Bei den Stadtwerken: Auf der Schildescher Straße werden Radfahrer vom Radweg aus direkt in den Kreisverkehr geleitet. Den müssen sie sich mit anderen Verkehrsteilnehmern teilen. Das empfinden einige Radfahrer als besonders gefährlich. - © Wolfgang Rudolf
Bei den Stadtwerken: Auf der Schildescher Straße werden Radfahrer vom Radweg aus direkt in den Kreisverkehr geleitet. Den müssen sie sich mit anderen Verkehrsteilnehmern teilen. Das empfinden einige Radfahrer als besonders gefährlich. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Deshalb fürchten Radfahrer Bielefelder Kreisverkehre

Radfahrer müssen einige Kreisel gemeinsam mit Autos, Bussen und Lkw passieren, da ihr Radweg davor endet. Das soll sie schützen - wirkt aber oft gegenteilig

Ingo Kalischek

Bielefeld. Kreisverkehre sollen den Straßenverkehr sicherer machen. Viele Radfahrer empfinden sie aber als gefährlich. Sie müssen sich die Fahrbahn in einigen Kreiseln mit Autos, Bussen und Lkw teilen, da die roten Radwege kurz davor enden. Dadurch werden die Radler auf die Fahrbahn gedrängt. Das überfordert nicht selten alle Verkehrsteilnehmer. "Durch eine Vollbremsung konnte ich einen Unfall gerade noch verhindern." Diesen Satz hört Thorsten Böhm vom ADFC Bielefeld regelmäßig von Radfahrern. Viele fühlen sich unsicher, wenn sie in einen Kreisverkehr geführt werden. Das ist in der Stadt an mehreren Stellen der Fall. Vor dem neuen Kreisverkehr in Hillegossen beispielsweise endet der rote Radweg abrupt - Fahrradfahrer werden durch einen Bordstein mitten auf die Straße geleitet. "Die Fahrbahn im Kreisverkehr ist viel zu eng. Das halte ich für Radfahrer für äußerst gefährlich", sagt Dörte Wölke. Die Bielefelderin ist regelmäßig auf der Detmolder Straße unterwegs. "Ich steige lieber vor dem Kreisverkehr ab und schiebe das Rad über den Bürgersteig", sagt sie. Das sei sicherer, als zwischen Bussen und Lkw zu fahren. Ähnlich sieht es an zwei Kreisverkehren an der Engerschen Straße sowie bei den Stadtwerken in der Schildescher Straße aus. Auch dort müssen sich Radler den Kreisel mit anderen Verkehrsteilnehmern teilen. Und die würden oftmals mit hoher Geschwindigkeit hineinfahren, da dessen Innenbereich, die sogenannte Mittelinsel, leicht zu überfahren ist. Ein typisches Problem bei kleinen Kreiseln, so Böhm. "Die Leute sind zu schnell, sie werden kaum zum Abbremsen gezwungen." Sind größere Kreisverkehre also sicherer? Nicht unbedingt, meint der Experte. Auch sie haben Schwachstellen. Bei zu viel Platz würden Autos oft neben Radfahrern in den Kreisel fahren - und sie nach außen drängen. Oder sie würden versuchen, Radfahrer im Kreisel zu überholen. Das größte Problem dabei: Je weiter außen sich Radfahrer im Kreisverkehr befinden, desto schneller werden sie von Autos beim Rechtsabbiegen übersehen. "Radfahrer sollten deshalb mittig fahren", rät Böhm. Genau das erzeugt aber bei vielen ein mulmiges Gefühl. Der Stadt Bielefeld sind die Sorgen bekannt. Aber: Mit dem Konzept folge man den Vorschlägen der bundesweiten Unfallforschung. Und die besagt: Radfahrer sind im Kreisverkehr objektiv sicher, da sie sich im Sichtfeld der Autofahrer befinden. "Wenngleich es sich subjektiv anders anfühlen mag", räumt der Nahmobilitätsbeauftragte Oliver Spree ein. Er glaubt, dass sich das Konzept erst Stück für Stück etablieren müsse. Die Polizeistatistik bestätigt das. "Unfallzahlen von Radfahrern in Kreisverkehren sind mehr als gering", sagt Sprecher Achim Ridder. In den vergangenen zwei Jahren machten sie ein Prozent aller Unfälle mit Personenschaden aus. Thorsten Böhm gibt sich damit nicht zufrieden. "Kreisverkehre müssen für Radfahrer objektiv und subjektiv sicher erscheinen." Sonst würden viele Bürger künftig auf ihren Drahtesel verzichten. Und was nun? Böhm schlägt vor, Radwege außen um den Kreisverkehr herumzuführen - wie zum Beispiel am Gymnasium Heepen. "Dort können Radfahrer einfach auf dem gesicherten Weg bleiben." Kleine Kreisverkehre sollten mit höheren Mittelinseln ausgestattet werden, damit man sie nicht mehr mittig überfahren könne - und so langsamer fahre. Aber: "Das würde wiederum für Busse und Räumfahrzeuge problematisch", sagt Böhm. Die Stadt will das Thema weiter beobachten. Spree: "Eine ideale Lösung haben wir noch nicht gefunden."

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