Der Anblick täuscht: Im Prinzip ist nur die Fassade des Hauses am Ehlentruper Weg, an dem die langen Leitern der Feuerwehr angelehnt sind, stehengeblieben. Ein niederländischer Jagdbomber ist am 13. Mai 1953 abgestürzt. - © Stadtarchiv Bielefeld
Der Anblick täuscht: Im Prinzip ist nur die Fassade des Hauses am Ehlentruper Weg, an dem die langen Leitern der Feuerwehr angelehnt sind, stehengeblieben. Ein niederländischer Jagdbomber ist am 13. Mai 1953 abgestürzt. | © Stadtarchiv Bielefeld

Bielefeld Augenzeuge berichtet: So erlebte er den Düsenjägerabsturz 1953 in Bielefeld

Katastrophe am Ehlentruper Weg: Vor 65 Jahren kommt wie durch ein Wunder nur der Pilot ums Leben. Die Maschine bohrte sich bis in den Kellerboden des Acht-Familien-Hauses

Susanne Lahr

Bielefeld. Der Himmel ist diesig an diesem Mittwoch, 13. Mai, 1953. Der Lärm eines niedrig fliegenden Düsenflugzeugs über der Stadtmitte ist zu hören, dann ein fürchterlicher Krach. Ein niederländische Jagdbomber des Typs Thunderjet F-84 G ist abgestürzt und in zwei Wohnhäuser am Ehlentruper Weg eingeschlagen. Wie durch ein Wunder kommt nur der Pilot ums Leben, acht Menschen werden zum Teil schwer verletzt. Ein Zeitzeuge, Klaus A., erinnert sich gut, ist seine Familie doch nur knapp der großen Katastrophe entgangen. Der 14-jährige Klaus ist mit dem Rad auf dem Heimweg von der Schule, als ihm eine ungewöhnlich große Menschenmenge auffällt, die ein Ziel zu haben scheint. Kurz vor der Ravensberger Straße erzählt ein ihm bekannter Junge: "In euer Haus ist ein Flugzeug gestürzt." Kurz drauf trifft Klaus seinen Onkel Erich, der an der Ecke Ravensberger/Teutoburger Straße wohnt. Erst will er ihn nicht gehen lassen, begleitet den 14-Jährigen dann aber doch zur Unglücksstelle. Die Polizei hat den Ehlentruper Weg abgeriegelt. "Mühsam haben wir uns durch die murrende Menge gedrängt", erinnert sich Klaus A. Sein erster Eindruck: "Eine große Anzahl von Feuerwehrwagen, ein unbeschädigtes Elternhaus." An den geöffneten Fenstern stehen lange Feuerwehrleitern. Der Blick am Haus vorbei habe aber das Ausmaß der Katastrophe offenbart. "Teil des Hauses war wie ein Kartenhaus über drei Etagen zusammengestürzt" "Ich sah voller Entsetzen, dass der ganze hintere Teil des Hauses eingestürzt war und die Feuerwehr immer noch Wasser in diesen Teil spritzte." Ein kleines Hinterhofhaus ist vollständig ausgebrannt. Zudem hat das Düsenflugzeug mit seinem Flügel eine Schneise ins Nachbarhaus geschlagen, die "wie eine offene Wunde" aussah. "Unsere Wohnung . . . existierte nicht mehr. Dieser Teil des Hauses war wie ein Kartenhaus über drei Etagen zusammengestürzt. Ja, das Flugzeug hatte sich sogar bis in den Kellerboden gebohrt." Zum Zeitpunkt des Absturzes waren lediglich Klaus' Mutter und ein älteres Ehepaar, alle aus den Parterre-Wohnungen des Acht-Familien-Hauses vor Ort. Doch zunächst können weder Polizisten und Feuerwehrleute dem Jugendlichen Auskunft geben, was mit seiner Mutter geschehen war. Erst sein Vater, kaufmännischer Angestellter der Anker-Werke AG, den man herbeigerufen hat, kann Entwarnung geben. Klaus' Mutter ist verletzt, konnte aber geborgen werden. Sie hat Glück, hat nur Platzwunden und eine schwere Gehirnerschütterung. Noch Monate später versetzt ihr aber jeder Tiefflieger einen Schock. Andere Nachbarn erleiden durch das brennende Kerosin Brandverletzungen. Von dem Piloten, Sergeant-Flieger L.J. Duk, hat man "lediglich ein Oberschenkelknochen und den Rest eines Daumens gefunden", erinnert sich Klaus A. Die Schwester war mit ihrer Familie erst kurz vorher weggezogen Der 14-Jährige hat tags drauf in der Schule Mühe, da er von dem Absturz betroffen ist und keine Schulbücher mehr besitzt. Zunächst kommen Vater und Sohn bei Verwandten und Freunden unter, später wird ihnen eine kleine Wohnung in der Nähe seiner Schwester zugewiesen. Diese war übrigens mit ihrer Familie wenige Tage zuvor aus dem Haus am Ehlentruper Weg ausgezogen. Die Stadt hilft mit einem kleinen Vorschuss auf die späteren Versicherungsleistungen. Nach gut einem Jahr sind wir zum Ehlentruper Weg zurückgezogen", erinnert sich Klaus A., "in ein wunderschönes neues Haus."

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