Pläne umstritten: Für die Option einer späteren Stadtbahn-Trasse wäre der Umbau der Heeper Straße deutlich teurer als bisher kalkuliert. - © Oliver Krato
Pläne umstritten: Für die Option einer späteren Stadtbahn-Trasse wäre der Umbau der Heeper Straße deutlich teurer als bisher kalkuliert. | © Oliver Krato

Bielefeld Stadtbahn-Option an der Heeper Straße kostet Millionen

Umbau: Große Lösung mit Verlegung aller Kabel würde über sieben Millionen Euro mehr verschlingen. Verwaltung rät zu Kompromiss mit verstärktem Kanal – und Mehraufwand von rund einer Million Euro

Joachim Uthmann

Bielefeld. Im Streit um den Umbau der Heeper Straße zeichnet sich ein neuer Kompromiss ab. Er ließe die Option für eine spätere Stadtbahn-Strecke, verursacht kurzfristig aber weniger Mehrkosten als befürchtet. Die Paprika-Koalition neigt offenbar dazu, diesem Vorschlag der Verwaltung heute im Stadtentwicklungsausschuss des Rates zu folgen. Würde man alle Leitungen und Kanäle in der Heeper Straße so verlegen oder neu bauen, dass nichts mehr unter einer möglichen Stadtbahn-Trasse läge, stiegen die Kosten um mindestens sieben Millionen Euro an. Eine zweite Kanaltrasse verschlänge 3,2 Millionen Euro und der Umbau aller Stadtwerke-Leitungen unter Geh- und Radwege rund 3,5 Millionen Euro, schätzt die Verwaltung in einer Vorlage für den Ausschuss. Noch nicht eingerechnet ist die Verlegung einer Leitung der Ruhrgas, die zusätzlich ein Millionen-Risiko für die Stadt bringen würde. Hinzu kommt, dass ein erheblicher Teil der Leitungen, die die Stadtwerke in den letzten Jahren an der Heeper Straße für rund zwei Millionen Euro erneuert haben, wieder ausgegraben werden müsste. Eine solch große Variante halten die Experten im Rathaus nicht für empfehlenswert. Deshalb schlagen sie jetzt eine abgespeckte Variante vor, die zwar günstiger ist, aber neue Risiken birgt: Danach wird der Kanal auf der heutigen Trasse erneuert – aber mit „statisch verstärktem Material", so dass die Rohre auch die Last einer Stadtbahn-Strecke aushalten. Außerdem müssten die Schächte neu gebaut werden – abseits der Stadtbahn-Trasse. Denn nur dann seien Wartung, Kontrolle und Unterhaltung möglich, erläutert Hans Martin vom Amt für Verkehr. Für diesen Zusatzaufwand rechnet die Verwaltung mit Mehrkosten von rund einer Million Euro. Vorteil dieser Lösung wäre, dass nicht nur die Stadtbahn-Trasse möglich wäre, sondern auch die vorhandenen Versorgungsleitungen erst einmal dort bleiben könnten, wo sie liegen. Verlegungen wären dann später nur noch für den Stadtbahnbau, nicht aber für eine Kanal-Verlegung nötig. Nachteil der Lösung ist, dass die Kanalunterhaltung „erschwert" würde. Martin: „Das ist unvermeidbar, wäre technisch aber lösbar und beherrschbar". Müsste der Kanal gar aufgegraben werden, lägen die Gleise im Wege. Verkehrsdezernent Gregor Moss (CDU) räumt in der Vorlage ein, dass die Planung erst noch „durchzuführen" sei und die Kosten deshalb nur „grob geschätzt" seien. Bisher ging das Amt für Verkehr von einer Neugestaltung der Heeper Straße ohne die Option einer Stadtbahn-Trasse aus. Mehrkosten 
für Kanal aus Abwassergebühr Nach Einschätzung von Moss in der Vorlage erfolgt der Kanalbau nach dem Kompromiss „unter zu diesem Zeitpunkt weitestgehender Berücksichtigung der Stadtbahn-Option". Die Stadtwerke-Leitungen müssten nicht neu verlegt werden, später aber die Ruhrgasleitung auf eine Alternativtrasse weichen. Jetzt müssen die Politiker entscheiden. Die Paprika-Koalition aus SPD, Grünen, Bürgernähe und Piraten hatten die Prüfung der Auswirkungen einer Variante, bei der die Stadtbahn-Trasse frei gehalten wird, beantragt. Sie halten eine Linie nach Heepen weiterhin für sinnvoll. Die vormals geplante Linie 5 war in einer Bürgerbefragung aber gescheitert. Dass kurzfristig eine Stadtbahn nach Heepen gebaut wird, ist sehr unwahrscheinlich. Schwer nachvollziehbar wäre auch, die Heeper Straße jetzt für die angepeilten 9,3 Millionen Euro bis 2023 auszubauen – und dann wenig später für den Stadtbahnbau wieder aufzureißen. Die Bürgerinitiative „Pro Bus Heepen", die schon die Linie 5 bekämpfte, fordert als Alternative mehr Elektrobusse. Eine weitere Kröte beim Kompromiss wäre, dass die eine Million Euro für den teureren Kanal aus anderen Töpfen bezahlt werden müsste. Das dürfte alle Bielefelder treffen – über eine höhere Abwassergebühr.

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