Magistrale: Heute wird die Artur-Ladebeck-Straße von der Stadtbahn und von Autoverkehr bestimmt. Im Sinne einer umweltfreundlicheren Verkehrspolitik könnte bald eine Fahrtrichtung komplett Fußgängern und Radfahrern gehören. - © Christian Weische
Magistrale: Heute wird die Artur-Ladebeck-Straße von der Stadtbahn und von Autoverkehr bestimmt. Im Sinne einer umweltfreundlicheren Verkehrspolitik könnte bald eine Fahrtrichtung komplett Fußgängern und Radfahrern gehören. | © Christian Weische

Bielefeld Artur-Ladebeck-Straße soll Fahrradboulevard werden

Der Verlust von Fördermitteln für einen Radweg soll wieder wettgemacht werden

Carsten Heil

Bielefeld. Das könnte der ganz große Wurf werden. Das Verkehrsamt hat ein Konzept erarbeitet, das eine Fahrtrichtung der Artur-Ladebeck-Straße komplett zu einem begrünten Boulevard für Fußgänger und Radfahrer macht. Oberbürgermeister Pit Clausen sieht zwar noch viele zu lösende Probleme bei dem Vorschlag aus dem Haus von Baudezernent Gregor Moss, kann sich für die Idee aber begeistern. Clausen auf Anfrage der NW: "Mich beeindruckt die Idee, einen Boulevard als Verbindung des Südens zur Innenstadt zu schaffen. Das wäre neu für Bielefeld und ein Symbol für die vom Rat beschlossene Verkehrswende." Grundsätzlich hatte der Rat im Jahr 2016 beschlossen, den Radverkehr strategisch voranzutreiben. In den Fokus rückten - neben zahlreichen anderen Bereichen - die Ladebeckstraße und die Hauptstraße in Brackwede. Verkehrsdezernent Moss: "Die Ladebeckstraße ist ein Unfallschwerpunkt für Radfahrer. Wir wollen sie sicherer und attraktiver machen." "Wir müssen die Menschen mitnehmen bei solch einer großen Maßnahme" Durch das lange Gefälle erreichen Radfahrer stadteinwärts hohe Geschwindigkeiten. Es kommt immer wieder zu brenzligen Situationen und Unfällen mit Autofahrern, die aus Nebenstraßen oder von Parkplätzen einbiegen (Marktkauf). Das Verkehrsamt hat jetzt vier Skizzen für mögliche Lösungen erarbeitet, von denen der Boulevard am weitreichendsten ist. Auf satten 9,40 Meter Breite sind rechts und links eine Baumreihe (zwei Meter) vorgesehen. Die übrigen 5,40 Meter teilen sich Radfahrer und Fußgänger. Folge: Eine Fahrtrichtung wird für Autofahrer aufgegeben, die andere für beide Fahrtrichtungen eingerichtet. Bisher haben noch nicht einmal die Politiker Kenntnis von den Skizzen. Verkehrsdezernent Moss sieht den Vorschlag in einem größeren Zusammenhang: "Bei der Verkehrswende in der gesamten Stadt geht es uns nicht um ein Gegeneinander von Bus, Bahn, Rad, und Auto. Wir müssen Mobilitätsketten aus verschiedensten Verkehrsmitteln schaffen. Wer die Wende schaffen will, muss mutig sein." Auch das selbstfahrende Auto sei mitzudenken, wie auch die Tatsache, dass Fahrradfahrer mit E-Bikes immer schneller werden und größere Distanzen zurücklegen können. Aus einer Vorlage für den Stadtentwicklungsausschuss, der am kommenden Dienstag tagt, geht hervor, dass der "Ladebeck-Boulevard" Teil des angedachten Radschnellweges Herford - Bielefeld - Gütersloh werden könnte. So reizvoll die Idee für den Oberbürgermeister und seinen Beigeordneten ist, sie sehen auch die Herausforderungen. Clausen: "Wir müssen die Menschen mitnehmen bei solch einer großen Maßnahme." So gelte es mit allen Anliegern, privaten wie gewerblichen, zu sprechen, Lösungen und den Interessenausgleich zu finden. Allein auf das Oetker-Firmengelände strömen täglich Hunderte Mitarbeiter und der Lieferverkehr muss berücksichtigt werden. Auch sind Verkehrs-Knotenpunkte und -Ströme zu bedenken. Beide wünschen sich eine intensive öffentliche Debatte über den Vorschlag. Das braucht Zeit. Die aktuelle Vorlage des Verkehrsamtes für den Stadtentwicklungsausschuss stellt dazu fest: "Die politische Beratung und die Öffentlichkeitsarbeit wird als schwierig und langwierig eingeschätzt." Dann beantragen wir die Fördermittel eben nochmal Außerdem: Zuvor müssen in Brackwede zuerst die Gotenstraße saniert und dann die Hauptstraße umgebaut werden (wegen der Hochbahnsteige). Das gehe nicht gleichzeitig so Moss. Denn: Während der Bauarbeiten auf der Hauptstraße diene die dann fertiggestellte Gotenstraße als Umgehungsstrecke. Die Hauptstraße soll laut Ausschuss-Unterlage 2022 fertig sein. Deshalb sei das Projekt Ladebeckstraße frühestens ab 2022 anzugehen. Das hat jedoch den Nachteil, dass die Stadt bereits auf zugesagtes Fördergeld des Bundesumweltministeriums in Höhe von 2,8 Millionen Euro verzichten muss. Denn der Förderzeitraum endet 2022 und das Ministerium hat die Zusage widerrufen. Clausen setzt deshalb darauf, dass neue Fördermittel für einen späteren Zeitpunkt erfolgreich beim Bundesumweltministerium beantragt werden können. Zusätzlich hat er die Regionale im Blick, die ab 2022 unter dem Titel "Urbanland" viel Geld aus NRW-Quellen in die Region bringen wird. Ziel der Regionale ist unter anderem, die Mobilität zwischen Stadt und Land zu verbessern. Da passt ein "Ladebeck-Boulevard" als Teilstück eines Radschnellweges im Herzen Ostwestfalens doch bestens ins Konzept. Clausen sagt selbstbewusst: "Wir geben das Projekt nicht auf."

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