Bielefeld Bielefelder Traditionsunternehmen ist pleite

Reinigung Ruhe: Ein Schaden am Hauptdampfkessel führte zum Aus. Neun von 16 Filialen gerettet

Sebastian Kaiser

Bielefeld. Der Ausfall eines großen Dampfkessels in der Zentrale der Textilreinigung Ruhe führte am Ende zum Aus des Bielefelder Traditionsunternehmens. Den Schaden habe der unter starkem Kostendruck stehende Betrieb nicht verkraften können, berichtet Insolvenzverwalter Martin Schmidt. Ruhe musste Insolvenz anmelden. Knapp vier Monate danach hat sich die Zukunft der Textilreinigung nun geklärt. Neun der 16 Filialen des Unternehmens sind veräußert worden, 31 von 83 Mitarbeitern werden weiterbeschäftigt. Die wesentlichen Vermögenswerte der Firma seien an die neu gegründete "Reinigung Ruhe GmbH" übertragen worden, teilt Insolvenzverwalter Schmidt mit. Sitz des Unternehmens ist nicht mehr Bielefeld, sondern Paderborn. Weniger Aufträge durch Trend zu Billigkleidung Mehrere Monate lang hatte Schmidt, Rechtsanwalt und Steuerberater in der auf Insolvenzverwaltungen und Restrukturierungen spezialisierten Kanzlei Andres Partner, nach Investoren gesucht. "Ziel war es von Anfang an, eine möglichst große Zahl an Niederlassungen an einen Investor zu veräußern", so Schmidt. Bereits während des Prozesses hätten 15 Beschäftigte die Textilreinigung Ruhe durch "natürliche Fluktuation" oder Auslaufen von Zeitverträgen verlassen. 37 Mitarbeitern habe damit schließlich gekündigt werden müssen. Unter den geschlossenen Standorten befindet sich auch die ehemalige Zentrale an der Detmolder Straße. Von den weiterbestehenden Filialen liegen drei in Bielefeld: in den Marktkauf-Niederlassungen Artur-Ladebeck- und Oldentruper Straße sowie an der Friedenstraße. Jeweils eine Filiale gibt es in Detmold, Gütersloh, Lage, Paderborn, Salzkotten und Schötmar. "Darüber hinaus wird der neue Eigentümer die Kooperation mit Annahmestellen in Bielefeld und Oerlinghausen sowie zwei weiteren in Paderborn uneingeschränkt aufrechterhalten", sagt Schmidt. Die 1932 als "Chemische Reinigung Groß" gegründete Textilreinigung Ruhe war durch mehrere Faktoren in die Krise geraten. Dabei habe auch der Trend zu selbstwaschbarer Billigkleidung eine Rolle gespielt, so der Insolvenzverwalter. "Wir haben einen starken Rückgang im Geschäft mit Privatkunden erlebt", sagte der ehemalige Geschäftsführer Carsten Ruhe, nachdem er im Dezember 2017 den Insolvenzantrag stellen musste. Immer weniger Menschen hätten Kleidungsstücke zur Reinigung gebracht. Es sei nicht schnell genug gelungen, den gewerblichen Bereich zu stärken. Das Volumen der Aufträge habe kaum mehr gereicht, um die Firmenzentrale mit ihren großen Reinigungsmaschinen auszulasten, so der Insolvenzverwalter. "Das war das Hauptproblem." Die Firma sei betriebswirtschaftlich gut geführt gewesen und habe großen Wert auf Qualität gelegt. Das allerdings sei mit viel Handarbeit vor allem in der Zentrale verbunden gewesen. Zahlreiche Mitarbeiter dort seien im Niedriglohnbereich beschäftigt gewesen. Die Einführung des Mindestlohns habe dann zu Steigerungen der Personalkosten um 20 bis 30 Prozent geführt. Preiserhöhungen seien aber nicht möglich gewesen. "In dieser Branche sind die Kunden nicht bereit, höhere Preise etwa für die Reinigung eines Hemdes zu akzeptieren", sagt Schmidt. Als es dann im Herbst 2017 in der Zentrale zu einem schweren Defekt des Hauptdampfkessels, der die Reinigungsmaschinen mit Dampf versorgt, kam, habe das einer Katastrophe geglichen. "Zwar gab es einen Ersatzkessel", berichtet Schmidt., "doch der hatte deutlich höhere Betriebskosten und war auch nicht für den Dauerbetrieb ausgelegt." Die Neuanschaffung eines Kessels hätte einen hohen sechsstelligen Betrag verschlungen. Dazu habe das Unternehmen nicht mehr die Kraft gehabt.

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