Vertrag unterzeichnet: Jobcenter-Geschäftsführer Rainer Radloff, Oberbürgermeister Pit Clausen, REGE-Geschäftsführer Klaus Siegeroth, Stiftungs-Vorstand Gunter Thielen, Berufskolleg-Leiter Jürgen Ackermann und Arbeitsagentur-Geschäftsführer Thomas Richter (v. l.). - © Dennis Rother
Vertrag unterzeichnet: Jobcenter-Geschäftsführer Rainer Radloff, Oberbürgermeister Pit Clausen, REGE-Geschäftsführer Klaus Siegeroth, Stiftungs-Vorstand Gunter Thielen, Berufskolleg-Leiter Jürgen Ackermann und Arbeitsagentur-Geschäftsführer Thomas Richter (v. l.). | © Dennis Rother

Bielefeld Förderprojekt startet: Stiftung macht Bielefelds Jugend fit für den Arbeitsmarkt

Jobsuche: Rund 150 junge Menschen mit Hauptschulabschluss und ohne Ausbildungsplatz sollen durch die Bildungs-Initiative "Was geht - Rein in die Zukunft" unterstützt werden. Es gibt Mentoren-Hilfe, Firmen-Exkursionen, Azubi-Treffen. Investition in sechsstelliger Höhe angekündigt

Dennis Rother

Bielefeld. Ein langfristig angelegtes Bildungsprojekt, das sich laut den Initiatoren woanders bereits bewährt hat, kommt jetzt nach Bielefeld. "Was geht - Rein in die Zukunft" lautet der Name, die Gütersloher Walter-Blüchert-Stiftung hat es gestartet. Ziel ist es, junge Menschen fit für den Arbeitsmarkt zu machen. Damit das gelingt, hat sich ein großes Bündnis aus Stadt, Arbeitsagentur, Berufskollegs und Co. zusammengetan (s. Infokasten). Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) spricht von einem "Aufbruchsignal" für 150 bis 170 Jugendliche, die in Bielefeld für das Programm in Betracht kämen. Sie hätten den Hauptschulabschluss nach Klasse 10, der Übergang in Betriebe sei aber nicht gelungen. Für ein Jahr sind sie an Berufskollegs - an der sogenannten Berufsfachschule Typ 2 - und orientieren sich während des Schulalltags im Unterricht weiter. Sie suchen nach Jobs, aber oft auch erstmal überhaupt nach Interessen, Neigungen und verborgenen Talenten. Und manche scheitern, es droht Hartz IV. Unverschuldet fehle ihnen zum beruflichen Durchstarten oft schlicht die Perspektive, sagt Sozialdezernent Ingo Nürnberger. "Etwa wenn in der Familie ein positives Vorbild fehlt." Schwierige Fälle, die es irgendwie aufzufangen gilt. Das Modellprojekt soll nun genau da ansetzen. Angekündigt sind vor allem Praxisangebote. Professionelle Mentoren kümmern sich um die 15- bis 18-Jährigen, nehmen sie etwa auf Exkursionen mit in Firmen, bringen sie in Kontakt mit Azubis, lassen sie so in womöglich zukünftige Jobs hineinschnuppern. Die Berater sollen zur Vertrauensperson werden, zum Lotsen. Förder-Systeme schaffen es nicht mehr alleine "Es ist ein Intensivprogramm", sagt Gunter Thielen. Der ehemalige Bertelsmann-Boss ist Vorstandsvorsitzender der Walter-Blüchert-Stiftung. "5.000 bis 7.000 Euro stehen pro Schüler pro Förderjahr zur Verfügung. Zwei Jahre beträgt die Förderdauer." Heißt also jetzt schon: Es wird sechsstellig investiert. Der Großteil fließe ins Personal. Rund 50 Teilnehmer sollen im ersten Projektjahr betreut werden. "Wer mitmachen will, muss sich bewerben." Hoch seien die Hürden zwar nicht, aber schon das Bewerben zeuge von Eigeninitiative, von Bereitschaft, von Wille. Thielen: "Wenn wir die Hälfte der Teilnehmer später in Betrieben unterbringen, haben wir richtig was geschafft." Die Aussichten stehen nicht schlecht: Das Projekt läuft bereits in Dortmund - und nur jeder fünfte Teilnehmer habe es trotz Mentoren nicht geschafft, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Das sagt Ingrid Kramer, die stellvertretende Stiftungsvorsitzende. Laut Gunter Thielen soll zeitlich unbegrenzt gefördert werden. Das freut Jürgen Ackermann, den Leiter des Berufskollegs Senne. "So ist individuelle Begleitung nachhaltig." Im Alleingang könnten es bestehende Nachwuchs-Fördersysteme auch nicht mehr schaffen, alle zu integrieren, so Ackermann. Klaus Siegeroth, Geschäftsführer der städtischen REGE, sieht das ähnlich. Das Stiftungs-Engagement sei ein "notwendiger Baustein". Arbeitsagentur-Chef Thomas Richter bezeichnete das Modellprojekt als "Glücksfall, der aber keinen von uns aus der Pflicht nimmt". Das ideale Ergebnis skizzierte schließlich Bielefelds Schuldezernent Udo Witthaus: "Der Hebel wird so angesetzt, dass all das, was wir an Förderung betreiben, noch wirksamer wird."

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