Schweres Gerät: Eckard Hoomann (v. l.), Peter Sundermann und Laskin Mirza vom Umweltbetrieb fegen und pusten auf dem Kesselbrink den Müll zusammen. Mit Verpackungen von Batterie-Feuerwerken haben sie besonders zu kämpfen. Aber auch viele Glasflaschen landen auf den Straßen. Kehrmaschinen saugen den Abfall auf. - © Barbara Franke
Schweres Gerät: Eckard Hoomann (v. l.), Peter Sundermann und Laskin Mirza vom Umweltbetrieb fegen und pusten auf dem Kesselbrink den Müll zusammen. Mit Verpackungen von Batterie-Feuerwerken haben sie besonders zu kämpfen. Aber auch viele Glasflaschen landen auf den Straßen. Kehrmaschinen saugen den Abfall auf. | © Barbara Franke

Bielefeld Was von Silvester übrig bleibt - die Aufräumreportage

Während die Stadt noch schläft, befreien Mitarbeiter des Umweltbetriebs die Straßen und Grünflächen von den Resten der Silvesternacht. Eine neue Form des Böllerns wirkt sich auf ihre Arbeit aus

Ingo Kalischek

Bielefeld. Die Nacht war kurz. Der Wecker dröhnt um 4 Uhr. Laskin Mirza hat drei Stunden geschlafen. Um kurz nach 6 steht er bereits mitten auf dem verlassenen Jahnplatz - und fegt. Mirza arbeitet beim Bielefelder Umweltbetrieb und räumt mit seinen Kollegen nach der Silvesternacht die Stadt wieder auf. "Irgendwer muss es ja machen", sagt er. Glasflaschen, Pappbecher, Raketenstöcke, Böller - und ganz viel Papier. Das beseitigen die Mitarbeiter des Umweltbetriebs seit dem frühen Morgen. Anfangs noch im Dunkeln; schließlich wird es erst gegen 8 Uhr hell. Die 12 Männer behelfen sich mit dem Fernlicht der drei Kehrmaschinen. Gute Augen brauchen sie für ihre Arbeit dennoch. Das müssen sie sogar einmal im Jahr beim Augenarzt nachweisen. Gefährlich Und an Silvester ist es besonders wichtig zu sehen, was man da gerade auffegt. Immer wieder liegen nicht gezündete Böller und Raketen auf den Wegen - explodiert sei bei den Aufräumarbeiten aber noch nie etwas, sagen die Mitarbeiter. Manchmal finden sie noch komplett eingepackte Raketen und Böller. Auch zwei Smartphones haben sie schon mal entdeckt - und beim Fundbüro abgegeben. Brennpunkt ist in diesem Jahr erneut der Siegfriedplatz. "Da liegt am meisten Müll", sagt Laskin Mirza. Viele junge Leute hatten am Siggi bis in den Morgen gefeiert - und machen es noch immer, während Mirza und seine Kollegen die Besen schwingen. Gedankt wird der Einsatz selten Gedankt wird ihnen ihr Einsatz eher selten. Im Gegenteil: "Manchmal werden wir beschimpft, weil sich die Leute von uns belästigt fühlen", sagt Sefer Bakir. "Könnt Ihr nicht nachts aufräumen?", werden sie dann gefragt. "Ihr stört uns." Auch Handgreiflichkeiten habe es schon gegeben. "Da ist viel Alkohol im Spiel. Die meisten Leute können sich am nächsten Tag wahrscheinlich an nichts mehr erinnern", beschwichtigt Betriebsmeister Lothar Möller. Er leitet den Aufräum-Trupp, der sich für Silvester jedes Jahr neu zusammenfindet. Laskin Mirza hat unterdessen mit dem starken Wind zu kämpfen. Immer wieder verwehen die Raketen- und Böllerverpackungen über den Kesselbrink. Der 58-Jährige fegt sie gekonnt zusammen, drei Kehrmaschinen erledigen den Rest. Auch zwei Müllwagen und zwei kleine Lkw setzt der Umweltbetrieb ein. Mirza fegt, die Maschinen saugen auf. Fegen, saugen, weiterfahren. So arbeiten sich die Männer Stück für Stück vor - in beachtlichem Tempo, vor allem um diese Uhrzeit, gegen kurz vor 10. Batterie-Feuerwerke als Problem Die Männer sind ruhig, müde wirken sie aber nicht. Wie die Silvesternacht war? "Zu kurz", sagt Mirza, der vor 38 Jahren aus Syrien nach Bielefeld kam. Silvester hat er mit seiner Familie gefeiert. "Wir waren 40 Leute", sagt der Vater von acht Kindern. Den Abend über stand er in der Garage am Grill. Es gab Wurst, Hackfleisch und Lamm. Und? "Und vier Bier", gesteht Mirza. Doch gegen 1 Uhr habe er im Bett gelegen. "Sonst packt man das hier heute nicht." Probleme bereiten beim Aufräumen die Batterie-Feuerwerke, die seit einigen Jahren verstärkt im Trend sind. Sie sind so sperrig, dass Kehrmaschinen sie nicht aufsaugen können. Die Folge: Sie verstopfen und können nicht weiterfahren. Ein Mehraufwand von einer Stunde. Deshalb räumen Mirza und seine Kollegen die Batterien einzeln auf - eine mühsame Arbeit. Doch immerhin sei der Silvester-Müll insgesamt weniger geworden. "Früher lagen mehr einzelne Kanonenschläge und Raketen auf den Wegen. Heute reicht vielen Leuten oftmals ein Batterie-Feuerwerk", schätzt Möller. Drei Tonnen Abfall Knapp drei Tonnen Abfall kehren die Mitarbeiter an diesem Tag zusammen. Möller: "Der füllt einen sechs Meter langen und zwei Meter hohen Raum." Gesäubert haben die Mitarbeiter an diesem Vormittag den Jahnplatz mitsamt Nebenstraßen, den Klosterplatz, die komplette Altstadt, den Bahnhof, die Fußgängerzone, den Siegfriedplatz und den Kesselbrink. Fertig sind sie damit aber noch lange nicht. Bis Bielefelds Straßen und Grünflächen von den Silvester-Überresten befreit sind, wird noch eine Woche vergehen.

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