Bielefeld Geschäftsleute sauer: So frech sind die Politessen an der Meller Straße

Verkehr: Rund um die Meller Straße dürfen Autofahrer mit Parkscheibe maximal drei Stunden parken. Viele Bürger wissen das nicht, da Hinweisschilder weit und breit nicht in Sicht sind

Ingo Kalischek

Bielefeld. Wer aktuell sein Auto im Bereich der Meller Straße abstellt, findet schnell eine kleine Überraschung auf der Windschutzscheibe: Viele Autofahrer kassieren dort ein Knöllchen, da sie keine Parkscheibe rausgelegt haben. Die ist seit September nötig. Das wissen viele Autofahrer aber offenbar nicht, da insgesamt nur vier Schilder auf die Parkzone hinweisen - viel zu wenige, kritisieren die Autofahrer. "Das ist eine absolute Unverschämtheit", sagt Cornelia Wiegand. "Uns und unseren Kunden gegenüber." Die Mitarbeiterin der Fleischerei Kohlstedde an der Meller Straße ist sauer auf das Ordnungsamt. Mehrmals am Tag kämen Politessen vorbei, um parkende Autos vor der Fleischerei zu kontrollieren. "Sie trinken bei uns Kaffee, essen Wurstbrötchen - und rennen plötzlich raus, um unseren Kunden ein Knöllchen zu verpassen. Dabei parken die doch nur für wenige Minuten." Parken ist nur mit Parkscheibe für drei Stunden erlaubt Die neue Parkzone gilt seit dem 21. September. Sie umfasst einen Teil der Siegfriedstraße, die Ernst-Rein-Straße, Meller Straße, Nordstraße, Theodor-Hymmen-Straße, Schmiedestraße und die Straße "Am Kamphof". Hier gilt eine Parkscheibenregelung für alle Parkflächen im öffentlichen Straßenraum. Sprich: Parken ist nur mit einer Parkscheibe - maximal für drei Stunden erlaubt. Dauerparken ist in dieser Zone nur noch für Anwohner und ihre Besucher mit entsprechenden Ausweisen möglich. Hinweise auf die neue Parkregelung erhalten Autofahrer zu Beginn und am Ende der Zone - durch ein weiß-blaues Verkehrsschild. Davon gibt es insgesamt aber nur vier. Das hat zur Folge, dass beispielsweise Autofahrer in der Meller Straße bis zu 500 Meter weit laufen müssten, um das Schild zu sehen. Eines steht immerhin direkt neben der Fleischerei Kohlstedde. Übersehen wird es offenbar dennoch. Ein weiteres befindet sich gegenüber der Bäckerei an der Siegfriedstraße. "Wieso stellt die Stadt nicht einfach mehr Schilder auf?", fragt Catharina Mühling. Die Anwohnerin musste kürzlich ein Verwarngeld zahlen, weil sie ohne Parkscheibe in der Meller Straße geparkt hatte. "Ich sehe hier immer wieder fluchende Autofahrer, die völlig irritiert sind, wenn plötzlich ein Knöllchen unter dem Scheibenwischer steckt", sagt die 22-Jährige. Verärgert ist auch Stefan Boes, der in den vergangenen Wochen sogar drei Knöllchen kassiert hat - 50 Euro. Bis vor wenigen Monaten hat er in der Meller Straße gewohnt. "Damals durfte ich hier noch normal parken." Von der neuen Regelung habe der 30-Jährige nichts mitbekommen. "Das Parkzonen-Schild in der Siegfriedstraße fällt kaum auf", sagt er. Wer die Straße gut kenne, beachte den Standort des Schilds nicht unbedingt. Boes: "Wenn ich im oberen Bereich der Meller Straße parke, finde ich dort kein einziges weiteres Schild. Das ist intransparent und bürgerfern. Deswegen sehe ich es nicht ein, das Geld zu bezahlen." Der zuständigen Straßenverkehrsbehörde seien Beschwerden bislang nicht bekannt, sagt Ralf Kleimann. Frust der Bürger könne er zwar bedingt nachvollziehen, doch zugleich sagt Kleimann: "Von aufmerksamen Autofahrern darf erwartet werden, dass sie das Schild beim Hineinfahren in die Parkzone bemerken." Schließlich sei das bei anderen Schildern wie beispielsweise bei "Tempo 30" auch der Fall. Und: Anwohner seien vorab über die neue Regelung per Post informiert worden. Parkzonen sollen Dauerparken vermeiden Mit den Parkzonen wolle die Stadt unter anderem die Anzahl der Verkehrsschilder reduzieren - und so eine "Schilderflut" vermeiden, sagt Kleimann. Die Zone ist Teil des Parkraumbewirtschaftungskonzeptes der Stadt, das in großen Teilen der City bereits erfolgt sei. Ziel ist es auch, Dauerparken zu vermeiden. Und wie steht es um zusätzliche Schilder, unter anderem im Bereich der Meller Straße? "Das ist nicht möglich", sagt Kleimann. Punktuelle Nachbesserungen lasse die Straßenverkehrsordnung nicht zu. Außerdem: "Wenn wir jetzt wieder damit anfangen würden, müssten wir alle 80 Meter ein Einzelschild aufstellen und zudem jede denkbare Parkfläche beschildern. Das funktioniert nicht." Cornelia Wiegand wünscht sich zumindest etwas mehr Nachsicht der Politessen: "Manchmal laufen unsere Kunden sogar hinter ihnen her - selbst dann kriegen sie ein Knöllchen", sagt Wiegand kopfschüttelnd. "Wenn das so weitergeht, bekommen die Politessen bei uns eben nichts mehr zu essen."

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