Verzweiflungstat? Ein 80-Jähriger gesteht vor dem Landgericht Bielefeld, seine Schwester getötet zu haben. - © picture alliance / dpa (Symbolbild)
Verzweiflungstat? Ein 80-Jähriger gesteht vor dem Landgericht Bielefeld, seine Schwester getötet zu haben. | © picture alliance / dpa (Symbolbild)

Porta Westfalica / Bielefeld Mann gesteht vor Gericht, seine 88-jährige Schwester erwürgt zu haben

Vor dem Bielefelder Landgericht schildert der 80-Jährige die traurigen Umstände der Tat

Nils Middelhauve

Porta Westfalica/Bielefeld. Ein 80-jähriger Mann hat vor dem Bielefelder Landgericht eingeräumt, im vergangenen Jahr seine acht Jahre ältere Schwester in Porta Westfalica getötet zu haben. Zum Prozessauftakt berichtete der Angeklagte vom Zusammenleben mit dem späteren Opfer, das schließlich in einer Tragödie endete. Als sein Vater 1968 im Sterben lag, versprach Peter O. (alle Namen geändert) diesem, er werde sich um die Schwester kümmern. Er nahm diese zunächst in der Wohnung seiner Familie in Beckum, später im eigenen Haus in Porta Westfalica auf. Dort lebte Verena O., die ledig geblieben war und über keine Berufsausbildung verfügte, in einer eigenen Wohnung im Haus der Familie ihres Bruders. „Sie hatte keine Freunde, keinen Kontakt zu Verwandten. Sie konnte immer nur schimpfen. Sie war unzufrieden, weil sie sich selbst nicht mochte", sagte O. vor Gericht. Seine Frau und Verena hätten schon seit Jahren nicht mehr miteinander, sondern nur noch übereinander gesprochen – bevorzugt schlecht. Beide sollen keine Lebenslust mehr gehabt haben Als seine Ehefrau 2016 in ein Pflegeheim kam, war dies laut O. ein schwerer Schlag für ihn. Im September 2016 musste auch Verena nach einem Unfall kurzzeitig in ein Heim. Ihrem Bruder gegenüber äußerte sie später, er hätte sie sterben lassen sollen. Im Februar 2017 kam die 88-Jährige abermals in eine Pflegeeinrichtung. Peter O. wollte seine Schwester am 18. Februar für einen Tag nach Hause holen. Zu jener Zeit soll der Angeklagte laut Staatsanwaltschaft eine schwere depressive Episode durchlebt haben. „Wir hatten beide keine Lust mehr zu leben", berichtete er vor Gericht. Seine Schwester habe ihn zu Hause mehrfach aufgefordert, er solle sie umbringen. Folgt man der Anklage, so erwürgte O. die 88-Jährige in deren Wohnung. Dann begab er sich in seine Garage und versuchte, sich mit Autoabgasen das Leben zu nehmen. Am folgenden Morgen wurde der stark unterkühlte, aber noch lebende Mann von seinem Sohn gefunden und gerettet. „Von der Tat weiß ich nichts mehr. Aber die Schuld habe ich. Ich habe sie umgebracht," sagte O. vor Gericht. Der Prozess wird am 21. Februar fortgesetzt.

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