Eingerüstet: Die Neue Hechelei im Ravensberger Park, in der das Ordnungsamt arbeitet, wird saniert und besser gedämmt. Noch bis Frühjahr 2019 bleibt sie Baustelle. - © Andreas Zobe
Eingerüstet: Die Neue Hechelei im Ravensberger Park, in der das Ordnungsamt arbeitet, wird saniert und besser gedämmt. Noch bis Frühjahr 2019 bleibt sie Baustelle. | © Andreas Zobe

Bielefeld Die Neue Hechelei bekommt eine Schönheitskur

Ein früheres Raspi-Nebengebäude, in dem heute auch das Fundbüro sitzt, wird saniert

Joachim Uthmann

Bielefeld. Außen erinnern Original-Natursteine und zwei Sheddächer an die bewegte Spinnerei-Geschichte. Innen wirkt die Neue Hechelei im Ravensberger Park mit eingezogenen Wänden für Büros wenig einladend. Trotzdem ist hier das Ordnungsamt der Stadt untergebracht. Das Gebäude ist alt, wird jetzt endlich saniert. Der alte Charme kommt aber nur teils wieder zur Geltung. Das Ensemble rund um die Ravensberger Spinnerei ist ein wichtiger Zeuge der Leinen- und Textilindustrie in Bielefeld. 1892 wurde die Neue Hechelei, die mit einer hohen Mauer von der Heeper Straße abgetrennt ist, gebaut. Die Stadt nutzt sie für Amt und Fundbüro. Im Keller lagern Hunderte Fahrräder. Der Traum, den historischen Bau fürs Naturkundemuseum zu nutzen, erfüllt sich nicht. Das hohe Gebäude mit Rundungen in den Decken würde sich für Ausstellungen deutlich besser eignen. Doch Friedhelm Feldmann, Leiter des Ordnungsamtes, und rund 60 seiner Mitarbeiter aus Bereichen wie Gefahrguterlaubnis, Gewerbeanmeldung, Verkehrswidrigkeiten und Bußgelder versuchen das Beste aus der Raumsituation zu machen. Rund 150 bis 200 Bürger kommen pro Tag. Sanierung soll bis Mai 2019 dauern Die Baustelle, die seit Oktober läuft, "ist eine hohe Belastung", sagt Feldmann: "Die Kollegen haben es bisher mit viel Toleranz ertragen." Und das werden sie weiter müssen. Bis Mai 2019, so schätzt Projektleiterin Silke Justen, wird die Sanierung noch dauern. 2,8 Millionen Euro hat der Immobilienservicebetrieb dafür einkalkuliert. Das Geld soll aus Kommunalinvestitionsmitteln kommen. Doch ob die Summe ausreicht, ist offen. Denn die gute Baukonjunktur macht dem ISB auch bei der Hechelei zu schaffen. Die Preise steigen - und Baufirmen sind schwer zu bekommen. "Die Auftragsbücher sind überall voll", sagt Justen: "Teils haben wir nicht mal Angebote auf Ausschreibungen erhalten." Deshalb musste die Außensanierung um ein halbes Jahr verschoben werden. Um Zeit aufzuholen, seien Umbauten im Keller vorgezogen worden. Der Naturstein wird aufgearbeitet, die Sheddächer, die viel Licht von oben ins Gebäude lassen, werden erneuert und gedämmt, Undichtigkeiten behoben. Kompliziert ist es, im laufenden Betrieb die Fenster auszutauschen, nach Vorbild der Originale aus Stahl. Mit der Firma Behne (Rheine) sind "Schleusen" entwickelt worden, in denen Juri Harder und seine Kollegen an den Fenstern arbeiten können, ohne dass die Büros geräumt werden müssen. Laut und störend ist es trotzdem. Feldmann: "Pufferbüros haben wir nicht." ISB lässt Spindeltreppe aufarbeiten Um ein bisschen den Stil der Geschichte ins Gebäude zu holen, lässt der ISB die eiserne Spindeltreppe im Flur, die vom Keller bis in das zweite Obergeschoss führt, aufarbeiten. Der eingebaute Bodenbelag in den Treppenhäusern ist entfernt, der alte Estrich wird abgestrahlt und soll Industriearchitektur zeigen. Toiletten sind verlegt, damit ein Fenster Licht ins Erdgeschoss bringt. Im Keller fanden sich neben dicken Mauern sogar Reste alter Dampfleitungen, die mal zur Ravensberger Spinnerei führten. Für die wurden in der Hechelei Flachs geröstet, damit er verarbeitet werden konnte. Die nebenstehende Alte Hechelei, die bereits 1857 entstand, ist heute Veranstaltungsort.

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