Team: Jens Haubrock (FH Bielefeld / v. l.), Peter Westerbarkey (Westaflex), Stefanie Balzarek (Archimedes) und Stefan Lechtermann arbeiten seit Januar gemeinsam in dem dreijährigen Projekt "Fit2Load". Sie wollen ein modernes, leistungsfähiges Lademanagement entwickeln, bei dem jedes Fahrzeug nach Bedarf geladen wird. - © Andreas Zobe
Team: Jens Haubrock (FH Bielefeld / v. l.), Peter Westerbarkey (Westaflex), Stefanie Balzarek (Archimedes) und Stefan Lechtermann arbeiten seit Januar gemeinsam in dem dreijährigen Projekt "Fit2Load". Sie wollen ein modernes, leistungsfähiges Lademanagement entwickeln, bei dem jedes Fahrzeug nach Bedarf geladen wird. | © Andreas Zobe

Bielefeld Eine Bielefelder Bäckerei will Strom für E-Autos herstellen

Das Unternehmen Lechtermann-Pollmeier stellt seine Flotte künftig auf Elektro-Mobilität um. Die notwendige Energie will das Unternehmen selbst gewinnen - durch Photovoltaikanlagen und ein Blockheizkraftwerk. Partner helfen dabei mit

Ingo Kalischek

Bielefeld. Die Lechtermann-Pollmeier Bäckereien besitzen derzeit acht Lkw. Sie bringen Brot und Brötchen von A nach B. Künftig sollen die Lkw elektrisch fahren. Aber: Sie alle mit Strom zu laden, würde das normale Stromnetz an seine Grenzen bringen - und wäre für das Unternehmen teuer. Deshalb will die Bäckerei nun eigenen Strom erzeugen und damit seine Flotte versorgen. Unterstützt wird das Unternehmen dabei von verschiedenen Partnern. "In OWL gibt es eine Reihe interessierter Unternehmen", sagt Thomas Wehland, Geschäftsführer von Archimedes Technik. Viele Unternehmen setzen für ihren Betrieb mehrere, kleine Firmenfahrzeuge ein, mit denen sie mehrfach am Tag kurze Strecken zurücklegen. Zum Beispiel Handwerker, Pflegedienste und Bäcker. Stellen diese Unternehmen ihre Flotte auf Elektroautos um, führe das ab einer gewissen Anzahl an Autos zu Schwierigkeiten. "Bis zu zwei Autos lassen sich problemlos mit einer üblichen Haushaltssteckdose laden. Das ist bei fünf und mehr Fahrzeugen aber nicht mehr möglich", sagt Wehland. Dafür sei das aktuelle Stromnetz nicht gemacht. Die Folge: Das Aufladen dauert mit rund 12 Stunden sehr lange - und es ist sehr teuer. Und eine Vergrößerung der Stromleitungen durch die Stadtwerke sei "eigentlich keine Option mehr". Doch was tun? An dieser Stelle setzt das Gemeinschaftsprojekt "Fit2Load" an. Das steckt noch in den Kinderschuhen. In drei Jahren soll es ausgereift sein - und Vorbildcharakter haben. Im Kern beschäftigt es sich mit der Frage: Wie lässt sich die Fahrzeugflotte eines Unternehmens intelligent und gewinnbringend mit Strom laden - und in das bestehende Stromnetz integrieren? Als "Versuchskaninchen" dient die Bielefelder Bäckerei Lechtermann-Pollmeier. Deren Mitarbeiter beliefern täglich 36 Filialen in Bielefeld, Herford, Oerlinghausen und Halle - künftig elektrisch. "Wir lassen unseren 3,5 Tonner umrüsten ", erklärt Geschäftsführer Stefan Lechtermann. Diesel raus, E-Batterie rein. Die Kosten: rund 35.000 Euro. Eine eigene Ladesäule auf dem Firmengelände in Vilsendorf versorgt den Lkw künftig mit Strom. Der wiederum könnte bevorzugt über Photovoltaikanlagen und ein Blockheizkraftwerk gewonnen werden. Hintergrund: Wenn künftig alle acht Lechtermann-Lkw elektrisch fahren und gleichzeitig aufgeladen werden, sei schnell eine Leistung von 88 kW erreicht, so Wehlage. Rechne man die notwendige Leistung für den laufenden Bäcker-Betrieb hinzu, überschreite das schnell die Spitzenlast. Die Folge: Der Strom ist wesentlich teurer. Lechtermann: "Dann würde sich die E-Mobilität für uns finanziell nicht lohnen." Nutze man hingegen eigenen Strom, der nicht durch das Netz muss, mache die E-Umstellung ökologisch und wirtschaftlich Sinn. Wie genau der Plan umgesetzt werden kann, haben Vertreter der Fachhochschule im Blick. Sie erstellen intelligente Lösungen, in welchem Moment, welches Auto am meisten Strom benötigt - und wie es entsprechend geladen werden muss. Die Ladesäule für das Projekt stellt die Firma Westaflex aus Gütersloh auf. Um die Energie- und Ladeinfrastruktur kümmert sich das Unternehmen Archimedes Technik. Das Projektvolumen umfasst 1,5 Millionen Euro. Davon wird eine Million durch die EU gefördert. Photovoltaikanlagen und ein Blockkraftheizwerk müsste Lechtermann-Pollmeier selber finanzieren. "Wenn sich die Pläne realisieren lassen, zahlt sich diese Investition für uns aber langfristig aus", sagt Lechtermann und fügt an: "Ökologische Aspekte sind uns wichtig. Und irgendwann müssen sich sowieso alle Unternehmen Gedanken machen, wie ihre Mobilität auf Dauer aussehen soll."

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