Bielefeld Mieterbund kritisiert Wohnungskonzern LEG wegen unzulässiger Mieterhöhungen

Immobilienmarkt: Regionaler Interessensvertreter sieht börsennotiertes Großunternehmen als "Preistreiber". Bewohner sollten Forderungen genau prüfen. LEG wiegelt ab

Dennis Rother

Bielefeld. Der Mieterbund schießt gegen einen der größten privaten Wohnungsvermieter in der Stadt. Bielefelder Kunden der LEG Immobilien AG hätten jüngst unzulässige Mieterhöhungen bekommen. "Das Unternehmen ist ein Preistreiber", sagt Ralf Brodda, Mieterbund-Geschäftsführer in OWL. Er kritisiert etwa, dass die LEG ohne Begründung Höchstwerte der Mietspiegel-Preisspanne fordere. Die LEG wiegelt ab. Wie berichtet, wurde im Februar 2018 der neue Mietspiegel veröffentlicht. Demnach steigen die Mieten quasi überall deutlich. Wie der Mieterbund mitteilt, sollen Bewohner von LEG-Häusern nun draufzahlen. Dabei weicht das Unternehmen laut Ralf Brodda bereits seit Jahren vom Mietspiegel-Mittelwert nach oben ab. Das sei rechtlich nur für Wohnungen mit "besonderen Vorteilen" vorgesehen, die LEG habe aber oft Altbauten ohne hohen Standard und "in relativ schlechtem Erhaltungszustand". Ralf Brodda rügt auch die neuerdings angesetzten Zuschläge pro Quadratmeter. Die würden für vermeintlich gute Wohnlagen gelten, bei denen es sich aber tatsächlich oft um durchschnittliche Wohnlagen handele. Einzelfall-Überpüfungen seien nötig, so Brodda. Eine Grundlage der Wohnlagen-Bewertung ist die neue Wohnlagenkarte des Gutachterausschusses. "Die gehört nicht direkt zum Mietspiegel, sondern ist als Orientierungshilfe für Immobilienkäufe und -verkäufe gedacht", sagt Brodda. Für Mietpreisanstiege müsse neben der Lage auch das Image des Quartiers berücksichtigt werden. Die Linke hatte bereits in der Vorwoche die neue Wohnlagen-Einstufungen bemängelt. Flächendeckend würden selbst Straßenzüge mit Mehrgeschosshäusern zu Top-Lagen aufgewertet, so die Partei. Der Mieterbund warnt LEG-Kunden zudem davor, das Angebot einer "Mietpreisgarantie" blindlings anzunehmen. Wer kurzfristig pauschal einer Erhöhung um zehn Euro pro Monat zustimme, bei dem würden Mieten für zwei Jahre eingefroren, so die Offerte. »Mietpreisgarantie« für zwei Jahre solle auf den Prüfstand Diese zehn Euro könnten bereits zu viel sein, also unerlaubt, betont Brodda. "Alle zwei Jahre kommen in der Regel sowieso neue Mitspiegel." Für Mieter gebe es also beim Angebot keine Vorteile. Zur Lage speziell in Bielefeld gab es von der LEG auf Anfrage dieser Zeitung keine Auskunft. Die Idee der Mietpreisgarantie sei von Mietern selbst gekommen, sagt Pressesprecherin Judith-Maria Gillies. Sie hätten sich mehr Planungssicherheit gewünscht. Bei Mieterhöhungen orientiere man sich an Kosten für die Häuserinstandhaltung, an Vergleichspreisen vor Ort, an der Lage in der Stadt und im Gebäude, an Wohnungsgröße und -ausstattung sowie an "Entwicklungsperspektiven der Siedlung im Stadtteil". Gillies sagt: "Jede Wohnung begutachten wir individuell." Und: "Natürlich spielt bei unserer Beurteilung auch die Nachfrage eine wesentliche Rolle." Das Endergebnis der LEG-Berechnungen ist für die Mieterbund-Vorsitzende Veronika Rosenbohm indes eindeutig: "Die schwierige Wohnungsmarkt-Situation wird ausgenutzt, um Mietpreise explodieren zu lassen."

realisiert durch evolver group