Umsatzeinbußen: Liegt Heiligabend nah am 4. Advent, ist die Weihnachtsmarktdauer kürzer. Aus Sicht der Schausteller - wie dieses Imker-Standbetreibers - drohen dann finanzielle Verluste. Einen vorverlegten Start wird es aber nicht mehr geben. - © Sarah Jonek
Umsatzeinbußen: Liegt Heiligabend nah am 4. Advent, ist die Weihnachtsmarktdauer kürzer. Aus Sicht der Schausteller - wie dieses Imker-Standbetreibers - drohen dann finanzielle Verluste. Einen vorverlegten Start wird es aber nicht mehr geben. | © Sarah Jonek

Bielefeld Totensonntag bleibt Grenze - Bielefelder Weihnachtsmarkt wieder kürzer

Einigung zwischen Stadtmarketing und Kirchenkreis: Umstrittener Frühstart 2017 soll einmalige Ausnahme bleiben

Jens Reichenbach

Bielefeld. Der Unmut vieler christlichen Menschen war groß, als Bielefeld Marketing im vergangenen Jahr angekündigt hatte, der Weihnachtsmarkt in der Innenstadt werde schon vor dem Totensonntag starten - also in der "stillen Zeit". Der Grund für die Vorverlegung war die besonders kurze Adventszeit - der vierte Advent fiel auf Heiligabend - und die damit befürchteten Umsatzeinbußen der Schausteller. Nun haben sich Bielefeld Marketing und der evangelische Kirchenkreis erneut zusammengesetzt und in einem "wirklich offenen Gespräch" entschieden, dass die Vorverlegung 2017 eine Ausnahme bleibt, erklärte Jens Möller vom Stadtmarketing. Der kommende Weihnachtsmarkt beginnt demnach am 26. November, einen Tag nach Totensonntag, und wird, wie bisher, am 30. Dezember enden. Der Kirchenkreis hatte laut Sprecher Uwe Moggert-Seils den vorgezogenen Beginn des Weihnachtsmarkts 2017 zwar bedauert, aber als Kompromiss gebilligt. "Wir als Kirche haben nicht die Macht, das zu verbieten. Es ist aber gut, zu sehen, dass wir jetzt trotzdem diese einvernehmliche Lösung erreichen konnten", sagte Moggert-Seils. Fröhliche Stimmung in der stillen Zeit war für viele schwer zu ertragen Der November ist im christlichen Glauben der Monat des Gedenkens. Den Abschluss bildet traditionell der Gedenksonntag für die Verstorbenen (auch Ewigkeitssonntag). Dass in dieser Zeit bereits fröhliche Weihnachtsstimmung verbreitet werden sollte, war für viele Christen schwer zu ertragen. Deshalb hatten sich die Schausteller auch bereiterklärt, den Weihnachtsmarkt an den ersten drei Tagen, ohne Musik zu beginnen. Ohne den umstrittenen Frühstart hätte der Weihnachtsmarkt 31 Tage gedauert. "Ohne diese drei zusätzlichen Tage hätten wir definitiv Umsatzeinbußen gehabt", erklärte André Schneider, Vorsitzender des Bielefelder Schaustellervereins, die Motivation für den ungewöhnlichen Vorstoß. 2018 dauert der Markt nur 32 Tage an, 2022 dafür wieder 37 Tage Einbußen sind demnach nun für 2018 zu erwarten. Denn der Weihnachtsmarkt steht diesmal nur 32 Tage offen. Danach wird es von Jahr zu Jahr besser, bis es 2022 sogar 37 Tage sind. Ein Jahr später sind es dafür nur noch 31 Tage. Ein kalendarisches Phänomen, das nicht neu ist. Im vergangenen Herbst hagelte es für die Entscheidung viel Kritik - auch gegen den Kirchenkreis. War es ein Fehler? "Es war eine Abwägung der Interessen", erklärt Moggert-Seils. "Der führte zu einem Kompromiss, den nicht alle gut fanden." Die meisten hätten aber Verständnis für die Schausteller gezeigt, den Markt aber ganz bewusst nicht vor Totensonntag besucht. "Wie ich auch die Weihnachtsplätzchen nicht schon im Oktober kaufe, obwohl sie schon im Supermarkt stehen. Ganz bewusst", sagte Moggert-Seils. "Wir freuen uns über die jetzige Lösung und hoffen, dass es bei einer einmaligen Ausnahme bleibt."

realisiert durch evolver group