Am Straßenrand: In dem großen beigefarbenen Blechkasten - dem neuen Messcontainer - am Jahnplatz befinden sich moderne Messgeräte. Sie ermitteln seit Januar Stickstoffoxidwerte und die Feinstaubbelastung. Daneben befindet sich eine Bushaltestelle. - © Sarah Jonek
Am Straßenrand: In dem großen beigefarbenen Blechkasten - dem neuen Messcontainer - am Jahnplatz befinden sich moderne Messgeräte. Sie ermitteln seit Januar Stickstoffoxidwerte und die Feinstaubbelastung. Daneben befindet sich eine Bushaltestelle. | © Sarah Jonek

Bielefeld Stickoxid: Erste Auswertung der neuen Messanlage am Jahnplatz

Der Container am Jahnplatz ermittelt seit fünf Wochen, wie schmutzig die Luft in der City ist

Ingo Kalischek

Bielefeld. Wie schmutzig ist die Luft am Jahnplatz? Diese Frage soll seit Januar ein moderner Messcontainer auf der Bahnhofstraßenseite klären. Jetzt liegen erste Zahlen vor. Und die heizen die Debatte weiter an. Stündlich veröffentlicht das Landesamt LANUV die Container-Werte auf seiner Homepage. Manchmal liegt der Stickoxid-Wert bei 80; manchmal bei unter 10 - meist nachts. In der Summe ergibt sich vom 5. Januar bis zum 8. Februar ein Mittelwert von rund 35 Mikrogramm. Die zulässige Grenze liegt bei 40. Bislang war das LANUV bei seinen Messungen mit einem Passivsammler auf wesentlich höhere Werte gekommen: Durchschnittlich 51 Mikrogramm hatte es noch im Januar 2016 gemessen. Zahlen für 2017 werte ein Labor aktuell noch aus. Für das gesamte Jahr 2016 kam das LANUV am Jahnplatz auf 49 und an der Stapenhorststraße auf 42 Mikrogramm. Diese Zahlen hatten Handelsverband, Werbegemeinschaft und Kaufmannschaft aber stets angezweifelt - und deshalb den neuen Mess-Container gefordert. Kaufleute sehen sich in ihrer Kritik bestätigt Durch dessen ersten Monatswert von 35 Mikrogramm sehen sich die Kaufleute in ihrer bisherigen Kritik bestätigt. Sie messen seit rund zehn Monaten zusätzlich mit eigenen Geräten in der Stadt - und kommen auf ähnliche Ergebnisse. Ein Überblick: An der Herforder Straße 15 - rund 60 Meter vom Container entfernt - beträgt ihr Mittelwert 33,5 Mikrogramm. Ein Gerät in unmittelbarer Nähe zum Container misst seit November und kommt auf 38,4. Und im Bereich Jahnplatz-Mitte - auf Höhe der Fußgänger-Überquerung - beträgt der Wert 35,1 Mikrogramm. "Sämtliche Zahlen verdeutlichen, dass der bisherige Passivsammler des LANUV nicht den gesetzlichen Vorgaben entspricht - und die Werte eher irreführend sind", schlussfolgert Jörg Beyer vom Handelsverband. Entsprechend übertrieben seien deshalb Diskussionen über Verkehrsversuche und Fahrverbote. Die Kaufleute hatten vor allem den Standort des Passivsammlers kritisiert. Denn das Messgerät - eine kleine Dose - hängt auf etwa drei Metern Höhe an einem Baum. "Dadurch kann aber kein Luftdurchzug entstehen", kritisiert Holger Nolte von der CDU. Auch die Nähe zur Bushaltestelle am Jahnplatz habe die Werte in die Höhe getrieben. "Wenn man einen Messpunkt nur um wenige Meter verlagert, kann das bereits große Auswirkungen haben", sagt Nolte. Er freut sich, dass nun der Container verlässliche Daten liefern werde. Doch auch bei dessen aktuellen Zahlen sei Vorsicht geboten. Erst ein Messzeitraum über 12 Monate liefere zuverlässige Daten. "Die bisherigen Kurzzeitmessungen können eigentlich keine belastbaren Ergebnisse liefern, sondern nur erste Hinweise", sagt LANUV-Sprecherin Birgit Kaiser de Garcia. Man befinde sich noch ganz am Anfang. Für ein aussagekräftiges Messergebnis sei es wichtig, alle Jahreszeiten abzudecken. Denn das Wetter habe großen Einfluss. Einen Tag vor Sturm "Friederike", am 17. Januar, schnellte der Wert nachmittags während des Schneefalls auf 113 hoch - die bislang höchste Zahl. "Im Winter sind die Werte häufig höher", sagt Kaiser de Garcia. Sie erwarte, dass sich der Jahresmittelwert des neuen Containers am Ende nicht sonderlich von den bisherigen LANUV-Ergebnissen unterscheiden wird. Sprich: Er werde nicht bei den aktuell ermittelten 35 Mikrogramm bleiben, sondern noch steigen, so die Sprecherin. Bei aller Vorsicht: Erste Hinweise liefert der Container auch bereits nach fünf Wochen. Ein Blick zeigt, dass der Tageswert bislang freitags und samstags deutlich über 40 liegt - bis hin zu 58 Mikrogramm. Sonntags und montags hingegen lag er stets unter 40. Ein kontinuierlicher Verlauf am Tag lässt sich bislang nicht erkennen. Mal steigen die Werte schon morgens; mal erst nachmittags, mal gar nicht. Grünen-Ratsfraktionschef Jens Julkowski-Keppler hält den neuen Messcontainer für eine gute Lösung, möchte dessen Aussagekraft jetzt aber "noch nicht allzu hoch hängen". Er fordert einen generellen Blick über "die reinen Werte hinaus". "Wir brauchen neue Lösungen für den Verkehr in der Innenstadt. So oder so. Auch dann, wenn der Jahresmittelwert am Ende tatsächlich bei knapp unter 40 Mikrogramm liegen sollte."

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