Hoch hinaus: Geht es nur für die Stelzenläufer. Die finanzielle Lage des Carnival wird dagegen immer prekärer. - © Oliver Krato
Hoch hinaus: Geht es nur für die Stelzenläufer. Die finanzielle Lage des Carnival wird dagegen immer prekärer. | © Oliver Krato

Bielefeld Sponsoren-Aus bedroht Carnival der Kulturen

Die Stadt ist für ihr Kulturfest deutschlandweit bekannt. Für viele Bielefelder ist es ein Höhepunkt. Doch Bielefeld Marketing zieht sich aus der Förderung zurück

Christine Panhorst

Bielefeld. "Gefördert durch die Bielefeld Marketing GmbH, die Stiftung der Sparkasse Bielefeld und das Kulturamt Bielefeld" untertitelte Bielefeld Marketing noch 2017 den Carnival der Kulturen. Doch das Stadtmarketing ist schon zum Carnival am 9. Juni als Sponsor raus. Nach 2019 könnte sich auch die Sparkassenstiftung wegen schwindender Erträge zurückziehen. Das befürchten die Veranstalter. Zugleich werden die Sicherheitsauflagen für das Straßenfest immer teurer. Der Ausstieg von Bielefeld Marketing war den Carnevalisten frühzeitig im Herbst 2017 mitgeteilt worden. Der gesponsorte Betrag ist mit 2.500 Euro nicht riesig, stellte aber eine feste Größe in den Planungen und einer Finanzierung dar, die seit Jahren wackelt. Das Stadtmarketing, das sonst nicht als Sponsor auftritt, hatte dem Carnival seit 2015 mit der Zusatzsumme immer wieder über finanzielle Engpässe hinweggeholfen. Doch Bielefeld Marketing muss selbst sparen. "Uns ist das Budget von Seiten der Stadt um fünf Prozent gekürzt worden", erklärt Martin Knabenreich, Geschäftsführer der Bielefeld Marketing, den Rückzug. "Das sind rund 60.000 Euro, die wir an verschiedenen Stellen kürzen mussten." Den Carnival habe es getroffen, weil er als externe Veranstaltung nicht zu den "Pflichtaufgaben" des Stadtmarketings gehöre. Auch ein Open-Air-Konzert der Philharmoniker im Bürgerpark wird es in diesem Jahr deshalb nicht geben. Denn auch die Kosten von Bielefeld Marketing sind gestiegen: Personalkosten seien das eine, das andere, dass städtische Veranstaltungen wie Leineweber oder Weihnachtsmarkt, durch erhöhte Sicherheitsanforderungen immer teurer würden. Der Aufwand für die verschiedenen Sicherheitskonzepte summiert sich laut Knabenreich inzwischen ungefähr auf eine halbe Mitarbeiterstelle auf. Als Mitglied im Förderkreis bleibe Bielefeld Marketing dem Carnival weiter erhalten, betont Knabenreich. Ebenso unterstütze man bei der Vermarktung auf Großflächen und in sozialen Netzwerken. Und wie soll es mit dem Carnival weitergehen? Für ihn sei es wichtig, dass die Stadt aus der Haushaltssicherung komme "und dann die richtigen Leute miteinander sprechen", so Knabenreich. "Er ist ein Wahrzeichen unserer Stadt." Bis dahin verlässt man sich offenbar bei der Stadt auf den selbstlosen Idealismus der Organisatoren und teilnehmenden Gruppen, die ihre Anreise selbst bezahlen. Gut 125.000 Euro kostet die Veranstaltung, die vom Shademakers Carnival Club und dem Welthaus Bielefeld mit viel ehrenamtlicher Hilfe zum 22. Mal veranstaltet wird. Dabei geht es nur um das Nötigste: 22.000 Euro kostet laut Welthaus-Geschäftsführerin Beate Wolff allein das Sicherheitskonzept. Dazu kommen Kosten für Technik, Toilettenwagen, Bühnen, GEMA-Gebühren, Transportkosten und so weiter. Wolff wünscht sich mehr Würdigung für den Carnival, der mit seiner Ausrichtung auf Inklusion, Bildung und Vielfalt einzigartig in Deutschland sei. "Auch Schulen, Kindergärten, Jugendprojekte beteiligen sich. Das ist etwas, dass die ganze Stadt erfasst. Wir wünschen uns, dass der Carnival stärker als Werbung für die Stadt Bielefeld wahrgenommen wird." Die Veranstalter versuchen weiter, sich selbst zu helfen, suchen nach Sponsoren, probieren Neues und setzen 2018 auf ein musikalisches Zugpferd beim "Carnival im Park": den Balkan-Pop-Musiker und "Disko Partizani" Shantel.

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