Die Angeklagte aus Ubbedissen im Zwiegespräch mit ihrem Verteidiger Alexander Klemme. Im Prozess schweigt sie zu den Vorwürfen. - © Andreas Zobe
Die Angeklagte aus Ubbedissen im Zwiegespräch mit ihrem Verteidiger Alexander Klemme. Im Prozess schweigt sie zu den Vorwürfen. | © Andreas Zobe

Bielefeld Zeugin belastet Bielefelder Angeklagte: "Sie trat Saufkumpan tot"

Prozess: 32-Jährige soll im Gefängnis die Tat gegenüber einer Mitgefangenen geschildert haben

Nils Middelhauve

Bielefeld. Vor Gericht schweigt Birte R. (Name geändert) zu dem Tatvorwurf. Die 32-jährige Bielefelderin aus der Drogen- und Alkoholikerszene muss sich derzeit vor dem Landgericht verantworten, weil sie im Mai 2017 einen Saufkumpan derart getreten haben soll, dass dieser an den Folgen der Auseinandersetzung starb. Wie Nachermittlungen der Staatsanwaltschaft ergeben haben, soll die  Angeklagte trotzdem über die Tat geredet haben:  Eine ehemalige Mitinsassin der JVA berichtete vor Gericht, was Birte R. ihr im Gefängnis anvertraut hatte. Am 10. Mai des vergangenen Jahres, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, soll R. den 37-jährigen Bielefelder F. in ihrer Wohnung in Ubbedissen durch Tritte schwer verletzt haben. Den reglosen Körper zerrte sie im Anschluss nach draußen, wo sie das Opfer auf dem Bürgersteig liegen ließ. In der Wohnung wurden Drogen und Alkohol konsumiert Nachbarn bemerkten das Szenario und verständigten einen Notarzt. Jedoch zu spät: F. erlag am Folgetag trotz vorangegangener Notoperation seinen schweren Verletzungen.Einer 39-jährigen Frau, die sich seinerzeit ebenfalls - wegen Drogendelikten - in der Justizvollzugsanstalt in Brackwede befand, vertraute sich Birte R. während der Zeit ihrer Untersuchungshaft offenbar an. Den Inhalt des Gesprächs berichtete die Mitinsassin später der Polizei. Demzufolge hatte R. ihr berichtet, dass sie gemeinsam mit ihrem Ehemann und dem späteren Opfer am Tattag in der Wohnung in Ubbedissen Drogen und Alkohol konsumiert habe. »Die Bullen haben ja keine Beweise« Der Getötete habe sie dann angebaggert, woraufhin der Ehemann der Angeklagten ausgerastet sei und beide gemeinsam auf F. eingetreten hätten. Im Anschluss, so soll R. gesagt haben, habe sie das Opfer nach draußen gebracht, damit "mein Mann nicht noch Schlimmeres mit ihm macht".Nun habe sie, so die Angeklagte gegenüber ihrer Mitinsassin, deshalb Ärger mit der Polizei: "Hätte ich ihn in meiner Wohnung gelassen, hätte das keiner gemerkt, und er wäre dann dort verreckt. Die Bullen haben ja keine Beweise." Dennoch soll die vorbestrafte R. die Sorge geäußert haben, die Ermittler könnten Farbabriebe oder Abdrücke ihrer roten Stiefel an der Leiche feststellen. In der gestrigen Verhandlung war es der als Zeugin geladenen Mitinsassin spürbar unangenehm, zu ihren Aussagen gegenüber der Polizei Stellung zu beziehen. Sie habe keine konkrete Erinnerung mehr an die Vernehmung, da sie an jenem Tag gekifft habe, ließ sich die 39-Jährige ein. Die Richtigkeit des Polizeiprotokolls mochte sie aber dennoch nicht bestreiten. Der Prozess wird am 3. Juli fortgesetzt.

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