Starten die Kampagne in Bielefeld: (v.l.) Tariq Islam, Mustansar Ahmad und Tahir Tabassam. - © Wolfgang Rudolf
Starten die Kampagne in Bielefeld: (v.l.) Tariq Islam, Mustansar Ahmad und Tahir Tabassam. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Muslime in Bielefeld gehen für Frieden auf die Straße

„Ahmadiyya“: Die kleine islamische Strömung postuliert: „Wir sind alle Deutschland“

Ansgar Mönter

Bielefeld. In den kommenden Wochen werden Mitglieder der islamischen Gemeinde „Ahmadiyya" in Bielefeld unterwegs sein und Faltblätter verteilen. Unter dem Motto „Wir sind alle Deutschland" propagieren die Muslime Frieden, Freiheit und Loyalität für und mit Deutschland. Geplant sind außerdem eine Infostand in der City, eine größere Infoveranstaltung sowie eine Baumpflanzaktion für den Frieden. Die Ahmadiyya-Gemeinde ist eine muslimische Strömung mit Ursprung in Pakistan. Nach ihrer Auffassung ist Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad, 1835 geboren und 1908 gestorben, der verheißene Messias, der vom Propheten Mohammed angekündigt worden sei und die wahre Bedeutung des Islams wieder aktiviert habe. Die Ahmadiyya sehen sich als Reformbewegung und betonen liberale Werte wie die „Trennung von Staat und Religion, kein Zwang im Glauben und Gleichberechtigung von Mann und Frau", wie Mustansar Ahmad erklärt. Der Imam war aus Münster angereist, um die Kampagne seiner Gemeinde in Bielefeld vorzustellen. Ahmadiyya ist 250 Mal in Deutschland vertreten und laut Imam die „am schnellsten wachsende islamische Strömung der Welt", trotz Verfolgung in islamischen Ländern und Nichtanerkennung durch andere muslimische Gruppierungen. Eine eigene Moschee hat die Bielefelder Gemeinde mit ihren etwas mehr als 100 Mitgliedern nicht. Ihr Freitagsgebet und ihre Zusammenkünfte hält sie als Gast im Haus Feilenstraße 4 über dem Kino Kamera ab, wie Mohammad Zafar aus Bielefeld berichtet. Mit der Kampagne „Wir sind alle Deutschland" will die Gemeinde über ihre Religion aufklären und Ängste abbauen, wie Beteiligte erklären. „Wir gehen auf die Straße und sprechen die Menschen an, um im direkten Kontakt Missverständnisse auszuräumen." Eines dieser Missverständnisse sei die Bedeutung des Begriffs Dschihad. Die Ahmadiyya, so Imam Ahmad, verstehen den „großen Dschihad" als Anstrengung gegen die inneren Feinde wie das Ego. Nicht damit gemeint sei das, was die islamischen Terroristen daraus lesen: eine Gewaltlegitimation. Die Kampagne betont stark die Verbundenheit der Ahmadiyya mit Deutschland. „Die Liebe zum Land ist ein Teil des Glaubens", steht auf einem der Faltblätter, darüber weht die deutsche Flagge. Ihrem Heimatland sind sie auch deswegen verbunden, weil sich die Ahmadiyya hier im Gegensatz zu Pakistan geschützt fühlen.

realisiert durch evolver group