Symbolbild. - © picture alliance / Uwe Anspach/dpa
Symbolbild. | © picture alliance / Uwe Anspach/dpa

Bielefeld So will Bielefeld den Energieverbrauch bis 2050 halbieren

Umweltdezernentin sieht bei Verkehr, Energieerzeugung und Hausdämmung die größten Handlungsmöglichkeiten

Joachim Uthmann

Bielefeld. Bis zu 95 Prozent weniger Kohlendioxid, 50 Prozent weniger Energieverbrauch, dafür ein höherer Anteil erneuerbarer Energien von 80 Prozent. Diese neuen Ziele, die sich die Stadt im Klimaschutz bis 2050 stecken will, sind ehrgeizig. "Da liegt ein Riesenbrocken vor uns", sagt Umweltdezernentin Anja Ritschel (Grüne): "Wenn wir das schaffen wollen, bedeutet es einen kompletten Umbau von Infrastruktur und Technik." Erste Schritte sind zwar gemacht, aber nur kleine. So sanken der Kohlendioxid-Ausstoß seit 1990 um 33 Prozent und der Energieverbrauch seit 2008 um 18 Prozent. Um die hohe Messlatte für 2050 zu erreichen, sind aber deutlich stärkere Anstrengungen nötig. Bei den erneuerbaren Energien liegt Bielefeld derzeit bei gut 20 Prozent und hat immerhin die für 2020 angestrebte Marke erreicht. Der Weg zu einem Anteil von 80 Prozent ist aber noch sehr weit. Beim Verkehr ist sogar erstmal eine Trendwende notwendig. Denn hier stieg der Energieverbrauch gegenüber 2005 sogar noch um 3,1 Prozent. Ritschel: "Hier hat sich kaum etwas positiv verändert." Umso schwieriger wird es zu erreichen sein, dass bis 2050 für Verkehr bis zu 40 Prozent weniger Energie verbraucht wird. 2007 hatte der Stadtrat erstmals und einstimmig das Ziel formuliert, den CO2-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren. Seitdem arbeitet Bielefeld mit einem eigenen Handlungsprogramm. "Davon sei vieles umgesetzt oder auf den Weg gebracht", heißt es in einer Vorlage des Umweltamtes an die Ratsausschüsse. Ritschel: "Stadt, Bürger und Firmen haben eine ganze Menge bewerkstelligt." Das reicht aber nicht. Eine Arbeitsgruppe hat jetzt neun Handlungsfelder mit 23 lokalen Zielen für die kommenden Jahre aufgelistet. Beispiel Energie: Hier soll der Anteil des Kohlestroms auf 0 gefahren werden und sollen zunehmend erneuerbare Energien, Kraft-Wärme-Kopplung, Solarthermie und Fernwärme genutzt, Altbauten saniert und städtische Gebäude bis 2040 "fast klimaneutral" ausgestattet werden. Beispiel Mobilität: Hier soll der Anteil des Autoverkehrs zugunsten von öffentlichem Nahverkehr, Radfahrern und Fußgängern verringert werden, ohne dass konkrete Zahlen genannt werden. Entsprechend sei die Infrastruktur umzugestalten. Zum "nachhaltigen Mobilitätskonzept" gehöre auch ein klimaverträglicher Lieferverkehr. Beispiel Wirtschaft und Handel: "Nachhaltiges Wirtschaften" strebe mehr erneuerbare Energien und weniger Schadstoffausstoß im Gewerbe an sowie mehr regionale Produkte und deren Vermarktung. Das soll Ressourcen schonen und Abfall vermeiden. Mehr Information, Bildung und Kommunikation sollen die Bürger zum klimaschonenden Handeln bringen. Zur Finanzierung setzt die Stadt auf Förderprogramme. Ritschel sieht bei Mobilität, Energieerzeugung (mit den Stadtwerken) und Gebäudeeffizienz die größten Handlungsmöglichkeiten. Wichtig sei, dass viele mitziehen. So hoffe sie, dass die Politiker erneut einstimmig der Fortschreibung des Klimaschutzprogramms zustimmen.

realisiert durch evolver group