Die Debatte um die Abgabepraxis des Bielefelder Tierheims ist neu entfacht. Die Vorwürfe wiegen schwer. Das Tierheim hat eine ausführliche Erklärung geliefert. - © Symbolfoto Pixabay
Die Debatte um die Abgabepraxis des Bielefelder Tierheims ist neu entfacht. Die Vorwürfe wiegen schwer. Das Tierheim hat eine ausführliche Erklärung geliefert. | © Symbolfoto Pixabay

Bielefeld Bielefelder Tierheim wird heftig kritisiert

In mehreren Leserbriefen machen Leser ihrem Ärger Luft - und das Tierheim erklärt

Alexandra Buck

Bielefeld. Immer wieder wird das Bielefelder Tierheim dafür kritisiert, seine Tiere angeblich zu "horten". Besonders umstritten sind die Voraussetzungen, die Interessenten mitbringen müssen, wenn sie etwa eine Freigängerkatze adoptieren wollen. Nach der Geschichte über die Katze Lara, die sich im Tierheim aufzugeben droht, weil sie sich nicht wohl fühlt, ist die Diskussion neu entfacht. "Aus sehr großer Verärgerung über die immer größer werdenden Vorschriften und Belehrungen habe ich meine Mitgliedschaft gekündigt", schreibt uns die einst treue Tierheim-Besucherin Ursula Steiner. "Das Katzenhaus platzt aus allen Nähten und das Tierheim vermittelt die Tiere nur an Interessenten die quasi auf dem Mond leben, denn da gibt es (noch) keine Autos." Viele Fälle tierlieber Menschen seien ihr bekannt, die keine Chance auf ein Tierheim-Tier hatten. "Unfassbar" "Diese Leute leben nicht in der Nähe der Autobahn, haben einen großen Garten, die Zeit, sich um die Tiere zu kümmern - aber die Verantwortlichen im Tierheim entscheiden, dass es für die Samtpfoten besser ist, im überfüllten Katzenhaus zu bleiben. Unfassbar." Außerdem habe sie sich sehr über die "belehrende Art" der Mitarbeiter geärgert. "Ich war unterstützendes Mitglied des Vereins und wenn ich einmal die Zeit finde, neben meiner beruflichen Tätigkeit mit meinen Kindern einen Spaziergang mit einem Hunde-Schützling zu unternehmen, werde ich behandelt als würde ich in dieser Zeit den Hund misshandeln." "Rigide Abgaberegelung" Auch Jutta Schattmann ärgert sich: "Auch wir haben die rigide Abgaberegelung des Tierheims in Bielefeld kennengelernt. Nachdem unsere Katze aus Krankheitsgründen eingeschläfert werden musste, wollten mein Mann und ich wieder eine Katze aus dem Tierheim holen", schreibt sie uns. "Wir wurden recht unfreundlich begrüßt. Obwohl uns bereits mehrere Katzen vermittelt wurden und eine Dame vom Tierheim unsere Wohnlage gesichtet und für gut befunden hatte, erhielten wir die Antwort, dass bei unserer Wohnlage eine Vermittlung nicht in Betracht komme." Auch sei ihr Eindruck, dass seitens des Bielefelder Tierheims "kein Interesse besteht, Katzen abzugeben". "Mitarbeiter geben sich viel Mühe" Man sei dann im Gütersloher Tierheim fündig geworden und habe dort eine junge Katze aus Gütersloh geholt. "Sie hat nun schon seit über einem Jahr die Umgebung in ihren Besitz genommen." Helmut Tiekötter, Vorsitzender des Bielefelder Tierschutzvereins, der das Tierheim betreibt, stellt sich vor seine Mitarbeiter. Die Vermittlungspraxis des Bielefelder Tierschutzvereines werde in schöner Regelmäßigkeit von Menschen kritisiert, die aus den verschiedensten Gründen keine Katze aus dem Tierheim adoptieren konnten. "Unsere Mitarbeiterinnen geben sich in den Vermittlungsgesprächen sehr große Mühe, das passende Tier mit den passenden Menschen zusammen zu bringen. Jährlich gelingt dies rund 500 Mal." Aber es sei auch richtig, dass in ein paar dutzend Fällen aus Sicht der Verantwortlichen für das gewünschte Tier die Abgabe nicht gut ist. Belastende Gespräche "Da derartige Gespräche für unser Personal belastend sind, bleiben diese Vorgänge auch gut in Erinnerung." Dies ermögliche dem Tierheim-Team auch, sein Verhalten regelmäßig zu reflektieren. Es gebe einige wenige, aber aus langjähriger Erfahrung wichtige Vermittlungsgrundsätze. Ein Kriterium für Freigänger ist demnach die Entfernung zu stark befahrenen Straßen. Innerstädtisch täten sich da schon große Probleme auf. "Von Fall zu Fall gibt es aber Abgabekatzen, deren vorherige Lebensumstände uns bekannt sind und die sich mit dem Straßenverkehr auskennen." Natürlich seien dies dann aber keine Jungtiere. Kein Jungtier allein in Wohnung vermittelt Ein anderes Kriterium bei reiner Wohnungshaltung sei eine Zweikatze oder ein zu vermittelndes Jungtierpärchen. "Wir vermitteln kein Jungtier allein in die Wohnung. Und bei mehreren Tieren sollte die Wohnung natürlich auch größer als ein Einzimmerappartement sein. Nun gibt es aber auch bei uns Katzen, die gern allein mit ihrem Dosenöffner leben möchten und keine weitere Katze für ihr Wohlbefinden benötigen." Diese Regeln lebten alle umliegenden Tierheime ebenso wie das Bielefelder Tierheim. "Alle kennen wir die gleichen Negativäußerungen von Menschen, die mal hier mal da das unbedingt gewünschte Tier eben nicht bekommen haben." Natürlich seien aber auch die Mitarbeiter im Tierheim nur Menschen - und können im Einzelfall mal schief liegen. "Doch wenn wir nahezu 500 Katzen jährlich vermitteln, kann man trotz der Regeln zum Schutze der uns anvertrauten Tiere wohl kaum von einer rigiden Abgaberegel sprechen."

realisiert durch evolver group