Fiese Nager: Lkw stehen an der Raststätte Lipperland Süd an der A 2. Viele Fahrer entsorgen ihren Müll in den Grünstreifen. Ein gefundenes Fressen für Ratten, ein Problem für Straßen.NRW. - © Oliver Krato
Fiese Nager: Lkw stehen an der Raststätte Lipperland Süd an der A 2. Viele Fahrer entsorgen ihren Müll in den Grünstreifen. Ein gefundenes Fressen für Ratten, ein Problem für Straßen.NRW. | © Oliver Krato

Bielefeld Löcher in Lärmschutzwällen: Rattenbefall an der Raststätte Lipperland

Christine Panhorst

Bielefeld. Die Ratten sind los: Am Rande der Parkplätze der A-2-Raststätte Lipperland Süd finden die Nager offenbar perfekte Lebensbedingungen vor. Dort, wo Lastwagenfahrer täglich Müll ins Grün entsorgen, unterhöhlt ein Netz unterirdischer Bauten die Wälle der Lärmschutzwände. Straßen.NRW hat einen Kammerjäger beauftragt, um dem Rattenbefall beizukommen. Die mindestens ebenso unappetitliche Ursache bleibt jedoch unbekämpft. Bei ihren Streckenaufräumarbeiten war die zuständige Autobahnmeisterei Herford auf den Rattenbefall vor einigen Wochen aufmerksam geworden. Mitarbeiter stießen entlang des grünen Walls an der Lärmschutzwand auf Löcher, so groß wie ein Tennisball. "Dort sind Rattennester festgestellt worden", erklärt Stefan Meyer, betriebsdienstlicher Leiter. "Wir wissen nicht, warum das so extrem geworden ist." Sechs Fallen mit Giftködern hat Kammerjäger Jens Heidel Ende März im Auftrag von Straßen.NRW entlang der Haltebucht für Schwerlaster im Grünzug aufgestellt. Gut 60 bis 70 Zentimeter lang, aus Metall, im Inneren sind Giftköder. Der Fachmann sagt: "Ratten fühlen sich wohl, wo sie Material für den Nestbau finden, weichen Boden, in den sie sich einbuddeln können und wo es in der Nähe etwas zu fressen gibt." Hunde kommen nicht an die Giftköder Wie viele Ratten am Lipperland-Süd-Parkplatz unterwegs sind, sei schwer zu sagen, sagt Heidel. "Das ist reine Spekulation." Bis jetzt würden die Köder jedenfalls noch immer gefressen. Heißt: Nach vier Wochen Falleneinsatz gibt es noch immer zahlreiche Nager. Erst einmal bis Mai soll Heidel deshalb weiter seine Köder auslegen. Die Köderkästen sind verschraubt, Warnhinweise erläutern ihre Funktion. Hunde kämen an die Köder nicht heran, sagt Meyer. Für Raststättengäste ist von der möglichen Plage tagsüber nichts zu sehen. Die Tiere sind nachtaktiv. Wer jedoch den Wall entlang geht, entdeckt mit jedem Schritt, drei bis vier neue Löcher im Erdboden. Offensichtlicher ist jedoch das eigentliche Problem: Müll. Alte Teebeutel liegen im Grün am Standstreifen. Rund um überfüllte Mülleimer verstreut sind schmierige Plastik- und Papiertüten, Brotreste, leere Trinkpäckchen, kleine Schnapspullen und Plastikflaschen mit undefinierbarem, gelblichen Inhalt. Die großen Mülltonnen sind ebenfalls überfüllt. Es riecht streng und das nicht nur nach Gammeligem. Offenbar ist vielen Fernfahrern der Weg zum nahegelegenen Raststätten-Gebäude und den dortigen Toiletten schon zu weit. Leute, die mit Müllentsorgung nicht umgehen könnten, seien ein Grundproblem, sagt Axel Kruse von der Gesundheitsaufsicht der Stadt. Die Giftköder bekämpfen die Ratten, nicht ihre Ursache. Fall ist nicht bekannt Kruse ist der Rattenbefund am Lipperland-Parkplatz neu. "Der Fall ist uns noch nicht bekannt." Dabei sei es wünschenswert, dass Informationen ausgetauscht würden, vor allem auch zwischen betroffenen Anliegern. Doch beim Unternehmen Tank & Rast weiß man ebenfalls nichts von den Ratten nebenan. "Von Straßen.NRW liegen uns keine entsprechenden Informationen vor", teilt Pressesprecherin Bettina Schaper auf Anfrage mit. Die Franchisepartner von Tank & Rast seien zudem nur für einen schmalen Bereich unmittelbar an den jeweiligen Raststätten zuständig. "Bei den Parkplätzen und übrigen Freiflächen an Rastanlagen handelt es sich um öffentliche Flächen." Auch das Müllproblem ist Sache von Straßen.NRW.

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