Der 54-jährige Bielefelder kann den Stimmen in seinem Kopf nur schwer und manchmal gar nicht widerstehen, wenn sie ihm befehlen, Feuer zu legen. - © Symbolfoto Pixabay
Der 54-jährige Bielefelder kann den Stimmen in seinem Kopf nur schwer und manchmal gar nicht widerstehen, wenn sie ihm befehlen, Feuer zu legen. | © Symbolfoto Pixabay

Bielefeld Stimmen in seinem Kopf befehlen Bielefelder Feuer zu legen

Der 54-Jährige leidet an einer Psychose. Das Landgericht hat nun aber entschieden, dass er nicht in die geschlossene Psychiatrie muss

Peter Johnsen

Bielefeld. Wenn die Stimmen in seinem Kopf ihm wieder einmal Befehle erteilen, kann der 54-jährige Bielefelder Orhan D. (Name geändert) ihnen nur schwer und manchmal gar nicht widerstehen. Dann macht er gefährliche Sachen, die ihn vor Gericht bringen. Zum Beispiel in der Nacht zum 20. Dezember 2016. Da zündete Orhan D. gegen 1.15 Uhr in seinem Zimmer im Reinhard-Beyth-Haus, eine Einrichtung der von Bodelschwinghschen Stiftungen in Eckardtsheim, die Matratze an. Das Feuer wurde schnell entdeckt und gelöscht, keiner der neun übrigen Bewohner verletzt. Es entstand jedoch Sachschaden in Höhe von 10.000 Euro. Schwere Brandstiftung Juristisch war dies ein klarer Fall von schwerer Brandstiftung. Weil Orhan D. bei der Tat aber aufgrund einer schweren psychischen Krankheit schuldunfähig war, konnte er nicht bestraft werden. Vor der X. Großen Strafkammer des Bielefelder Landgerichts ging es am Donnerstag daher ausschließlich um die Frage, ob D. auf Dauer in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht werden muss. Zu Beginn der Verhandlung präsentierte D. dem Gericht zwei Versionen des Geschehens. Nach der einen handelte es sich um ein „Versehen" beim Anzünden einer Zigarette. Nach der anderen hatte es ihm die Stimme befohlen, um sich vor einem Mitbewohner zu schützen, der ihn angeblich bedrohte. Paranoid-halluzinatorische Psychose In der Vergangenheit hatte Orhan D. schon mehrfach gezündelt und war daraufhin in die Psychiatrie eingewiesen worden. Noch heute Morgen habe ihm die Stimme befohlen, seine Bettdecke anzuzünden, erzählte er. Der Psychiater Bernd Wallenstein bezeichnete die Krankheit D.s als „chronifizierte akut paranoid-halluzinatorische Psychose". Sie seit etwa 1990 zum ersten Mal aufgetreten. Der Sachverständige sah die Voraussetzungen für eine Unterbringung als erfüllt an, sprach sich aber dafür aus, die Maßnahme zur Bewährung auszusetzen. Dieser Einschätzung schlossen sich Staatsanwalt, Verteidiger und auch das Gericht an. Die Kammer erteilte Orhan D. eine Reihe von Weisungen, die eine Wiederholung verhindern sollen. Eindringlich ermahnte Vorsitzender Christoph Meiring ihn, regelmäßig seine Medikamente zu nehmen. Orhan D. versprach es.

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