Offen mit Steg: So soll die mit Naturstein verkleidete und mit Pflanzen, Steinen und Gehölz naturierte Lutter-Rinne in der Ravensberger Straße in Höhe von Ankergärten und Parkhaus aussehen. - © Pro Lutter
Offen mit Steg: So soll die mit Naturstein verkleidete und mit Pflanzen, Steinen und Gehölz naturierte Lutter-Rinne in der Ravensberger Straße in Höhe von Ankergärten und Parkhaus aussehen. | © Pro Lutter

Bielefeld Offene Lutter und doppelte Baustelle

Ravensberger Straße: Anwohner sind teils skeptisch und sehen Probleme, andere freuen sich über Aufwertung. Verzögerung führt dazu, dass die Baustelle 2020 mit der in der kreuzenden August-Bebel-Straße zusammenfällt

Joachim Uthmann

Mitte. Noch ist nichts entschieden. Doch die Zeichen dafür, dass die Stadt mit dem Verein "Pro Lutter" in der Ravensberger Straße einen Teil des Wassers aus der verrohrten Lutter offen legen kann, stehen gut. Die Planfeststellung läuft, Signale für Förderzusagen sind da, Anträge werden gestellt. 2019 könnte es losgehen. Die Anlieger sind weiter gespalten. Hoffnung auf Besserung mischt sich mit Skepsis und Sorgen. Das zeigte sich bei der Bürgerinformation mit 60 Anwohnern, bei der Planer und Stadt die Pläne, die bereits 2014 vorgestellt wurden, erläuterten. Hintergrund ist, dass es jahrelange Zeitverzögerungen bei dem Projekt gibt, weil die Stadt anfangs auf den falschen Fördertopf schielte. Jetzt sollen Städtebaumittel 80 Prozent finanzieren, je zehn kommen von Stadt und Verein. Baustellen parallel Die Verzögerung bescherte den Anliegern jahrelang nicht nur eine Baustelle, sondern auch ein Provisorium. Früher bremsten Parkplätze, Bäume und Markierungen Autofahrer. Jetzt komme es durch Raser häufig zu Gefährdungen für Kinder, beklagt eine Mutter. Andere ärgern sich über Vandalismus, Rauschgifthandel und Parkchaos. Und eineinhalb bis zwei Jahre Baustelle für Herrichtung der Fahrbahn und Bau der Lutter-Rinne stehen den Anwohner noch bevor. Erschwerend kommt hinzu, dass die Baustelle vor allem 2020 laufen wird, wenn parallel die Verkehrsbetriebe MoBiel bereits mit dem Ausbau der Stadtbahngleise der Linie 3 mit dem neuen Hochbahnsteig in der August-Bebel-Straße beginnen. Jörg Lichtenberg vom Amt für Verkehr: "Die Bauten werden abgestimmt, damit die Häuser für Krankenwagen und Feuerwehr erreichbar bleiben." Für die Anlieger ist das ein schwacher Trost. Sie müssen sich auf Behinderungen einstellen. Bach als Vorbild Darüber, ob die Ravensberger Straße künftig schöner wird, sind die Meinungen noch geteilt. Die großen alten Bäume sind weg. Ein Teil wird durch neue Bäume ersetzt. Zur Verschönerung und mehr Erlebnis soll die offen gelegte Lutter beitragen, die in einer bis zu 1,80 Meter breiten Betonrinne geführt wird. Damit sie schöner aussieht, wird sie außen mit Naturstein verkleidet. Innen sollen nach dem Vorbild des Brönninghauser Baches Kies-Substrat, Pflanzen, Gehölzriegel und Totholz "dem nüchternen, geradlinigen Grundriss etwas Leben einhauchen", erklärte Planer Detlef Sönnichsen. Wo Turner- und August-Bebel-Straße kreuzen, aber auch an Einfahrten zu Grundstücken muss die Lutter wieder ganz unter die Erde. Von den 600 Metern zwischen Niederwall und Teutoburger Straße werden rund 440 Meter offen sein, so Sönnichsen. Am Spielplatz gibt es eine Verbreiterung, an der Mittelstraße verschwenkt sie auf die andere Straßenseite. Der Wasserplaner zeigte sich überzeugt, "dass die offene Lutter einen Sprung nach vorn bei der Lebensqualität bedeutet" - und erntete dafür Beifall. Verkehrsplaner Hartmut Harnisch sagte: "Sie erhalten eine schöne Straße, in der Sie sich wohlfühlen können." Der Preis für die offene Lutter sei weniger Platz für Parkplätze, die Chance sei eine neue Aufteilung. Der Durchgangsverkehr werde durch gegenläufige Einbahnstraßen vom Niederwall bzw. von der Teutoburger Straße zur Turnerstraße aus der Ravensberger Straße ferngehalten. "Schöne Straße" Die Schrägparkplätze gebe es je auf einer Seite, die neuen Bäume ständen weiter von den Häusern entfernt. Die Lutter-Rinne werde leicht geschlängelt gebaut, Pflaster in drei Steingrößen und Farbnuancen verlegt, um das Bild aufzulockern. An Baumscheiben sind Pflasterzungen geplant, als Stellfläche für Mülltonnen. Bei der Auswahl der Baumsorten will die Stadt die Bürger einbeziehen, verspricht Martin Wörmann vom Umweltamt. Bis 26. März liegen die Pläne im Umweltamt an der August-Bebel-Straße 75-77 aus. Bis 9. April können Bürger Einwendungen machen.

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