Bielefeld Bielefelder Eltern wollen Udo Witthaus nicht mehr als Schuldezernenten

Sprecher warnt vor Wiederwahl: Vielmehr sollten alternative Kandidaten aufgestellt und so neue Impulse gesetzt werden. Erhebliche Unzufriedenheit - weil Antworten ausbleiben

Kurt Ehmke

Bielefeld. "Der Schuldezernent verstößt gegen Elternwillen, seine Wiederwahl am Donnerstag sollte nicht erfolgen - und das Bewerbungsverfahren muss geöffnet werden für weitere Kandidaten." Das sagt Frank Elbracht, Sprecher der Pflegschaften der Bielefelder Realschulen. Er fordert "neue Impulse statt der Wiederwahl" von Udo Witthaus. Der Ärger der Realschuleltern hat sich über die Jahre aufgeschaukelt, nun ist er offenbar an einem Punkt angelangt, der zu harten Positionen führt. Es gab vor einer Woche einen "Gretchenbrief" an Witthaus mit sechs Fragen, Antworten gibt es nicht. Witthaus war bis Montagmorgen im Urlaub. "Wir haben aber nicht einmal eine Eingangsbestätigung bekommen", moniert Elbracht. Da Udo Witthaus gestern in Terminen steckte, sagt seine Referentin Almut Fortmeier zum Vorgang: "Herr Witthaus war im Urlaub, und der Brief ist auch erst eingegangen, als er schon im Urlaub war." Fortmeier: "Nun aber ist er an den Antworten dran, soviel ich weiß." Dass der offene Brief eingegangen ist, bestätigt Christian Poetting aus dem Stab des Dezernenten - am 7. März sei das gewesen. Für Elbracht ist das Fass nun zum Überlaufen gebracht worden. Seine Wahrnehmung: Die Realschulen würden nicht angemessen beachtet. Dabei hätten sie seit Jahren Anmeldeüberhänge, und seit Jahren sei ihre Lage extrem beengt. Konkret: 60 Räume fehlten, das entspreche einer mittleren Realschule. Es war auch schon von zwei kompletten Gebäuden die Rede. 936 Anmeldungen gab es jetzt, das bestätigt Evelyn Molle, seit gut 23 Jahren Leiterin der etablierten Gertrud-Bäumer-Realschule und Sprecherin der Leitungen. "Wir Realschulen werden sehr viele Kinder ablehnen müssen." Derzeit wird geprüft, wie Kapazitäten ausgeweitet werden können. Für Elbracht ist es an der Zeit, "in die Schulform zu investieren, weil die Eltern sie wünschen". Stattdessen aber werde überlegt, mehr als 40 Millionen Euro aus dem Programm "Gute Schule 2020" komplett in den Neubau der Gesamtschule Schildesche zu stecken. Für ihn die Bestätigung seiner These, dass am liebsten in integrierte Schulsysteme investiert werde - also in Sekundar- und Gesamtschulen. Hier werde politisch einseitig agiert - auch in der Verwaltung, sagt Elbracht. Dabei, das betont auch Molle, seien die Realschulen über die Maßen beliebt und erfolgreich. Hier könne der Hauptschulabschluss erreicht werden - und oft die Hälfte aller Schüler setze seine Schulkarriere mit dem Weg zum Abitur fort. Molle: "Auch die Wirtschaft fragt bei uns regelmäßig an, ob wir nicht noch mehr Schüler für sie hätten." Beide haben den Eindruck, dass der Elternwille nicht an erster Stelle stehe bei der Bewertung der Schulformen - und beide betonen, dass sie "aber nicht gegen andere Schulformen sprechen, sondern für unsere". Das Neue in der Schullandschaft dürfe nur nicht zu Lasten der erfolgreichen Realschulen gehen. Elbracht ärgert, dass nun Dezernent Witthaus keine Reaktion gezeigt hat - und auch keiner der informierten schulpolitischen Sprecher der Fraktionen irgendeine Reaktion gezeigt habe. "Dass nun der Dezernent zur Wiederwahl steht, der den Elternwillen mit Füßen tritt, das geht einfach nicht", sagt Elbracht. Es müsse "bei einer so wichtigen Stelle um mehr gehen als um das Parteibuch". Molle und Elbracht empört, "dass der letzte Schulentwicklungsplan aus den 70ern stammt". Elbracht: "Der Rat hat am Donnerstag die Chance, das ganze Thema zu beleuchten, die Entscheidung zu verschieben - und mit weiteren Kandidaten neue Impulse zu setzen."

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