Hockey-Tore im Abendlicht: Während hinten der Tierpark zu sehen ist, hat sich vorne ein Maulwurf nett eingerichtet auf dem Hockey-Platz der Arminia. Diesen würde der Tierpark gerne nutzen. - © Kurt Ehmke
Hockey-Tore im Abendlicht: Während hinten der Tierpark zu sehen ist, hat sich vorne ein Maulwurf nett eingerichtet auf dem Hockey-Platz der Arminia. Diesen würde der Tierpark gerne nutzen. | © Kurt Ehmke

Bielefeld Der DSC Arminia will seinen Hockeyplatz im Tierpark nicht abgeben

Finanzhilfe für Arminia: FDP-Forderung einer Freigabe der kaum genutzten Fläche zugunsten von Olderdissen bleibt erhalten. Andere Fraktionen zurückhaltend. Stadt stellt klar: Es gibt jährliches Kündigungsrecht

Kurt Ehmke

Bielefeld. Im Oktober 1969 spielte Arminia Bielefeld in der Regionalliga West um die Qualifikation zur Bundesliga - und stieg erstmals auf in die höchste Spielklasse. Der Verein war quasi schuldenfrei. Ebenfalls im Oktober 1969 wurde der Tierpark Olderdissen oft noch Johannistal-Zoo genannt und war noch längst nicht der Besuchermagnet wie heute. Folgendes geschah auch im Oktober 1969: Eine fast 10.000 Quadratmeter große Fläche am Tierpark wurde an Arminia verpachtet - für eine Summe, die im Rathaus "historisch" und "sehr fair" genannt wird. Seither wird Hockey gespielt auf der Fläche - und nun hat die FDP die Idee aufgeworfen, ob Arminia das Gelände nicht der Stadt überlassen könnte - für den Tierpark, der Flächen für Spielplätze und Gehege benötigt. Die FDP findet, "dass ein Verein, der jetzt viel Steuergeld bekommt, sich auch revanchieren könnte und das benötigte und fast ungenutzte Grundstück zum Dank abgeben könnte", sagt FDP-Ratsfrau Jasmin Wahl-Schwentker. "Wir sind nicht gewillt, die Fläche am Tierpark abzugeben" Das hört bei Arminia der Sprecher der Hockey-Abteilung nicht gerne. Carsten Lange: "Meine Kollegen hier sind nicht gewillt, die Flächen abzugeben." Viele seien seit 50 Jahren und länger dabei, sie hingen an dem Platz. Nach den Osterferien und bis zu den Herbstferien werde mittwochs abends gespielt, zudem werde das angrenzende Clubhaus des DSC für Versammlungen und Feiern genutzt - auch von anderen Abteilungen. Der 52-Jährige spricht von "8 bis 16 Leuten", die hier trainierten. Spieler, zu denen Spieler der BTG stießen, als andersherum jugendliche Arminen zur BTG wechselten. Die Vereine kooperieren, "weil uns 10 bis 15 Jahre lange ein Kunstrasenplatz vorenthalten worden ist", sagt Lange. "Da mussten wir dann kooperieren." Wahl-Schwentker und ihr Kreisvorsitzender Jan Maik Schlifter sehen das, aber für sie steht das öffentliche Interesse vor den Interessen der Hockey-Herren. "Ganz ehrlich, ich sehe da nie jemanden spielen", so Wahl-Schwentker. Das sieht Schlifter genauso. Beide haben deshalb die Fraktionschefs der anderen Parteien angeschrieben mit dem Vorschlag, Arminia im Zuge der Übernahme einer 364.000-Euro-Bürgschaft "mindestens um ein Entgegenkommen zu bitten", sagt Schlifter. "Wir wären schon sehr enttäuscht, wenn Arminia dazu nicht bereit wäre." Am Montag sei Geschäftsführer Markus Rejek zu Gast bei der FDP, "da werden wir das auch thematisieren". Schlifter schwebt "eine moralische Verknüpfung der Themen Entschuldung und Hockey-Platz" vor. Immerhin sei das Thema schon mehrfach an Arminia herangetragen worden, wie auch im Rathaus bestätigt wird. Doch das sieht Arminia anders. Lange: "Ich habe noch am Mittwoch bei unserem Präsidenten Hans-Jürgen Laufer nachgefragt - und hier sind sich alle einig, dass das noch nie Thema war." Schlifter sagt: "Dass das eine hoch attraktive Fläche ist, das ist klar - und offenbar wird alles getan, um sie zu halten." Noch eine Unstimmigkeit gibt es: Während Lange von einem "unbefristeten Pachtvertrag" spricht, stellt Jürgen Bültmann vom städtischen Immobilienbetrieb ISB klar: "Das ist falsch, der Vertrag war auf 20 Jahre angelegt und hat sich danach stillschweigend immer um ein Jahr verlängert." Er sei aber mit zwölf Monaten Vorlauf kündbar zum September eines jeden Jahres. Die Pacht sei einmal seit 1969 erhöht worden, "aber auf niedrigem Niveau". Sie werde übrigens jedes Jahr von Arminia bezahlt. Sollte die Fläche frei werden, wäre der Tierpark sehr interessiert, sagt Leiter Herbert Linnemann - wie es auch schon sein Vorgänger Volker Brekenkamp mehrfach betont hatte. Linnemann: "Vor allem der Spielplatzbereich ist an vielen schönen Tagen grenzwertig überfüllt, da würde uns diese Fläche sehr helfen - sie wäre ein absoluter Gewinn." Schaue er auf die Fläche, sehe er dort "nie irgendeine Aktivität". Das geht auch den FDP-Ratspolitikern so - dennoch wurde über ihr Thema gestern in Finanzausschuss und Rat fast kein Wort verloren.

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