Auf der Lauer: Ein Jäger hält bei der Drückjagd sein Gewehr. Im Hintergrund läuft ein weiterer Jäger durch das Bild. - © dpa
Auf der Lauer: Ein Jäger hält bei der Drückjagd sein Gewehr. Im Hintergrund läuft ein weiterer Jäger durch das Bild. | © dpa

Bielefeld Tierschützer stören Jäger bei Drückjagd auf Wildschweine

Veterinäramt lässt eines der Tiere im Labor untersuchen, mit dem Ergebnis ist nicht vor Freitag zu rechnen

Jens Reichenbach

Bielefeld. Bei der großen Wildschwein-Drückjagd in Bielefeld, bei der am Dienstag 20 Wildschweine erlegt wurden, gab es massive Störungen durch Tierschutzgruppen. Das teilte das Bielefelder Veterinäramt in einer Mitteilung mit. Da die Tierschützer ins eigentlich gesperrte Jagdgebiet gelaufen sind, sei die geplante Jagd beeinträchtigt worden, hieß es weiter. Wie berichtet, waren die Behörden mit dem Ergebnis der Jagd nicht sehr zufrieden. Nach Angaben von Revierförster Herbert Lindemann sei der Bestand inzwischen so angewachsen, dass ohnehin jährlich 100 Stück Schwarzwild geschossen würden. "Früher waren es nur zwei bis drei pro Jahr." Der Bestand müsse also reduziert werden, auch um ihn zu gesunden. Unterschiedliche Ansichten Die Tierschützer kritisierten den präventiven Abschuss des Schwarzwildes, noch bevor es in OWL zu einer Infektion mit der afrikanischen Schweinepest gekommen sei. Sie glauben, dass eine Eigenregulierung innerhalb des Bestandes zielführender sei. Veterinäramtsleiter Hans-Helmut Jostmeyer sieht das anders: "Ein verringerter Bestand bedeutet eine verringerte Einschleppungsgefahr. Das war uns wichtig." Wissenschaftler und Veterinärverwaltung halten ihm zufolge ein Zurückdrängen der sich ausbreitenden Wildschweine wegen fehlender Impfmöglichkeiten für zwingend notwendig "Das ist nur durch die Jagd möglich." An den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Tierrechtsorganisation Peta wendet sich Jostmeyer mit den Worten: "Ihre Positionen verlangen in Zeiten wachsender Schäden und Bedrohungen durch Wildschweine einen Informationsaustausch mit sachlichen Argumenten." Veterinäramtsleiter hofft auf Umdenken Auch Jostmeyer geht nicht davon aus, dass eines der 20 geschossenen Tiere infiziert sei. Trotzdem wurde routinemäßig eines der Wildschweine zur Untersuchung ins Labor geschickt. Ein Ergebnis sei nicht vor Freitag zu erwarten. Der Veterinäramtsleiter hofft, dass die intensive und kontrovers geführte Diskussion um die drohende Afrikanische Schweinepest ein Umdenken auch bei der Bevölkerung ausgelöst hat und dass nicht mehr länger Lebensmittelreste sorglos in der Natur oder waldnahen Abfallbehältern entsorgt würden. Auch dass tot aufgefundene Wildschweine gemeldet und auf Schweinepest untersucht werden sollten, habe sich inzwischen herumgesprochen. Kleiner Trost für den obersten Veterinär der Stadt: Die Beteiligung an der Jagd zur Reduzierung des Schwarzwildes war sehr gut. Die Aktion habe die Zusammenarbeit untereinander und mit dem Veterinäramt sowie anderen Behörden verbessert. "Dies ist im Falle eines Seuchenausbruches von entscheidender Bedeutung", betont Jostmeyer. Durch die großflächige Jagd könnten nun Schwarzwildpopulation sowie Schweinepestrisiko besser eingeschätzt werden.

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