Bielefeld Dieser Bielefelder aus Serbien will endlich Deutscher sein

Doch immer wieder wird ihm ein Strich durch die Rechnung gemacht

Alexander Lange

Bielefeld. Daniel Fan ist in Deutschland geboren, spricht fließend Deutsch und ist mit einer deutschen Frau verheiratet. Doch auf dem Papier ist er Serbe: "Seit sieben Jahren will ich die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen. Ich fühle mich von den Behörden diskriminiert." Ein Marathon von Auflagen, Anträgen und Beratungsterminen liegt hinter dem 28-Jährigen: "Ich tue alles, um die Staatsbürgerschaft zu bekommen, langsam weiß ich nicht mehr weiter." Im Sommer 1989 wird Daniel Fan in Bielefeld geboren. Seine beiden Eltern stammen aus Serbien. Bei der Geburt erhält er die serbische Staatsbürgerschaft. Den Antrag auf doppelte Staatsbürgerschaft stellen die Fans nicht. Mit 19 Jahren will Daniel Fan in den Urlaub, doch im Reisebüro gibt es "erste Aneckpunkte" - weil er keinen deutschen, sondern nur einen serbischen Pass hat: "Damit ging die Geschichte los." Nach vier Versuchen auf Platz 337 der Warteliste gelandet Einige Monate später stellte er die erste Anfrage an die Stadt, ob es möglich wäre, Deutscher zu werden: "Ich wusste, dass man die Staatsgehörigkeit von dem Land bekommen kann, wo man geboren wurde." Doch so leicht war es nicht. Die Stadt sei nicht zuständig, das Standesamt wurde zur Anlaufstelle.: "Ich dachte, dass ein kurzes Schreiben und ein Passfoto reichen. Aber ich wurde schon an der Tür wieder abgewiesen." Erstmal brauche Fan einen Termin, um ins Büro eintreten zu dürfen. Doch der nächstmögliche Termin sei erst in sieben Monaten: "Ich bekam einen Stapel Papiere, brauchte einen Lebenslauf und einen A-Sprachkurs, was aber eigentlich gar nicht nötig war." Der gelernte Hotelfachmann musste vorweisen, dass er sich selber finanzieren musste und dass er in Deutschland zur Schule gegangen ist. Um die Unterlagen wieder abzugeben, brauchte Fan einen nächsten Termin. Der war dann wiederum acht Monate später. Weil Fans damaliger Arbeitgeber aber ein Ermittlungsverfahren gegen ihn und seine Kollegen eingeleitet hatte - grundlos, wie sich im Nachhinein herausstellte - wurde das Einbürgerungsverfahren eingestellt. Alles wieder auf Anfang also. "Und es wurde noch komplizierter", erzählt Fan. Beim Standesamt will er einen Termin für die Eheschließung mit seiner deutschen Frau vereinbaren. Vorher, so wird ihm im Standesamt mitgeteilt, brauche er eine Ehe-Fähigkeitsbescheinigung aus seinem Heimatland. "Ich fühlte mich diskriminiert. Ich musste nach Serbien fliegen, in meine Heimatkommune, um extra diese Bescheinigung zu holen." Zurück in Deutschland, konnte Fan endlich einen Termin für die standesamtliche Trauung buchen. Alles klappt, im Dezember 2012 werden die Zwillinge Sophia und Gabriel geboren - wie bereits die Mutter mit einem deutschen Pass. Nur Fan selber ist immer noch Serbe. 2013 dann der dritte Versuch: Ein Termin zur Beantragung der deutschen Staatsbürgerschaft: "Alles wieder von Null. Die Dame im Amt sagte, ich solle mich wieder hinten anstellen." 16 Monate dauert es, bis ein Termin zustande kommt. Dabei erfährt Fan, dass aus Gründen seiner Selbstständigkeit die Beantragung zur damaligen Zeit nicht möglich sei. "Ich habe gefragt, ob es keine Härtefall-Entscheidung geben könne", hoffte Fan auf eine zeitnahe Lösung. Aber nichts. Im Dezember 2017 dann der vierte Versuch, seit Monaten steht der Termin beim Amt. Doch Fan muss kurzfristig ins Krankenhaus, versucht den Termin zu tauschen oder zu schieben: "Ich konnte telefonisch niemanden erreichen beim Amt." Der Termin verfällt. Anfang Januar erreichte Fan dann einen Zuständigen beim Amt. Inzwischen gebe es keine festen Termine mehr, es gebe nur noch Wartelistenplätze: "Und da bin ich jetzt auf Platz 337, wenn ich Glück habe, findet der Termin noch in diesem Jahr statt." Dann würde es wieder von vorne losgehen. Ein Ämtermarathon, denn Daniel Fan erlebt: "Wenn ich Glück habe, könnte ich den Pass frühestens 2021 in den Händen halten." Hoffnung hat er nicht mehr: "Man wird nur noch mürbe geredet." Von seiner Frau hat er einen Lufthansa-Gutschein in die USA geschenkt bekommen. Doch weil er als Serbe kein Visum erhält, darf er nicht einreisen. Als Deutscher wäre das anders. Tagtäglich erlebt er Einschränkungen, vor allem in der Bürokratie: "Ein deutscher Pass würde alles so leicht machen. Und ich bin Deutscher, ich bin waschechter Ostwestfale mit serbischem Pass."

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