Bielefeld Dach des Helmholtz-Gymnasiums ist akut einsturzgefährdet

Gymnasium darf ab 2021 auf zusätzliche Halle für Talentförderung im Leistungssport hoffen. Marode Decke in der Aula erschwert die Unterrichtsplanung und sorgt für Ausfälle bei Musik und Theater

Joachim Uthmann

Bielefeld. Grund zu großer Freude gibt es am Helmholtz-Gymnasium. Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl überreichte gestern einen Förderbescheid in Höhe von 4,4 Millionen Euro für den Neubau einer zweiten Sporthalle. Doch gleichzeitig musste der kommissarische Schulleiter Joachim Held eine Hiobsbotschaft verkünden: Die Aula ist seit den Osterferien gesperrt, weil die Decke einzustürzen droht. NRW-Sportschule Am Helmholtz werden seit 2016 Talente für den Leistungssport gefördert in Trampolinspringen, Basketball und Volleyball. Das Gymnasium an der Ravensberger Straße gehört mit der Theodor-Heuß-Realschule Sennestadt und dem Königin Mathilde-Gymnasium Herford zu einer von 18 NRW-Sportschulen, die in Kooperation mit Vereinen Nachwuchs für den Spitzensport ausbilden. Dafür reicht die heutige Sporthalle nicht aus, die Trampolinspringer müssen sogar zur Rosenhöhe ausweichen. Deshalb plant die Stadt, unterstützt vom Land, eine neue Zweifachsporthalle mit Trampolinturm. Weil das Helmholtz-Gelände dafür zu klein ist, wird auf der anderen Seite der Ravensberger Straße auf dem Kunstrasenplatz gebaut. Der ist schon alt und wird seit dem Wechsel des VfB Fichte an die Rußheide nicht mehr für Fußballligen benötigt. Mit Trampolinturm Die Hälfte des Platzes wird als Kleinfeld für Schulsport hergerichtet, daneben entsteht die neue Halle auf rund 1.000 Quadratmetern mit bis zu 11,70 Meter Höhe, Glas- und Alufassade. Sport- und Schuldezernent Udo Witthaus (SPD) hofft, dass der Bau noch 2018 beginnen kann und 2021 fertig ist. Zunächst sind Kosten von 5,5 Millionen Euro kalkuliert, doch die würden wohl nicht ausreichen. Die Halle wird 27 Meter breit, so dass zwei Basketballfelder parallel genutzt werden könnten, betont RP-Sportdezernent Frank Spannuth. Beim Training kooperiert das Helmholtz mit den Vereinen TSVE (Basketball), Post SV Telekom (Volleyball) und SV Brackwede (Tampolin). Die Sportschüler, die einen von vier Zügen am Helmholtz bilden, haben fünf Stunden Sport pro Woche plus Übungsgruppen. Wettkämpfe sind in der neuen Halle nicht vorgesehen. Risse in Deckenbalken So gut die sportliche Perspektive ist, so traurig sind viele am Helmholtz, dass sie auf noch unbestimmte Zeit die Aula nicht nutzen können. Die Stadt hat sie im März gesperrt, weil ein Statiker das Risiko durch die schadhafte Decke für zu groß hält. Der Mangel festgestellt wurde durch Zufall. Eigentlich sollte nur die defekte Lichtanlage in der Aula ausgewechselt werden. Die hängt teils an einer Traverse unter der Decke. Als die Experten nachschauten und dafür die obere Estrichschicht ein Stück öffneten, stießen sie auf einen Holzbalken, der fingerdicke Risse aufwies. Zur Vorsicht schaltete der Immobilienservicebetrieb der Stadt einen Statiker ein, zumal es keine richtigen Pläne gebe. Der stellte Risse, aber auch Konstruktionsfehler in der Decke der in den 1920er Jahren gebauten Aula fest, die bisher niemand bemerkt habe. "Die Gefahr, dass etwas herunterfällt, ist zu groß", fasste Held die Einschätzung des Gutachters zusammen. In den Pfingstferien soll die Decke jetzt weiter geöffnet werden, um die vielen anderen Balken zu untersuchen. Wie groß der Sanierungsaufwand sein wird, ist unklar. Erschwerend kommt hinzu, das das Gebäude unter Denkmalschutz steht. Damit sind Eingriffe begrenzt und mit den Behörden abzustimmen. Held ist besorgt, dass die Sperrung noch dauern könnte. Musikunterricht, Theaterproben, größere Schulveranstaltungen, Konferenzen und Empfänge fallen in der Aula erst einmal flach. Dankbar zeigt sich Held über die gute Kooperation mit dem nahen Cecilien-Gymnasium, das Ausweichräume zur Verfügung stellt. Trotzdem: "Uns fehlt die Aula sehr. So müssen wir viel improvisieren."

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