Glück im Unglück: Bei einem Dachstuhlbrand in Theesen wurden Rauchmelder zum Lebensretter. Gegen 5.45 Uhr wurde die schlafende Familie durch das laute Piepen aufgeweckt und konnte sich rechtzeitig vor den Flammen in Sicherheit bringen. - © Reimar Ott
Glück im Unglück: Bei einem Dachstuhlbrand in Theesen wurden Rauchmelder zum Lebensretter. Gegen 5.45 Uhr wurde die schlafende Familie durch das laute Piepen aufgeweckt und konnte sich rechtzeitig vor den Flammen in Sicherheit bringen. | © Reimar Ott

Bielefeld 30 Prozent mehr Einsätze seit Einführung der Rauchmelderpflicht

Seit dem 1. Januar 2017 müssen Wohnräume in Nordrhein-Westfalen mit den piependen Sensoren ausgerüstet sein

Alexander Lange

Bielefeld. Seit einem Jahr besteht in Nordrhein-Westfalen die allgemeine Rauchmelderpflicht. Seitdem rückte die Bielefelder Feuerwehr zu 224 Rauchmelder-Alarmierungen aus. In 97 Fällen brannte es tatsächlich, bei 35 Bränden waren sogar noch Personen in der Wohnung. Für sie wurden die Melder zum Lebensretter. Feuerwehrchef Rainer Kleibrink betont: "Diese Personen waren in ihren Wohnungen real gefährdet." In seiner Jahresstatistik erkennt Kleibrink einen deutlichen Anstieg der Einsatzzahlen durch piepende Rauchmelder: "2016 waren es noch 168 Einsätze, das ist eine Steigerung um knapp 30 Prozent." Die gesetzliche Verpflichtung habe sich positiv durchgesetzt, immer mehr Wohnungen seien mit den Geräten ausgerüstet, so Kleibrink. Dennoch habe die Medaille zwei Seiten. 57 Prozent der 224 Fälle seien Fehlalarme gewesen. Meistens seien es Hausbewohner, die aus der Nachbarwohnung Piep-Geräusche hören, einen Rauchmelder vermuten und die Feuerwehr rufen. "So ein Piepton ist nicht genormt, der kann natürlich auch von einem Wecker kommen oder ein Batteriealarm sein", sagt Kleibrink. Die Einsatzzahlen ändern aber nichts an der Einsatzstrategie der Feuerwehr, auch wenn es "sehr zeitaufwendig ist", so Kleibrink: "Wir nehmen natürlich jede Alarmierung ernst und rücken immer aus." Wachsame Nachbarn sollten lieber einmal zu oft als einmal zu wenig die Feuerwehr rufen: "Wir kommen immer gerne - am liebsten, wenn es umsonst ist und alles in Ordnung ist." 57 Prozent der Alarmierungen waren Fehlalarme Denn im Ernstfall kann solch ein Gerät zum Lebensretter werden. "Angenommen der Bewohner liegt nachts im Bett, schläft und eines der Elektrogeräte in seiner Wohnung fängt Feuer", erklärt Kleibrink ein mögliches Feuer-Szenario: "Durch das Kohlenmonoxid wird die Person im Schlaf bewusstlos und erstickt, ohne etwas vom Brand mitbekommen zu haben." Durch die akustischen Signale würde der Bewohner im Ernstfall rechtzeitig aufwachen: "Deshalb hilft ein Rauchmelder auch mehr als ein Feuerlöscher. Der Bewohner wird schnell auf den Brandherd aufmerksam, kann sich in Sicherheit bringen, die 112 rufen oder vielleicht sogar den Brand selber eindämmen." Auch die Feuerwehr sei in der Regel schneller am Brandherd, wenn Melder installiert seien, sagt Kleibrink: "Ohne das Piepen werden Nachbarn erst auf das Feuer aufmerksam, wenn etwa Rauch unter der Wohnungstür hindurch tritt." Dann habe das Feuer aber meistens schon ein enormes Ausmaß angenommen. "Je früher wir alarmiert werden, desto schneller können wir ausrücken und den Brand, Personenschäden und Sachbeschädigungen so gering wie möglich halten", sagt der Feuerwehrchef. Ob Wohnungen tatsächlich mit Rauchmeldern ausgestattet sind, kann die Feuerwehr aber nicht kontrollieren: "Das muss jeder für sich selber entscheiden, wir können natürlich keinen zwingen." Dennoch hofft Kleibrink auf den Sachverstand der Bielefelder. Denn die piependen Schutzengel gebe es schon für weniger als zehn Euro im Baumarkt. Wichtig sei beim Kauf, auf die CE-Kennzeichnung (Prüfsiegel) zu achten. Laut der Rauchmelderpflicht müssen alle Kinder- und Schlafzimmer sowie Flure, die als Fluchtwege dienen könnten, mit mindestens einem Sensor ausgestattet sein. "Ich selber habe meine Wohnung, da sie aus mehreren Etagen besteht, mit Funk-Rauchmeldern ausgestattet", ergänzt Kleibrink. Diese Modelle haben den Vorteil, dass ein alarmierter Melder das Signal an alle weiteren installierten Melder in der Wohnung weitergibt und auch diese zu piepen beginnen: "Wenn zum Beispiel meine Waschmaschine Feuer fängt, werde ich dann auch in den anderen Etagen direkt darauf aufmerksam gemacht." Für den Einbau der Geräte sind laut Gesetzeslage grundsätzlich die Wohnungseigentümer zuständig. Kommt es zu einem Brand in einer Wohnung, in der kein Rauchmelder installiert ist, kann es sogar passieren, dass der Versicherungsschutz gekürzt wird oder komplett erlischt. Das hängt von der Brandursache und der Versicherung ab und wird im Einzelfall entschieden. Bei Personenschäden, die durch installierte Rauchmelder hätten verhindert werden können, kann der Wohnungseigentümer zur Rechenschaft gezogen werden. Geräte schon für weniger als zehn Euro erhältlich Nicht erst seit der Einführung der Rauchmelderpflicht statten zahlreiche Bielefelder Wohnungsbaugesellschaften ihre Immobilien mit den Geräten aus. Die LEG hat bereits 2007 mit der Maßnahme begonnen, auch BGW und "Freie Scholle" warteten nicht und erfüllten ihre Pflicht schon vor Inkrafttreten des Gesetzes. "Diese Geräte retten Leben", lobt Michael Seibt von der "Freien Scholle". Insgesamt 4.650 Wohnungen hat das Unternehmen Vonovia in Bielefeld mit Rauchmeldern ausgestattet. "150 müssen noch ausgestattet werden", heißt es von der Pressestelle des Unternehmens. In diesen Fällen seien beispielsweise Bewohner nicht angetroffen worden.

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