Bald wie in München? Car-Sharing läuft in Bielefeld seit 20 Jahren, allerdings nur mit festen Stellplätzen. In einigen Großstädten gibt es jetzt bereits Anbieter, die das Abstellen der Autos an jeder Straße ermöglichen. - © Fotomontage: Andreas Frücht; Fotos: Drive Now/Sarah Jonek
Bald wie in München? Car-Sharing läuft in Bielefeld seit 20 Jahren, allerdings nur mit festen Stellplätzen. In einigen Großstädten gibt es jetzt bereits Anbieter, die das Abstellen der Autos an jeder Straße ermöglichen. | © Fotomontage: Andreas Frücht; Fotos: Drive Now/Sarah Jonek

Bielefeld Können Car-Sharing-Fahrzeuge bald überall in Bielefeld abgestellt werden?

Verkehrszukunft: SPD und BfB wünschen Zusatzangebot und schlagen Erweiterung des Handy-Parkens auf städtische Parkhäuser vor

Joachim Uthmann
Der Car-Sharing-Markt in Deutschland: Vergleich von Angeboten ohne und mit festen Stationen. - © Quelle: Bundesverband Car-Sharing; Grafik Jürgen Schultheiß
Der Car-Sharing-Markt in Deutschland: Vergleich von Angeboten ohne und mit festen Stationen. | © Quelle: Bundesverband Car-Sharing; Grafik Jürgen Schultheiß

Bielefeld. Der Verzicht aufs eigene Auto fällt vielen schwer. Trotzdem steigt das Interesse an Car-Sharing, auch in Bielefeld. Nachteil bisher ist, dass die georderten Wagen nur an festen Stationen und Stellplätzen abgeholt und abgestellt werden können. Neu in Großstädten ist das Angebot des "Free Floating", bei dem das auf jedem regulären Parkplatz erlaubt ist. SPD und BfB in Mitte wollen dies für Bielefeld prüfen lassen.

Das Handy macht "Free Floating" möglich. Mit ihm kann geortet werden, wo ein Anbieter-Auto steht und wie schnell es erreichbar ist. Das verkürzt Wege und macht das System flexibler. Und die Autos werden deutlich besser ausgenutzt. Nach Angaben des Bundesverbandes Car-Sharing erreichen die Anbieter so mit jedem Auto etwa vier Mal so viel Nutzer wie mit den stationsbasierten.

"Die Erweiterung auf ein modernes Car-Sharing-Angebot, vergleichbar mit Großstädten wie Düsseldorf und Berlin, würde das Mobilitätsangebot in der Stadt Bielefeld deutlich attraktivieren", meinen Frederik Suchla (SPD) und Peter Wolff (BfB). Deshalb stellen sie am 22. März in der Bezirksvertretung Mitte den Antrag, "Free Floating" für Bielefeld prüfen zu lassen.

Bisher ist Car-Sharing in Bielefeld nur über die Firma Cambio möglich, die hier vor 20 Jahren in Kooperation mit den Stadtwerken mit vier Autos begann und mittlerweile 105 Fahrzeuge an 37 Stationen betreibt. Rund 4.000 Bielefelder nutzen Cambio, erklärt eine Sprecherin. Die Stellplätze sind vor allem im Zentrum. Die Nutzer seien überwiegend 30 bis 50 Jahre alt, dazu Studierende und Ältere. Buchen kann man per App und Telefon.

"Die Nachfrage ist groß", sagt die Sprecherin, "wir bauen ständig aus." Problem sei allerdings, passende Stellplätze zu finden. Bisher hat Cambio nur welche auf privaten Flächen wie in der Tiefgarage Kesselbrink zur Verfügung.

Bei "Free Floating" sind feste Stellplätze nicht nötig. Aber weil die Großstädte den öffentlichen Parkraum weitgehend bewirtschaften, können Autos nicht unbegrenzt irgendwo abgestellt werden, ohne Gebühr zu bezahlen. Deshalb sind in den Städten wie Berlin, Hamburg, München oder Köln, wo "Free Floating" schon läuft, Sondervereinbarungen mit den Städten nötig.

Die Anbieter sind mit der Entwicklung von "Free Floating" zufrieden. In Deutschland ständen dafür bereits 7.800 Fahrzeuge (etwa 10 Prozent E-Autos) zur Verfügung, für stationäres Car-Sharing 9.400. Bisher wagen sich allerdings nur große Anbieter wie "DriveNow", Joint Venture von BMW und Sixt, sowie "Car2Go", Tochter von Daimler, auf den "Free Floating"-Markt. "Car2Go", auch in Nordamerika und China vertreten, spricht von mehr als drei Millionen Kunden und Steigerungsraten von 30 Prozent.

Die Großen sagen aber auch: "Bielefeld ist aktuell nicht geplant." Lohnen würde sich "Free Floating" nur, wenn Kriterien wie Größe, Einwohnerdichte, Wirtschafts- und Unterhaltungsangebote sowie Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes erfüllt seien, so Niklas Merk von "DriveNow": "Wir sind aber immer wieder mit Vertretern potenzieller neuer Standorte im Gespräch."

Ein Anreiz für neue Systeme könnten für Suchla und Wolff auch die digitalen Park-Apps sein, die fürs Handy-Parken genutzt werden.

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