Nicht mehr Radbeauftragter: Oliver Spree hat nun eine andere Stelle - offenbar haben ihn die Widerstände im Amt für Verkehr zermürbt. - © Andreas Zobe
Nicht mehr Radbeauftragter: Oliver Spree hat nun eine andere Stelle - offenbar haben ihn die Widerstände im Amt für Verkehr zermürbt. | © Andreas Zobe

Bielefeld Der Bielefelder Fahrradbeauftragte schmeißt hin

Eine Nachfolgerin übernimmt ab April

Kurt Ehmke

Bielefeld. Im Amt für Verkehr hat es eine erhebliche Erschütterung gegeben. Einer, der vielen als Hoffnungsträger für neues Denken im "Amt 66" galt, hat die Stelle gewechselt. Oliver Spree, seit fast sieben Jahren Radbeauftragter, hat sich auf eine rein planerische Stelle im Amt beworben - und ist nicht mehr Nahmobilitätsbeauftragter. Das Amt steht nicht nur deshalb vor erheblichen Umbrüchen: Die Führungsspitze verabschiedet sich. Zwar hatte Spree offenbar immer betont, gerne auch wieder Planer sein zu wollen, doch wirft sein Wechsel ein Licht auf das Amt, das Schattenseiten erhellt. Lange in der Kritik ist die Amtsleitung, ihr wird vorgeworfen, ambitioniert gestartet zu sein und die Hoffnungen dann nur bedingt erfüllt zu haben. Verkehrsprojekte werden nach altem Muster bearbeitet, eine Konfliktscheue soll das Muster sein, unter dem diejenigen, die moderne Verkehrsplanung wünschen, leiden. Ein Beobachter, der anonym bleiben will: "Am Ende setzen sich die alten Platzhirsche durch, bleibt vieles beim Alten." Der Beobachter betont aber: "Spree hat einiges erreicht, das darf nicht unter den Tisch fallen." "Zermürbt" von der Situation im Amt Dennoch soll Spree von der Situation im Amt "zermürbt" worden sein, so ein Kollege von ihm. Spree selbst mag dazu nichts sagen. Über ihn sagt Thorsten Böhm vom Radfahrverband ADFC, er sei "ambitioniert, aufgeschlossen und habe viel bewegen wollen". Doch seien die Widerstände zu groß gewesen. Ein maßgeblicher Politiker dazu: "Spree fehlte die Mentalität, richtig hart die Ellenbogen auszufahren." Das sei eine sehr gute Charaktereigenschaft, aber im verknöcherten Amt 66 helfe das nicht. Das Aus vom inhaltlich anerkannten, gut aufgestellten Spree sorgt für erhebliche Unruhe im Amt, in der Politik, in den Verbänden. So betont ein Mitglied des Amtes 66: "Jetzt haben wir viele Fahrrad-Stellen und fließt Geld - und nun, wo das Thema Fahrt aufnimmt, verlieren wir diesen Experten, das ist schade." Zwar bleibe Spree ja im Amt 66 und damit sei seine Kompetenz nicht ganz verloren gegangen, aber die Rolle sei natürlich eine andere. Grünen-Fraktionschef Jens Julkowski-Keppler mag zu den Vorgängen nicht viel sagen, aber auch er betont, dass sich Spree "immerhin weiter einbringen kann". Dass das Thema Fahrt aufnimmt, hängt auch mit neuen Akteuren und neuen Stellen zusammen. Bereits besetzt ist die erste der beiden neuen Radfahrbeauftragtenstellen - mit Nora Niebel. Und zum April fängt Barbara Choryan an - sie übernimmt dann Sprees? Rolle. Choryan ist Verkehrsplanerin bei der Kommunalen Verkehrsgesellschaft Lippe. Weitere Stellen sollen auf der Ebene "Radschnellwege" und "Regionales Verkehrskonzept" über Fördertöpfe besetzt werden - so kämen dann im Amt zu vier vollen Stellen noch zwei weitere, beide befristet auf zwei Jahre. In dieser Situation, das sagen viele, die das Amt 66 gut kennen, wäre es umso besser gewesen, mit Spree einen längst erfahrenen Radbeauftragten zu haben. Verkehrsplanerin aus Lippe übernimmt zum April Sprees' Aufgaben Das Amt steht im Fokus. Und das wird es auch bleiben: Amtsleiter Reinhard Thiel geht Anfang 2019 in Ruhestand, Chefplaner und Vize-Amtsleiter Hans Martin schon im August 2018. Nun schauen viele genau hin, wie die Chefstellen besetzt werden. Namen werden gehandelt, aber nicht öffentlich. Hartleibig und durchsetzungsstark werden die neuen Chefs sein müssen, das bestätigen viele - aus dem Amt, aus der Politik. Maßgeblich hänge das Zukunftsthema Verkehr auch daran, wie modern die neue Leitung aufgestellt ist. Die derzeitige Lage: "Wir stoßen intern oft an Grenzen", sagt ein Mitarbeiter. Ein ADFC-Mitglied: "Beim Radverkehr gegen das eigene Amt anzulaufen, ist frustrierend." Es verlassen übrigens auch Planer Henning Hovermann und zwei weitere Kollegen das Amt.

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