Geschäftsidee: Niklas Wehler, Ammar Belmahi, Nils Henner und Timur Özlü, v. l., verkaufen in ihrem Onlineshop limitierte Kollektionen, wie diese von Rapper Kanye West designten Sportschuhe. - © Fabian Herbst
Geschäftsidee: Niklas Wehler, Ammar Belmahi, Nils Henner und Timur Özlü, v. l., verkaufen in ihrem Onlineshop limitierte Kollektionen, wie diese von Rapper Kanye West designten Sportschuhe. | © Fabian Herbst

Bielefeld Turnschuh-Fans: Vier Jugendliche gründen Unternehmen und Onlineshop

Sie haben sich alles selbst beigebracht und finanziert

Fabian Herbst

Bielefeld. Wie erfahrene Unternehmer wirken die vier Jungs mit ihren Hemden in den Hosen, als sie die Tür öffnen. Die vier Freunde Timur Özlü, Nils Henner, Niklas Wehler und Ammar Belmahi haben mit gerade einmal 18 Jahren ihr Unternehmen "Seven Nine" gegründet. Ammar ist sogar erst 16. "Unser Unternehmen ist eine Plattform für Streetwear, für seltene Designerartikel in Bielefeld", ergreift Özlü als Erster das Wort. Ihr Unternehmen haben die vier Jungs komplett mit eigenem Wissen und finanziellen Mitteln auf die Beine gestellt. "Wir leben alle nur ein paar Jahre auf diesem Planeten, daher sollte man machen, worauf man Lust hat", begründet Niklas Wehler die Firmengründung. Die vier Bielefelder bieten in ihrem Onlineshop www.sevenninecommerce.com Markenklamotten und Schuhe an, die in Deutschland nur schwer zu bekommen sind. Dabei handele es sich um Kollektionen, die stark limitiert sind oder von Stars wie den Musikern Kanye West und Pharrell Williams designt wurden, so Timur. Bei ausbleibendem Erfolg haften die Jungs persönlich Laut Geschäftsmann Niklas ist der Markt dafür groß. Das merkten die vier Jungs schnell an ihrer Schule, dem Gymnasium am Waldhof. Zuerst haben sie sich Klamotten für ihre eigenen Zwecke gekauft. Später verkauften sie die limitierten Kollektionen an Freunde und Mitschüler. "Die Nachfrage wurde so groß, dass wir beschlossen, einen Onlineshop zu gründen", berichtet Timur. Nach Außen schüchtern, innen aber klug und innovativ: Haben die Jungs ihre anfänglich nervöse Schale erst einmal abgelegt, kommt der Unternehmergeist in ihnen zum Vorschein. Webdesign, Versicherungen, Warenverkaufssystem. Dieses Wissen, haben sich die Jungunternehmer selbst mit Hilfe des Internets beigebracht. In der Schule darauf vorbereitet wurden sie nicht. "Es wird den Schülern beigebracht, sich für Unternehmen zu bewerben, aber nicht, ein Unternehmen zu gründen", kritisiert Timur das Schulsystem. Bei "Seven Nine", benannt nach der Hausnummer der Gartenlaube, in der die Jungs die Idee hatten, nehmen sie nicht nur alles selbst in die Hand, sondern haften bei ausbleibendem Erfolg auch persönlich. "Wir haben rund 8.000 Euro Kapital in unser Unternehmen gesteckt", sagt Ammar. Ihre Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) konnten sie mit Hilfe von Ersparnissen ins Leben rufen. Ihre Eltern haben ihnen natürlich auch etwas unter die Arme gegriffen. Kundenzufriedenheit zählt zum Leitbild des Unternehmens Neben Abiturklausuren und Schulunterricht ein Unternehmen zu gründen, ist alles Andere als alltäglich. "Schule und Unternehmen zusammen ist schwer", gesteht Ammar. Aber es sei schließlich ihr Hobby. "Wenn man ein Ziel verfolgt und die