Fühlen sich nicht als Störfaktoren: Stine Idschick (l.) und Luisa Knabenreich kommen gut mit anderen Waldnutzern aus. Wenn sie mit „Basti" und „Ravella" unterwegs sind, freuen sich viele Leute über die Pferde, berichten die Schülerinnen. Die Plakette am gelben Reiterkennzeichen bestätigt die Zahlung ihrer Reitabgabe. - © Barbara Franke
Fühlen sich nicht als Störfaktoren: Stine Idschick (l.) und Luisa Knabenreich kommen gut mit anderen Waldnutzern aus. Wenn sie mit „Basti" und „Ravella" unterwegs sind, freuen sich viele Leute über die Pferde, berichten die Schülerinnen. Die Plakette am gelben Reiterkennzeichen bestätigt die Zahlung ihrer Reitabgabe. | © Barbara Franke

Bielefeld Reiterinnen fürchten Reitverbot im Wald

Wegenutzung: Heute berät der Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz über ein neues Reitwegekonzept.

Ivonne Michel

Bielefeld. Jogger, Wanderer, Spaziergänger, Hunde- und Pferdefreunde, Mountainbiker, Walkergruppen: Alle sind ganz unterschiedlich im Wald unterwegs - das sorgt für Konfliktstoff. Die gerade vom Land gelockerte Nutzung der Wege für Reiter will die Stadt jetzt einschränken (NW vom 18. Mai). Das können Luisa Knabenreich und Stine Idschick nicht nachvollziehen. Zudem sind Reiter die einzigen, die für Wegenutzung im Wald zahlen müssen. "Wie wäre es, wenn man wandern und spazieren gehen in den Wäldern in den meisten Teilen Bielefelds einschränken würde? Würde Ihnen da nicht auch etwas fehlen?", fragen die 16-Jährigen in einem offenen Brief, den sie ans Umweltamt geschrieben haben. Warum Reiter bestimmte Wege nicht nutzen sollen, können die Jugendwartinnen des Reit- und Fahrvereins Dornberg, die beide seit mehren Jahren reiten und auch Unterricht für Anfänger geben, nicht nachvollziehen. "Wir haben noch nie erlebt oder gehört, dass sich andere im Wald von Reitern gestört gefühlt haben", berichten sie. Im Gegenteil: "Beim Ausreiten treffen wir ganz oft Familien mit kleinen Kinder, die sich riesig freuen, Pferde zu sehen und total glücklich sind, wenn sie die Pferde dann auch noch streicheln dürfen", erklären sie auch den Mitarbeitern des Umweltamtes in ihrem Brief. Von Klein auf lernen Reiter, beim Ausritt im Wald Entgegenkommende höflich zu grüßen. Ebenso selbstverständlich sei es darauf zu achten, niemanden zu stören. Nicht alle Sportler seien da immer so umsichtig - den sensiblen Pferden oder auch Spaziergängern gegenüber. "Alles in allem haben wir aber den Eindruck, dass alle im Wald gut miteinander auskommen", sagen die beiden engagierten Reiterinnen. Auch Alexander von Spiegel (UBF), selbst Waldbesitzer, attestiert Reitern, sich meistens an die Regeln zu halten: "Problem sind eher die Radfahrer." Das neue Landes-Naturschutz-Gesetz gibt im Prinzip alle Wege frei, lässt aber Beschränkungen zu, dort, wo Konflikte mit Erholungssuchenden oder erhebliche Schäden zu befürchten seien. Beides sei aber unverändert extrem selten, so Reitwegewart Götz Skudelny. Das Umweltamt gehe von falschen Prognosen aus. Reiter sind zudem die einzigen Sportler, die für die Nutzung ausgewiesener Reitwege eine Gebühr an die Stadt zahlen müssen. Wer in der freien Landschaft oder im Wald reitet, muss ein gut sichtbares gültiges Kennzeichen führen, so die Beschreibung des Umweltamts. Die Reiterkennzeichen und -plaketten werden gegen Entrichtung einer Reitabgabe ausgegeben. Kosten: 25 Euro im Jahr pro Einzelreiter, 75 Euro pro Schulpferd für Reiterhöfe. Die Abgabe wird ans Land abgeführt und steht zweckgebunden für die Anlage und Unterhaltung von Reitwegen sowie für Ersatzleistungen zur Verfügung, heißt es. "Auch wenn wir noch nicht direkt betroffen sind, wollen wir im Sinne alle Pferdesportler ans Umweltamt appellieren", sagen Luisa und Stine. Sie erläutern in ihrem Brief, warum Ausreiten so wichtig ist: Neben wichtiger Abwechslung für Pferd und Reiter könne man an der frischen Luft super abschalten vom Alltagsstress. Und Ausreiten sei für alle Reiter einfach das Größte. Der Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz berät am heutigen Dienstag über ein neues Reitwegekonzept. Der Stadtreiterband fordert eine Runden Tisch - und noch keine Entscheidung zu treffen. Luisa und Stine sind gespannt, wie es weiter geht. Sie und andere Reiter wollen zur Sitzung - ab 17 Uhr im Rochdale-Raum im Alten Rathaus - kommen. Kommentar: Freier Ritt für freie Bürger Ja, es ist schon gewaltig, welche Pferdemengen sich tagtäglich durch den Wald kämpfen. Auf ihrem Rücken dirigieren überforderte Reiter. Immer wieder kommt es zu gefährlichen Zusammenstößen zwischen harmlosen Fußgängern und einer Tierart, die in den Stall gehört, aber nicht an die frische Luft. Die Wälder sind aufgrund des ständigen Getrappels der scharfen Hufe bereits mit Schützengräben durchzogen, die Flurschäden kaum noch zu beziffern. Der Schmerzpreis für die Ausreitplakette kann nicht hoch genug sein. Hätten wir diese Zustände im Teuto, wäre das Eingreifen des Umweltausschusses verständlich. Doch was reitet das Gremium eigentlich, ihre Zeit für ein Vorhaben zu verschwenden, das keinem auf den Nägeln brennt? Unsinnige Reglementierungen schaffen Unmut und Politikverdrossenheit.

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