Von Barrierefreiheit keine Spur: Sabine Jacke konnte ihren behinderten Sohn nicht mit ins Zollamt an der Eckendorfer Straße nehmen. Die sechs Stufen am Eingang waren nicht zu überwinden. - © Sarah Jonek
Von Barrierefreiheit keine Spur: Sabine Jacke konnte ihren behinderten Sohn nicht mit ins Zollamt an der Eckendorfer Straße nehmen. Die sechs Stufen am Eingang waren nicht zu überwinden. | © Sarah Jonek

Bielefeld Bielefelder Zollamt sperrt Rollifahrer aus

Trotz des Behindertengleichstellungsgesetzes kommen Rollstuhlfahrer nicht in das Amt in der Eckendorfer Straße. Die Zollbeamten sehen die Schuld woanders

Alexander Lange

Bielefeld. Sabine Jacke ist immer noch sauer. "So etwas kann sich eine Behörde heutzutage einfach nicht mehr erlauben", ärgert sich die Gütersloherin. Rückblick: Am 5. Januar fährt Sabine Jacke zum Bielefelder Zollamt in die Eckendorfer Straße, um dort ein Paket aus den USA entgegen zu nehmen. Weil ihr Sohn seit einem Verkehrsunfall geistig behindert ist und im Rollstuhl sitzt, nimmt sie ihn mit: "Ich kann ihn nicht alleine lassen. Er ist Epileptiker und auf eine 24-Stunden-Betreuung angewiesen." Doch die Reise endet sechs Treppenstufen vor dem Zollamt. Von Barrierefreiheit keine Spur - es existiert weder Rampe, noch Aufzug oder Hintereingang. "Ich hatte keine Chance, ihn mit ins Gebäude zu nehmen", erinnert sich Sabine Jacke. Sie fragte bei den Zollbeamten nach, doch die bestätigten nur ihre Vermutung: Es gibt keinen barrierefreien Zugang. Rollstuhlfahrer müssen draußen bleiben. "Eine absolute Sauerei", ärgert sie sich. Ihr Sohn muss alleine im Auto bleiben, alle zehn Minuten schaut Jacke noch, ob mit ihm noch alles in Ordnung ist: "Eine wahnsinnige Rennerei. Ich musste fast 80 Minuten auf meinen Termin warten." Rollstuhlfahrer, die selbstständig zu der Behörde kommen, werden an der LKW-Rampe neben dem Haupteingang abgefertigt - "bei Wind und Wetter", sagt Sabine Jacke. Seitdem fragt sie sich: "Wie kann es sein, dass ein Gebäude dieser Art heutzutage noch nicht barrierefrei ist?" Lars Dey, stellvertretender Pressesprecher des Hauptzollamts Bielefeld, kennt die Problematik. Das Zollamt sei nur Mieter der Immobilie und dürfe aus diesem Grunde keine baulichen Veränderung an dem Gebäude vornehmen: "Natürlich wäre eine Rampe auch in unserem Interesse, aber wir können nicht mehr machen, als die Anfrage an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIma) zu stellen." Wer schlecht zu Fuß sei, könne auch eine Zollabfertigung via Post beantragen, sagt Dey: "Das kostet allerdings 28 Euro extra." "Aktuell werden mit oberster Priorität bundesweit alle Zollämter, die als Kontaktstelle für die Verwaltung der Kraftfahrzeugsteuer fungieren, barrierefrei hergerichtet", sagt Stefan Kirsch, Pressesprecher der Generalzolldirektion in Bonn: "Beim Zollamt Bielefeld handelt es sich leider nicht um eine solche Kontaktstelle für die Verwaltung der Kraftfahrzeugsteuer." Daher stehe die Barrierefreiheit des Zollamts an der Eckendorfer Straße nicht im Fokus der Arbeiten. Aufgrund des erhöhten Besucherandrangs seien aber vorläufige Alternativen in Form eines abgesenkten Bordsteins und einer Besucherklingel am Fuß der Behörde geplant. Diese sollen noch im ersten Halbjahr 2018 verwirklicht werden. Dass selbstständige Rollstuhlfahrer bisher an der LKW-Rampe abgefertigt wurden, war Kirsch nicht bewusst. Er kündigt daher Gespräche mit dem Nutzer der Liegenschaft an der Eckendorfer Straße an.

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