richtigen Leute an seiner Seite hat, kann man alles schaffen", sagt Timur. Dazu ermutigen sie auch andere Menschen. "Wer eine Idee aus eigener Motivation und Kreativität verwirklicht, verdient es, unterstützt zu werden", so der 18-Jährige. So wollen die Jungs künftig neben dem Verkauf von Markenklamotten vor allem Bielefeldern Designern eine Plattform schenken. Das Besondere an "Seven Nine" sei die "Offenheit untereinander - und das alle mit dem Herzen dahinter stehen", sind sich die Vier einig. Ebenfalls zum Leitbild des Unternehmens zähle die Kundenzufriedenheit. Viele Käufer würden bei Angeboten von Privatpersonen über den Tisch gezogen werden, so Timur. Bei ihrem Start-up seien Käufer aber abgesichert. Sogar einen Retoure-Service gäbe es. Ihr Vorbild ist Elon Musk Bei der Umsetzung ihres Firmentraums haben die Vier nach ihrem Vorbild Elon Musk gehandelt. Der US-amerikanische Gründer des Bezahldienstes "PayPal" und des Elektroautos "Tesla" beeindruckt die Freunde mit seiner Leidenschaft. "Er gibt immer 100 Prozent und steht voll dahinter", betont Timur. Jeder der vier Freunde hat bei "Seven Nine" einen eigenen Aufgabenbereich - individuell an die Stärken und Charakter des Einzelnen angepasst. Um die Finanzen kümmert sich Nils. Der 18-Jährige hat gerne mit Zahlen zu tun und möchte nach seinem Abitur International Business studieren. Er lässt lieber die anderen erzählen. Hält sich zurück. Steht eher im Hintergrund. Ein ruhiger Typ eben. Für die rechtlichen Angelegenheiten ist Ammar zuständig Für die rechtlichen Angelegenheiten ist Ammar zuständig. "Ich möchte Jura studieren", sagt der Jüngste der Gruppe. Rechtliche Fragen sind sein Leben. Der politisch und geschichtlich interessierte Timur managt den Einkauf der Waren und den Webshop. Timur ist der redefreudigste der Vier. Persönliche Belange interessieren ihn nicht, ist er doch stets bemüht, die Arbeit der gesamten Gruppe in den Vordergrund zu stellen. Ein Teamplayer. Niklas ist der Aufgeschlossenste der Gruppe. Er ist redegewandt, kann sich gut artikulieren. Philosophiert gerne über Politik. Damit passt der Bereich Verkauf und Marketing bei "Seven Nine" bestens zu ihm. Sein größtes Hobby ist aber, "am Business zu arbeiten und neue Ideen zu entwickeln". Der Kreative eben. Ein Engagement mit dem Jung-Arminen Can Özkan in Aussicht Einen Chef gibt es in ihrem Unternehmen nicht. "Hier sind alle gleichberechtigt und auf einer Ebene", sagt Ammar. Streit gäbe es dadurch nicht. "Wir sind immer einer Meinung", erklärt er. "Wir sind wie Brüder." Ihr Onlineshop ist zwar erst seit Anfang Mai am Start, jedoch konnten sie bereits zu Fußballprofis erste Kontakte knüpfen. "Can Özkan von Arminia Bielefeld hat sein Interesse bekundet, mit uns ein Sponsoring einzugehen", sagt Ammar. Das große Ziel sei es nun, mit ihrem Unternehmen Geld zu verdienen. Werbung über soziale Netzwerke wie Facebook und Instagram machen sie bereits. Die Hände in den Schoß legen wollen die Jungs dann aber nicht. "Wir wollen nach dem Webshop nicht aufhören", betont Niklas. Welche Projekte genau folgen könnten, steht bislang noch nicht fest. Die vier Jungs handeln eben ganz nach ihrem Motto: "Einfach machen, worauf man Lust hat."

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