Frustriert, genervt, verzweifelt: Ronald Herzog (v.l.), Britta Ehrardt, Stefan Rudolph und Ann-Christin Meermeier haben "alles versucht", um in ihrem Haus an der Bergstraße 11 (rechts) den Telekomanschluss für Internet und Festnetz wieder aktivieren zu lassen. Im sanierten Haus gegenüber (links) funktioniert alles. - © Ivonne Michel
Frustriert, genervt, verzweifelt: Ronald Herzog (v.l.), Britta Ehrardt, Stefan Rudolph und Ann-Christin Meermeier haben "alles versucht", um in ihrem Haus an der Bergstraße 11 (rechts) den Telekomanschluss für Internet und Festnetz wieder aktivieren zu lassen. Im sanierten Haus gegenüber (links) funktioniert alles. | © Ivonne Michel

Bielefeld Ärger mit Telekom: Seit sieben Monaten ohne Telefon und Internet

Seit November versuchen Bewohner an der Bergstraße verzweifelt, Festnetz und Internet zu bekommen. Immer wieder werden sie vertröstet, obwohl's beim Vorbesitzer funktionierte

Ivonne Michel

Bielefeld. "Es ist so frustrierend, da könnte man manchmal echt heulen", sagt Ann-Christin Meermeier. Etliche Stunden haben nicht nur sie und ihr Lebensgefährte Stefan Rudolph mittlerweile in Telefonate mit der Telekom-Hotline investiert, zig Emails geschrieben - ohne Erfolg. Seit sieben Monaten versuchen die Bewohner des Hauses Bergstraße 11 vergeblich, den zuvor existierenden Internet- und Festnetzanschluss über das Unternehmen wiederzubekommen. Und werden immer wieder vertröstet. Warum das einfach nicht klappt, können sie überhaupt nicht nachvollziehen. "Die Vorbesitzer hatten hier im Haus sogar zwei Anschlüsse, jedes der Kinder hatte Internet in seinem Zimmer", berichtet Rudolph, der auf den Anschluss Zuhause für seine tägliche Arbeit angewiesen ist. Im Gebäude direkt gegenüber, der Hausnummer 11a, läuft hingegen Internet und Festnetz. "Da wohnt jetzt der Vorbesitzer unseres Hauses, der einen Anschluss ganz offiziell mitgenommen hat", berichtet Meermeier. Ihm habe man bei der Telekom allerdings gesagt, dass könne so eigentlich gar nicht funktionieren. Noch liegt kein Glasfasernetz in der Nähe, ein anderer Anbieter kommt nicht in Frage. "Und bei der Bitel wurde uns gesagt, dass es leider keine Freigabe der Anschlussstelle des Hauses seitens der Telekom gibt", berichtet Ronald Herzog, der mit Lebensgefährtin Britta Ehrardt im Dezember in das Zweifamilienhaus eingezogen und in den Anschluss-Kampf mit eingestiegen ist. Die Telekom wiederum behaupte, es gäbe dort gar keinen Anschluss. "Beziehungsweise, er sei nicht frei, weil der Nachbar ihn nicht gekündigt hat", ergänzt Herzog. Die Hoffnung stirbt zuletzt Anfangs hatten die vier noch Hoffnung: Nach mehreren Telefonaten mit der Hotline wurde ihnen per Post der 14. Dezember als voraussichtlicher Termin für die Freischaltung ihres Anschlusses genannt. Der Termin wurde seitdem aber immer wieder ganz kurzfristig, ein oder zwei Tage vorher, abgesagt und um ein oder zwei Monate verschoben. Ausweichend, hinhaltend, nur leider nicht in der Sache hilfreich seien die vielen Telefonate gewesen. "Immer wieder wurden wir an andere Stellen, den Bauherrenservice der Telekom oder einen angeblichen persönlichen Umzugsbeauftragten, verwiesen", berichtet Meermeier. "Wir haben wirklich alles versucht, Bekannte kontaktiert, die auch bei der Telekom arbeiten - keine Chance." Zumindest jeweils einen LTE-Minirouter mit 30 Gigabyte Datenvolumen haben die Paare zwischenzeitlich von der Telekom aus Kulanz zur Verfügung gestellt bekommen. "Aber damit kommt man nicht weit und man muss ihn sehr aufwendig immer nach 28 Tagen wieder neu beantragen - und Festnetz hat man immer noch nicht", sagt Ehrardt. Dann, Anfang Februar, sei tatsächlich ein Techniker gekommen: "Allerdings nicht zu uns, sondern zu unserem Vorbesitzer, um den Anschluss dort zu überprüfen", berichtet Meermeier. Der von der Telekom beauftragte Subunternehmer habe sich den Verteilerkasten unten an der Bergstraße angeschaut. "Er meinte, es sei alles da und man könne mindestens eine Leitung sofort für uns freischalten", berichtet Rudolph. Da er ja aber wegen des Nachbaranschlusses da war, habe er das nicht erledigen dürfen. Bitte nicht auf "einen dahergelaufenen Techniker" hören, der könne die Komplexität des Netzes nicht einschätzen, sei die Telekom-Reaktion auf Nachfrage dazu gewesen. Der Fall müsse geprüft werden. Dann: Es sei doch anders, umfangreiche Baumaßnahmen notwendig. Wirklich sehr freundlich seien sonst aber all die vielen Menschen gewesen, mit denen die vier bei ihren zahlreichen Telefonaten gesprochen haben. Einer habe mal etwas genervt behauptet: "Dann haben Sie eben ein Haus ohne Internet gekauft." "Vom Kunden zum Bittsteller, so fühlen wir uns" "Von einem Weltunternehmen wie der Telekom müsste man doch ein strukturierteres Arbeiten erwarten können", sagt Herzog. "Vom Kunden zum Bittsteller, so fühlen wir uns." Bei der Hotline aber habe man ihm gesagt, die Wartezeit sei nichts Außergewöhnliches. Und ihn dann gebeten, lieber am Ende auf eine Bewertung des Servicegesprächs zu verzichten, falls er danach gefragt würde. Das sagt die Telekom dazu Die NW hat bei der Telekom natürlich auch nachgefragt. Das war die Antwort: Es scheine ein sehr komplexer Fall zu sein, den man nicht so einfach kommentieren könne, so Telekom-Sprecher Christian Fischer. Eine monatelange Wartezeit für einen Hausanschluss für Festnetz und Internet sei allerdings schon sehr ungewöhnlich. „Normalerweise lässt sich das innerhalb von 14 Tagen einrichten", sagt Fischer. Die Bandbreite der Faktoren, die im Hintergrund eine Rolle spielen, sei allerdings groß. Auch könne das Problem an einem fehlenden Port liegen. Warum die Kunden allerdings keine konkretere Auskunft bekommen haben und es immer wieder zu Terminverschiebungen gekommen ist, könne er so kurzfristig nicht sagen. Das Kundenzentrum der Telekomt heißt übrigens: Telekom hilft...

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