Bielefeld Nackte Frau: Unbekannte kleben anzügliche Plakate an Bielefelder Kirche

Pfarrer empört: Armin Piepenbrink-Rademacher nervt, dass der künstlerisch wertvolle Kupfer-Eingang mit starkem Kleber beschädigt worden sein kann

Kurt Ehmke

Bielefeld. Pfarrer Armin Piepenbrink-Rademacher ist richtig sauer. Am Weltfrauentag haben ihm Aktivisten die Kirche zugeklebt – mit teilweise anzüglichen und extrem derben Plakaten; und auch mit Plakaten, deren Inhalt er „sofort unterschreiben würde". Was ihn maßlos ärgert: „Die kleben hier einfach auf alles drauf, sogar auf unser künstlerisch wertvolles Kupferportal von Gerhard Marcks." Der benutzte Kleber sei extrem hartnäckig, er fürchte Beschädigungen. Auch Schilder an der Kirche sind beklebt worden, wie auch ein Info-Schaukasten. Im Stadtbild ist zu sehen, dass sogar Verkehrsschilder zugeklebt worden sind. Nackte Frau und Vagina Zurück zur Kirche: Auf dem Schaukasten zeigt das Plakat eine nackte Frau in sehr anzüglicher Art und Weise, neben dem Portal eine Vagina. Für Piepenbrink-Rademacher ist das inhaltich irritierend – gerade beim Blick auf den Weltfrauentag. Auch Passanten, die einen Blick zur Kirche werfen, reagieren verwundert ob der drastischen Zeichnungen. Der Pfarrer sagt, dass er nun vermutlich Anzeige erstatten werde, „wegen Sachbeschädigung". Was ihn auf die Palme bringt, ist, „dass ich ja inhaltlich voll auf deren Seite stehe". Der Slogan „Mein Körper gehört mir" und die „Me-too-Debatte" – alles Aspekte, die er stützt. "Wenn die mich nur gefragt hätten" Armin Piepenbrink-Rademacher: „Wenn die mich gefragt hätten, hätten wir gerne direkt vor der Kirche einen Infostand aufstellen können – und auch einen Gottesdienst hätten wir jederzeit zusammen gestalten können zum Thema." So aber sei es ein einziges Ärgernis, zumal mitten in der Passionszeit, sagt der etablierte Pfarrer der Altstädter Nicolai-Gemeinde spürbar enttäuscht und genervt. Er, der seit 1996 in der Altstadt zu den prägenden Akteuren gehört, hätte sich ein etwas mehr Respekt vor der Kirche und auch den kunstvollen Portalen am Eingang gewünscht. Sie stammen von Gerhard Marcks, einem deutschen Bildhauer und Grafiker, der von 1889 bis 1981 lebte und zu den Olympischen Spielen 1972 in München die Rückseiten der Olympiamedaillen gestaltete. Auch ans Bauhaus in Weimar wurde Marcks 1919 berufen. Das Bronze-Portal des Künstlers mit seinen drei Figuren am Eingang zu Altstädter Nicolaikirche soll im Jahr 1963 entstanden sein.

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