Sequenz aus dem Video: Der Beamte holt hier offenbar zum Schlag aus. - © NW
Sequenz aus dem Video: Der Beamte holt hier offenbar zum Schlag aus. | © NW

Herford/Bielefeld Prügel-Video: Herforder Polizist in Bielefeld zu elf Monaten Haft verurteilt

Bewährungsstrafe: Das Geständnis des Angeklagten führt zu einem milderen Urteil

Nils Middelhauve

Herford/Bielefeld. Nach nunmehr beinahe vier Jahren ist ein denkwürdiges Verfahren zu einem vorläufigen und vermutlich auch endgültigen Abschluss gekommen. Das Bielefelder Landgericht verurteilte in einer Berufungsverhandlung einen 42-jährigen Polizisten aus Herford wegen gefährlicher Körperverletzung im Amt, Freiheitsberaubung, Verfolgung Unschuldiger im Amt sowie wegen versuchten Betrugs zu einer Bewährungsstrafe von elf Monaten. Darüber hinaus muss der Beamte 4.200 Euro Schmerzensgeld zahlen. Im Juni 2014 hatte der Polizist während einer Verkehrskontrolle offenbar die Nerven verloren: Er ging einen 42-jährigen Mann grundlos körperlich an und und attackierte ihn mit Pfefferspray. Darüber hinaus hielt er diesen und einen hinzugestoßenen Verwandten des Manns im Anschluss vorübergehend im Polizeigewahrsam fest. Zwar hatte sich der Angegriffene zuvor nicht gerade begeistert über die Kontrolle gezeigt und – wie er selber vor Gericht sagte – „etwas frech" reagiert. Doch, da waren sich die meisten Prozessbeteiligten einig, rechtfertigte dies in keiner Weise die Gewaltanwendung des Beamten. "Von einem Polizisten darf man mehr Professionalität erwarten" „Von einem Polizisten darf man mehr Professionalität erwarten", sagte Staatsanwältin Nicole Abts in ihrem Plädoyer. Doch kam es noch dicker: Der Polizist belog Kollegen und Richter, stellte einen Strafantrag und beantragte seinerseits die Festsetzung von Schmerzensgeld. Der Prozess gegen den vermeintlich renitenten Autofahrer und dessen Cousin endete vor dem Herforder Amtsgericht 2015 mit einer dicken Überraschung: Ein Video des fraglichen Einsatzes war zu den Akten gelangt – und dem Gericht blieb nichts anderes übrig, als die Angeklagten freizusprechen. „Hätten wir an jenem Prozesstag das Video nicht gesehen, wäre mein Mandant garantiert verurteilt worden", resümierte Nebenklagevertreter Detlev Binder gestern. Doch auch Martin Lindemann, der gemeinsam mit seinem Kollegen Tobias Diedrich den Polizisten vor Gericht vertrat, konnte sich eine diesbezügliche Spitze gegen die Justiz nicht verkneifen: „Die Staatsanwaltschaft hatte das Video offenbar zuvor nicht angesehen. Ansonsten hätte es sicherlich keine Anklage gegeben." Nun aber wendete sich die Perspektive, und das Herforder Amtsgericht verurteilte den Beamten 2016 zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten. Gegen dieses Urteil legte er Berufung ein, da somit eine berufliche Zukunft bei der Polizei ausgeschlossen wäre. In der Berufungsverhandlung vor dem Bielefelder Landgericht zeigte sich der Angeklagte geständig. Das Gericht milderte die Strafe um vier Monate. Verteidiger Lindemann kündigte an, sein Mandant werde das Urteil annehmen.

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