Schickes neues Gebäude an der Herforder Straße: Die Achtklässler Maja, Leo, Hannah, Emma, Leonie und Jorien und Elfklässler Alex (l.) vor der neuen Jugendberufsagentur. Über ihren Besuch haben sich die Mitarbeiter dort aber nicht wirklich gefreut, so ihr Eindruck. - © Yvonne Michel
Schickes neues Gebäude an der Herforder Straße: Die Achtklässler Maja, Leo, Hannah, Emma, Leonie und Jorien und Elfklässler Alex (l.) vor der neuen Jugendberufsagentur. Über ihren Besuch haben sich die Mitarbeiter dort aber nicht wirklich gefreut, so ihr Eindruck. | © Yvonne Michel

Bielefeld Bielefelder Berufsagentur fällt beim ersten Test durch

Zentrale Anlaufstelle: Schüler machen sich ein Bild von der neuen Jugendberufsagentur, bekommen dort aber nicht die erwarteten Auskünfte. Ihre Fragen zu Ferienjobs und Praktika bleiben ungeklärt

Ivonne Michel

Bielefeld. Eine zentrale Anlaufstelle mit gebündelter Fachkompetenz für Jugend und Beruf, so stellt sich die neue Jugendberufsagentur vor. "Unterm Strich zählt ihr", "Eine für alle" lauten Slogans auf dem Werbeflyer, "Einfach mal vorbeikommen und umschauen" die Einladung. Super, dachten sich die Achtklässler Maja, Emma, Leo, Leonie, Hannah und Jorien, denn das Thema Berufsorientierung steht gerade bei ihnen an. Sicher könnten die 150 Experten, die im imposanten Neubau an der Herforder Straße arbeiten, auch konkrete Fragen zu Ferienjob und Praktikum beantworten. Aber ihre Erwartungen wurden enttäuscht. »Keiner fühlte sich so richtig zuständig« "Keiner fühlte sich so richtig zuständig, wir wurden von einem zum anderen geschickt", berichten die Achtklässler. Die Jugendlichen hatten nicht den Eindruck, dass sie willkommen waren und die Mitarbeiter auf den Besuch von Jugendlichen eingerichtet sind. Sie käme in "Teufels Küche", wenn die Schüler einfach so im Haus herumlaufen würden, merkt eine Dame im Empfangsbereich im Eingang an. Als sie dann nach einigem Hin und Her doch bei zwei Berufsberaterinnen gelandet sind, wundern sich die Schüler über die Auskünfte: Welche rechtlichen Rahmenbedingungen zu Arbeitszeiten und Verdienst für 14- beziehungsweise für 16-Jährige gelten, wollen sie von den Expertinnen wissen. Da müssten sie sich an die Rentenbehörde wenden, die seien für Minijobs zuständig. Für Ferienjobs und Nebentätigkeit müssten sie zur Arbeitsagentur in die Uni gehen. Auch konkrete Informationen zu möglichen Praktikumsplätzen bekommen die Schüler nicht. Waren die Erwartungen vielleicht einfach falsch? Sind sie gar nicht die Zielgruppe der neuen Jugendberufsagentur? Aber für wen und was genau ist sie denn dann da? "Die Jugendberufsagentur ist für junge Menschen unter 25 Jahre da, die in Bielefeld wohnen", erklärt Pressesprecher Matthias Dainat. Darüber hinaus zählten Unternehmen und Schulen zu den Zielgruppen. Die Berufsberater und Übergangsmanager der Jugendberufsagentur kämen zu den Schülern direkt in die Schulen. "Nicht mehr schulpflichtige und damit junge Erwachsene kommen in die Jugendberufsagentur an der Herforder Straße", sagt Dainat. Hauptanliegen dort seien dann versicherungspflichtige Arbeitsstellen oder Ausbildungsmöglichkeiten. Ein Sofortzugang zu den Berufsberatern ohne vorherige Terminvereinbarung, so erfahren die Schüler, sei immer montags und donnerstags zwischen 8 und 12.30 Uhr möglich. "In dieser Zeit kommen viele der bereits schulentlassenen jungen Erwachsenen beziehungsweise arbeitslose Jüngere unter 25 Jahren zu uns", berichtet Dainat. Die Schulpflichtigen hätten als Ansprechpartner Berufsberater und Übergangsmanager direkt vor Ort in der Schule. Auch könne ein persönlicher Termin mit einem Berufsberater vereinbart werden, Vorlaufzeit ungefähr 14 Tage. Einige Achtklässler suchen noch Plätze für ihre weiteren Berufsfelderkundungstage im Mai und Juni. Auch da konnte den Schülern bei ihrem spontanen Besuch in der Jugendberufsagentur niemand konkret weiterhelfen. "Neben den Lehrern, die bereits mit Betrieben zusammenarbeiten, können die Berufsberater und Übergangsmanager der Jugendberufsagentur angesprochen werden", sagt Dainat. Fertigstellung der Internetseite ist in den letzten Zügen Zusätzlich gäbe es spezielle Internetseiten dafür: die Datenbank der Rege unter berufsfelderkundung.rege-mbh.de, handfest-online.de mit einem Praktikumsnavi für Handwerksberufe und awo-freiwillich.de für den sozialen Bereich. Auch könnten über die Jobbörse arbeitsagentur.de die Ausbildungsbetriebe angesprochen werden, da sie auch immer potenzielle Praktikumsbetriebe sind. Unter der Internetadresse der Jugendberufsagentur, www.jba-bielefeld.de, gab es bisher keine Inhalte, jetzt nur eine Startseite. Die Fertigstellung sei in den letzten Zügen, so Dainat. In Kürze sollen dort Informationen für Schüler, Eltern, Schulen und Ausbildungsbetriebe zu finden sein. Schüler-Meinung Wir hatten nicht das Gefühl, willkommen zu sein, obwohl es doch eine Anlaufstelle extra für Jugendliche sein soll und als solche beworben wird: „Ein Haus für alle eure Fragen" und „5.000 Quadratmeter Platz für euch und eure Zukunft" steht auf dem Flyer. Obwohl es eine Jugendberufsagentur ist, haben wir nur Erwachsene gesehen. Insgesamt war es sehr leer und viele Büros waren abgeschlossen. Als wir dann doch bei zwei Berufsberaterinnen waren, wurde keine unserer Fragen wirklich konkret beantwortet. Wir wurden immer nur darauf verwiesen, uns für die verschiedenen Fragen zu Praktikum, Berufsfelderkundung und Ferienjob bei anderen Stellen zu informieren. Auch die Rentenagentur wurde uns da genannt, das fanden wir komisch. Dass die offenen Sprechstunden montags bis freitags von 8 bis 12.30 Uhr sind, ist sehr unpassend. Da haben die meisten doch Schule. Ein Mitarbeiter, der sich aber unsicher war, ob berichtet oder fotografiert werden darf, war sehr nett. Er konnte zwar auch nicht direkt die Fragen beantworten, war aber zumindest hilfsbereit, freundlich und bemüht. Die Achtklässler Maja, Leo, Hannah, Emma, Leonie und Jorien haben im Rahmen der Berufsfelderkundung einen Tag in der NW-Lokalredaktion verbracht und dort den Arbeitsalltag der Redakteure kennengelernt.

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