Konflikt: Architekten sind sauer auf die Stadt Bielefeld. - © picture alliance / Winfried Rothermel
Konflikt: Architekten sind sauer auf die Stadt Bielefeld. | © picture alliance / Winfried Rothermel

Bielefeld Architekten sind sauer auf Bielefeld

Baudezernent verweist auf Rücksichtnahme gegenüber Investoren

Joachim Uthmann

Bielefeld. Neue große Bauten stehen wegen ihrer Optik häufig in der Kritik. Die Stadt versucht Einfluss zu nehmen, stößt dabei aber an Grenzen. Ein wichtiges Gremium, um städtebauliche Sünden zu verhindern, ist der Beirat für Stadtgestaltung. In ihm sitzen hiesige und auswärtige Architekten und Stadtplaner. In Bielefeld fühlt er sich aber immer wieder missachtet. Aktuell gibt es neuen Unmut. "Wir haben das Gefühl, dass wichtige Projekte an uns vorbeilaufen", bemängelt der Vorsitzende Andreas Uffelmann, Architekt aus Hannover und Professor an der Fachhochschule in Minden. Im Dezember zog Uffelmann ein kritisches Resümee der Arbeit im Jahr 2017: "Politik und Dezernat schalten uns offenbar nur ein, wenn es ihnen nützt." Kritik komme auch von anderen auswärtigen Experten im Beirat wie Karin Kellner (Hannover) oder Jasper Joachimsen (Berlin/Detmold). Sie reisen weit an und bekämen dann teils "nur läppische Projekte" zur Begutachtung zu sehen. Der Baudezernent sei nur selten in den Beiratssitzungen. Zudem zahlt Bielefeld, anders als andere Städte, nicht mal eine Aufwandsentschädigung. Uffelmann wundert sich über die Stadt, dass sie in einer Zeit, wo viel gebaut wird und Bielefeld sich positiv entwickeln kann, das Wissen der Fachleute auch von außerhalb so wenig nutze. "Wir können nur anbieten, zu helfen", sagt der Vorsitzende: "Die Frage ist, ob man dies befeuert oder nicht." Wenn nicht, müsse man die Sinnfrage stellen. Ein Auslöser der Kritik sind neue Pläne für Projekte rund um den Hauptbahnhof. Das Trendhotel, das die Borchard Group hinter der früheren Hauptpost in Kürze beginnen will, legten Verwaltung und der zuständige Stadtentwicklungsausschuss dem Beirat nicht vor. Bernd Vollmer von den Linken wertete das in einer Erklärung "als Affront gegen die Politik und Missachtung der Kompetenz des Beirates für Stadtgestaltung". Vollmer äußert den Eindruck, "dass Bauvorhaben, die in der Verwaltung kritisch gesehen werden, im Beirat zur kritischen Begutachtung landen, andere, die man umsetzen möchte, dagegen nicht". Deshalb seien klare Leitlinien nötig, um die "Vorabbewertung" der Verwaltung zu verhindern. Auftraggeber für den Beirat ist der Stadtentwicklungsausschuss seit 2013. Damals war der letzte große Konflikt, der sogar zum Sitzungsstreik der Experten führte. Eine Neuregelung band den Beirat an den Ausschuss. Das sollte ihm mehr Einfluss geben. Kehrseite war, dass der Beirat nicht mehr selbst Themen setzen und sich öffentlich äußern darf. Die Verwaltung bleibt ein wichtiger Filter. Teils informiert sie nur die Bezirksvertretung. Baudezernent Gregor Moss (CDU) versichert aber, "dem Beirat so schnell wie möglich die Projekte zugänglich zu machen". Allerdings schränkt Moss ein: "Wir müssen Rücksicht auf die Investoren nehmen. Da sind uns teils die Hände gebunden. Sonst besteht die Gefahr, dass Projekte, die noch nicht spruchreif sind, kaputt gemacht werden. Das ist ein Riesenspagat." Der Stadtentwicklungsausschussvorsitzende Georg Fortmeier (SPD) will jetzt aufgrund der Kritik Gespräche mit dem Baudezernat führen: "Wir müssen das überprüfen und im Zweifel die Satzung anpassen, um eine saubere Arbeitsgrundlage zu haben. Denn alle wollen den Beirat behalten." Doch darüber, wo und wie viel er mitwirken kann, scheiden sich die Geister. Auch Fortmeier sagt: "Bei manchen Projekten sehen die Investoren das nicht so gern. Problem ist auch, dass Architekten Voten über ihre Konkurrenten abgeben." Uffelmann hofft auf eine Klärung, "wo die Reise nun hingeht".

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