umweltschutz zeigt, zeigt man halt mal einen über LSBTI*." An Wissen fehle es der Stadt zum Beispiel bei den Bedürfnissen älterer Menschen. Gerade für die Generation, die den Krieg miterlebt habe oder auch die Jahrzehnte nach dem Krieg, stelle der Schritt in die Pflegebedürftigkeit ein Problem dar. Vogt nennt als Beispiel schwule Männer, die während der NS-Verfolgung in ständiger Lebensgefahr schwebten: "Schwule Männer haben sich geschützt, indem sie Privates nach innen lebten, in der Pflege ist Privates plötzlich nicht mehr privat, da bricht ein ganzes Kartenhaus zusammen". Ein weiteres Anliegen ist Vogt, dass Firmen über die Bedürfnisse von Lesben, Schwulen und anderen sprechen. Viele derer  würden ihre Geschlechtsidentität oder Sexualität im Berufsalltag verbergen. "Studien belegen, dass dieses Versteckspiel die Arbeitskraft der Betroffenen einschränkt", sagt sie, "sie verlieren viel Kraft für Nebenbei-Bemerkungen von Kollegen, wenn sie sich überlegen, wie sie darauf reagieren sollen." Vogt nennt ein alltägliches Beispiel: "Wird ein Schwuler nach dem Wochenende gefragt: Was hast du am Wochenende mit deiner Frau gemacht? Solche Nachfragen wirkten auf den ersten Blick harmlos, seien aber auf Dauer extrem belastend. Besonders von Diskriminierung betroffen seien Transgender, also Menschen, die sich nicht oder nicht ausschließlich mit der Bezeichnung "heterosexueller Mann" oder "heterosexuelle Frau" identifizieren können.  Laut Aktionsplan erlebten im Jahr 2013 rund ein Fünftel aller Transsexuellen Diskriminierung im Gesundheitssystem. Betroffene können sich nun, mit solchen Erfahrungen direkt an Vogt wenden. Die neue Mitarbeiterin der Gleichstellungsstelle ist optimistisch.: "Ich fühle Schwung und Elan, etwas anzupacken." Auch mit Widerständen rechne sie, aber sie bleibt dabei und wiederholt, was sie bei ihrem Einstellungsgespräch gesagt hat: "Ich möchte das Leben der Menschen in Liebefeld lebenswerter machen. Wenn ich das schaffe, ist das schön."

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