Mittendrin: Der Spindelbrunnen zwischen der Sinn-Leffers-Immobilie und dem Saturn-Gebäude ist so marode, dass er umstürzen könnte. Das Wasser sprudelt schon seit 2017 nicht mehr. Die Stifterfamilie hat kein Interesse an dem Objekt. Jetzt müssen städtische Gremien entscheiden, was solche Draußenkunst der Stadt wert ist. - © Christian Weische
Mittendrin: Der Spindelbrunnen zwischen der Sinn-Leffers-Immobilie und dem Saturn-Gebäude ist so marode, dass er umstürzen könnte. Das Wasser sprudelt schon seit 2017 nicht mehr. Die Stifterfamilie hat kein Interesse an dem Objekt. Jetzt müssen städtische Gremien entscheiden, was solche Draußenkunst der Stadt wert ist. | © Christian Weische

Bielefeld Spindelbrunnen als Sorgenkind

Linke und FDP wollen sich in den Sitzungen von Kulturausschuss und Bezirksvertretung für den historischen Brunnen starkmachen. Die Stifterfamilie Leffers würde das Kunstwerk sogar einschmelzen lassen

Christine Panhorst

Mitte. Das Fundament ist unsicher, der Tragkern durchkorrodiert, die Brunnenstube undicht und die Technik abgängig. Die Verwaltung will den Spindelbrunnen, der in der Bahnhofstraße in Nähe der Sinn-Leffers-Immobilie steht, demontieren und einlagern. Drei Gremien müssen dazu in dieser Woche Position beziehen - auch dazu, wie in Bielefeld mit stadtprägender Straßenkunst umgegangen wird. Eine Grundsatzdebatte, findet die FDP, die ebenso wie Die Linke den Erhalt favorisiert. Beim Immobilienservicebetrieb (ISB), im Kulturausschuss und in der Bezirksvertretung Mitte kommt das Thema in dieser Woche auf den Tisch. Die Politiker in der Bezirksvertretung Mitte würden die gedrehte Skulptur gerne erhalten und in Betrieb sehen. Auch Die Linke will sich dafür aussprechen. Im ISB-Ausschuss wurde gestern beschlossen, den Brunnen in den Wirtschaftsplan aufzunehmen, allerdings ohne konkrete Zahlen. Man wolle zunächst die Beschlüsse der anderen Gremien abwarten. "Der Spindelbrunnen gehört zur Bielefelder Bahnhofstraße", erklärt Barbara Schmidt, Fraktionsvorsitzende und Kulturpolitikerin. Er sei ein Treffpunkt, ein Ort der Entspannung für Alt und Jung, ein Symbol "für die historischen Wurzeln unserer Stadt, die durch Textilproduktion groß geworden ist". Der Brunnen, der 1970 von der Familie Leffers gespendet worden war, müsse repariert und wieder in Funktion genommen werden. Das sieht auch die FDP so. Laura von Schubert (Kulturausschuss), wirft Kulturdezernent Udo Witthaus (SPD) Versäumnisse vor. "Es hätte eine Selbstverständlichkeit sein müssen, rechtzeitig Gespräche zu führen, wenn solch eine Skulptur verfällt." Der Vorschlag der Verwaltung, das Kunstwerk einzulagern, führe das Desinteresse des Kulturdezernats an Kunstwerken im öffentlichen Raum vor Augen, so von Schubert. Ein Kritikpunkt der Verwaltung ist der Standort der Brunnenskulptur - mitten in der Be- und Entladezone in der geschäftigen Bahnhofstraße. Im heutigen Kulturausschuss und ebenfalls in der Bezirksvertretung Mitte will Die Linke dennoch den Antrag stellen, den Brunnen am alten Standort zu erneuern und "durch Bänke, Findlinge oder anderes vor Beschädigungen durch Lkw zu schützen". "Deutlich unwirtschaftlich", bewertet Baudezernent Gregor Moss (CDU) jedoch eine Sanierung und Neuaufbau am heutigen Standort in der Vorlage zur Bezirksvertretung. Abbau, Sicherung und Reparatur des Brunnens plus Neuaufbau mit Technik und Pflasterung würden nach Schätzung des ISB rund 215.000 Euro kosten. Seit 2011 habe es insgesamt 18 teils größere Schäden gegeben. Seit 2017 ist der Brunnen komplett ausgeschaltet. Die Strom- und Wasserversorgung aus dem Sinn-Leffers-Gebäude sei zudem nicht mehr sichergestellt. Die Stifterfamilie Leffers habe an dem Objekt kein Interesse mehr. Sogar eine Einschmelzung der Bronze würde sie genehmigen, heißt es. Wohin also mit der Kunst, die keine Gönner mehr hat? Die FDP könne sich einen anderen Standort gut vorstellen: den Ravensberger Park.

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