Sie wollen bleiben: Manfred Grieswelle, Alexander Bach, Volker Wattenberg und Heinrich Bergen fühlen sich in ihren Kleingärten direkt hinter der Hauptfeuerwache wohl. Jetzt sollen sie die Parzellen räumen. Mit den Kündigungen wollen sie sich nicht abfinden. - © Barbara Franke
Sie wollen bleiben: Manfred Grieswelle, Alexander Bach, Volker Wattenberg und Heinrich Bergen fühlen sich in ihren Kleingärten direkt hinter der Hauptfeuerwache wohl. Jetzt sollen sie die Parzellen räumen. Mit den Kündigungen wollen sie sich nicht abfinden. | © Barbara Franke

Bielefeld Geschockt: Bielefelder Kleingärtner müssen für Feuerwache weichen

Betroffene verstehen nicht, dass sie schon ihre Parzellen räumen sollen und das zunächst auf eigene Kosten

Joachim Uthmann

Bielefeld. Eine kleine grüne Idylle liegt versteckt zwischen Hauptfeuerwache und Bahnlinie. Kleingärtner pflegen hier 13 Parzellen, die zur Bahn-Landwirtschaft gehören. Jetzt haben sie Kündigungen erhalten, sind geschockt und verärgert. Hintergrund ist, dass die Stadt die Hauptfeuerwache erweitern will. Doch die Pläne stecken erst in den Anfängen. "Es kann doch nicht sein, dass wir jetzt schon räumen müssen", sagt Volker Wattenberg (71), der den Garten von seinem Schwiegervater übernommen hat. "Früher hat der sogar Hühner gehalten, für uns als Kinder war das immer ein Sommerabenteuer", erinnert sich Tochter Sandra Wattenberg. Doch die Bahn-Landwirtschaft hat den Vertrag für Ende November gekündigt. Alexander Bach (57) hat 2015 sogar noch den Bau eines neuen Häuschens genehmigt bekommen. Alles sei geplant, Baumaterial gekauft. "Die Feuerwehr hat den Bedarf angemeldet" "Und jetzt das", sagt er, "das ist ärgerlich". Heinrich Berger (53) kritisiert den Stil des Bezirksverbands: "Erst schickt er die Pacht-Rechnung, eine Woche später die Kündigung." Die Kleingärten gehören zur Bahn-Landwirtschaft mit rund 170 Parzellen auf beiden Seiten des Stadtholzes. Deren Bezirksverband hat das Gelände von der Stadt gepachtet. Die hatte es von der Bahn nach deren Privatisierung gekauft, um die dort verlaufende Trasse der B 66n frei zuhalten. Die B 66n dürfte politisch gestorben sein, aber die Raumprobleme der Feuerwache mit rund 100 Beschäftigten und 70 Fahrzeugen nehmen zu. Stadt-Dezernentin Anja Ritschel (Grüne): "Da haben wir richtig Druck und sind nicht gut aufgestellt." Denn die Aufgaben der Wehr werden mehr, neue Fahrzeuge größer. "Am meisten drängt aber die Modernisierung der Leitstelle", sagt Ritschel: "Hier müssen wir in die Strümpfe kommen." Schon vor drei Jahren brannte das Thema. "Wir platzen in unserer Leitstelle aus allen Nähten", hatte Feuerwehrchef Rainer Kleibrink 2015 erklärt: "Die Hauptwache war nie für die Bewältigung von Großlagen vorgesehen, ein Stabsraum für den Ernstfall fehlt." Damals standen Summen von knapp acht Millionen Euro im Raum. Der Immobilienservicebetrieb (ISB) rechnete 2017 und 2018 mit der Umsetzung. Doch seitdem ist nichts geschehen. Aus dem Kommunalinvestitionsprogramm wäre Geld etwa für energetische Sanierung abrufbar gewesen. Die Stadt verwarf diese Überlegungen. Derzeit, räumt Ritschel ein, seien im Haushalt noch keine Mittel vorgesehen. "Die Feuerwehr hat den Bedarf angemeldet", sagt Rainer Peter vom ISB: "Das wird jetzt geprüft." Statt schnell in die Leitstelle zu investieren, hat die Stadt die Pläne neu auf den Prüfstand gestellt. "Wir machen erst eine Gesamtbestandsaufnahme, um zu klären, was nötig ist", so Ritschel. Peter: "Wir sind noch in einem frühen Stadium." Einbeziehen will die Stadt das anschließende Gelände mit dem veralteten Gebäude von Löschabteilung Mitte und Jugendfeuerwehr an der Bleichstraße. Doch ob ein großes Konzept finanzierbar ist, ist fraglich. Allein für die Leitzentrale schätzt Ritschel Kosten von rund 10 Millionen Euro. Ein Komplettausbau könnte das Doppelte oder Dreifache kosten. Die Dezernentin hofft noch 2018 auf eine Klärung des Ausmaßes. Bis 2020 müsste zumindest die Leitstelle fertig sein. Die Kleingärten habe man vorsorglich gekündigt: "Damit wir freie Hand haben", sagt Ritschel. Ob die Fläche wirklich benötigt wird und wenn ja, wann, ist aber völlig offen. »Wir können die Gärten doch nicht verkommen lassen« Für die Betroffenen ist das frustrierend. "Hier steckt viel Arbeit, Zeit und Kraft drin", sagt Bach. Manfred Grieswelle (70): "Es lohnt sich nicht mehr, hier etwas reinzustecken. Wir können die Gärten aber auch nicht verkommen lassen." Wattenberg: "Wir brauchen Rechtssicherheit." Viele der Kleingärtner sind schon älter: "Sie fühlen sich nicht mehr in der Lage, einen Garten neu aufzubauen." Und die Kosten für die Räumung gehen in die Tausende. So viel kostet auch ein neuer Garten. Ob es Entschädigungen gibt, wie hoch sie wären und wann sie kämen - alles ist ungeklärt. Jetzt sei ein Wertermittler eingeschaltet. Wattenberg will sich mit der Räumung nicht abfinden: "Ich werde erneut an den Verband schreiben."

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