Entsetzt über die Verschmutzung: Angelika Albrecht sieht die Müllhaufen an den Heeper Fichten fast täglich, wenn sie mit ihrer Hündin Lotte spazieren geht. - © Wolfgang Rudolf
Entsetzt über die Verschmutzung: Angelika Albrecht sieht die Müllhaufen an den Heeper Fichten fast täglich, wenn sie mit ihrer Hündin Lotte spazieren geht. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Müll überall: So dreckig sind Bielefelds Parkanlagen

An mehreren Orten in der Stadt türmen sich nach dem ersten Grill-Wetter die Müllhaufen

Jan Ahlers

Bielefeld. Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte, schrieb Eduard Mörike einst. In Bielefeld flattern blaue Mülltüten - und weiße und gelbe. Dutzende rappelvolle Säcke liegen nach dem ersten warmen Wochenende auf dem Gelände zwischen Radrennbahn und Heeper Fichten herum, einige sind zerrissen. Knochen und menschliche Exkremente verrotten im Gebüsch. Es ist für viele ein widerwärtiger Anblick - und ein bekanntes Problem. Angelika Albrecht geht mit ihrer neunjährigen Hündin Lotte oft dort spazieren, wo nun eine Müllhalde entstanden ist. "Das ist völlig unzumutbar", sagt sie entrüstet. "Und wir haben nicht Montag, wir haben Donnerstag." Mehr als genug Zeit für den Umweltbetrieb der Stadt, den Unrat zu beseitigen, meint Albrecht. "Aber es ist jedes Jahr das Gleiche. Als wäre der Frühling überraschend gekommen." Ihr Mops-Terrier-Mischling trat im November 2017 im Ravensberger Park in eine zerbrochene Sektflasche, eine Sehne im Fuß wurde durchtrennt. "Es wurde sogar überlegt, das Bein zu amputieren", schildert Albrecht. Die Tierarztkosten von mehr als 350 Euro würde sie sich am liebsten von der Stadt zurückholen. »Für die, die Müll hinterlassen, gibt es keine Konsequenzen« Ob an den Heeper Fichten, zwischen Volkshochschule und Lichtwerk oder am Bultkamp in Schildesche - quer durch die Stadt türmt sich der Müll an Parkbänken, auf Grünflächen und öffentlichen Grillplätzen. Auf den Wiesen nahe der Radrennbahn liegen Säcke neben den überfüllten Abfalleimern. "Die sind viel zu klein. Wieso gibt es nicht größere Container dafür?", fragt ein Bielefelder, während er einen kleinen Grill aufstellt. Der viele Müll in der Stadt sei die Folge eines gesellschaftlichen Problems, meint Andreas Geisler vom Umweltbetrieb. "Die Stadt kann nur selten mit ordnungsbehördlichen Mitteln einzelne Verursacher ermitteln", heißt es zudem in einer umfangreichen Mitteilung. "Wenn überhaupt mal ein Ordnungshüter an den Wochenenden vor Ort wäre", entgegnet Angelika Albrecht. "Uns Hundehaltern werden ganz fix Knöllchen in die Hand gedrückt, wenn ein Tier nicht angeleint ist. Für diejenigen, die hier Müllberge hinterlassen, gibt es keine Konsequenzen." Das ist einfacher gesagt als getan, kontert Geisler. Die Reaktionen der Parkbesucher seien unberechenbar, meint er. Die zunehmende Verschmutzung ist auch anderen Bielefeldern aufgefallen, die in sozialen Netzwerken ihrem Unmut Luft machen. "Was stimmt mit solchen Menschen nicht?", schreibt eine Userin auf Facebook. "Ich habe am Montag sogar ungegrillte Hühnerschenkel gefunden und entsorgt", kommentiert ein anderer. Und eine dritte Stimme bezeichnet das Problem als "allseits bekannt und fröhlich ignoriert. Leider ist es normal geworden". Schon 2001 wurde die Sonderarbeitsgruppe "Saubere Stadt" gegründet, die unter anderem wilde Müllablagerungen beseitigen soll. Jeden Freitag würden zudem die Grünanlagen gereinigt, damit "am Wochenende ein besseres Erscheinungsbild vorherrscht", heißt es in der Mitteilung des Umweltbetriebs. Tatsächlich ist das nur so lange der Fall, bis sich erste Großgruppen in Parkanlagen niederlassen und ihre Hinterlassenschaften trotz fünfsprachiger Gebotsschilder nicht mitnehmen. Die Stadt sagt dazu: "Zusätzliche Hinweise halten nur wenige Müllsünder ab, ihre Gegenstände wegzuschmeißen."

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