Idylle täuscht zum Teil: Reichlich Regen stellte die Bauern im Sommer bei der Getreide- und Rapsernte sowie im Herbst bei der Mais-, Kartoffel und Zuckerrübenernte vor große Herausforderungen. - © Florian Pottkamp
Idylle täuscht zum Teil: Reichlich Regen stellte die Bauern im Sommer bei der Getreide- und Rapsernte sowie im Herbst bei der Mais-, Kartoffel und Zuckerrübenernte vor große Herausforderungen. | © Florian Pottkamp

Bielefeld Landwirte ziehen Bilanz: Wetter sorgte 2017 für manche Überraschung

Rückblick: Milch- und Schweinebetriebe profitieren von gestiegenen Erzeugerpreisen

Bielefeld. Die heimischen Landwirte blicken auf das Jahr 2017 zurück - und werden es vor allem aufgrund seiner ungewöhnlichen Witterung in Erinnerung behalten. Während sich der Milchpreis erholte, bereiten die Afrikanische Schweinepest, Stalleinbrüche und zunehmende Bürokratie den Bauern Sorgen. Der wärmste März seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, dann Frost im April, der besonders die Obstbaumblüte mit Nachtfrösten traf. Im Juni Hitze und Trockenheit. Danach bis zum Jahresende immer wieder feuchte Witterung: Das wechselhafte Wetter machte den Landwirten im vergangenen Jahr zu schaffen. Der Regen stellte sie im Sommer bei der Getreide- und Rapsernte und im Herbst bei der Mais-, Kartoffel und Zuckerrübenernte vor große Herausforderungen. Auch die Herbstbestellung war aufgrund der Nässe schwierig. Ebenso gestaltete sich die Weizenaussaat bis in den Dezember hinein schwierig. Hinzu kamen Herbststürme, die beim Mais regional erhebliche Sturmschäden verursachten. "Im Großen und Ganzen konnten wir trotzdem beim Mais eine gute durchschnittliche Ernte und bei den Kartoffeln eine gute Ernte verbuchen", sagt Hubertus Beringmeier, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Bezirksverbandes Ostwestfalen-Lippe. Die Zuckerrüben zeigten sehr gute Erträge mit guten Zuckergehalten. Die Preise der pflanzlichen Erzeugnisse liegen unter dem langjährigen Mittel, so Beringmeier. Immerhin habe sich der Milchpreis in diesem Jahr erholt. Die wirtschaftliche Lage hat sich für die Milchbauern deutlich entspannt. Aber: "Sie brauchen noch eine längere Phase, da sie in der Zeit der Preiskrise erhebliche Verbindlichkeiten aufgebaut haben", so Beringmeier. Doch seien die Aussichten für 2018 derzeit eher schlecht. "Bei den Schweinen hatten wir ebenfalls ein gutes Jahr, allerdings ist der Preis in den letzten Monaten stark gefallen", sagt der Vorsitzende. Mit großer Sorge sehen die Bauern das Vorrücken der Afrikanischen Schweinepest (ASP) aus Osteuropa. Vor allem über ein Verschleppen durch den Menschen könne die Tierseuche sprunghaft große Entfernungen in kurzer Zeit überbrücken und so schnell Deutschland treffen. Da die Gefährdung ebenso von der hohen Wildschweinpopulation ausgehe, appelliert der Vorsitzende an die Verantwortung von Landwirten und Jägern. Das ASP-Virus, das für den Menschen ungefährlich sei, habe für die Schweine, Bauern und für die gesamte Wertschöpfungskette verheerende Folgen. Sorgen bereiten den Landwirten ebenso stetig wachsende Auflagen und Verordnungen. Die neue, verschärfte Düngeverordnung enthalte beispielsweise sehr komplexe Vorgaben. Große Aufgaben der Zukunft, so Beringmeier, seien für die Landwirte eine komplexer werdende Marktsituation, der Strukturwandel und die wachsenden Forderungen der Gesellschaft an eine umwelt- und tiergerechte Landwirtschaft. "Für die Bauernfamilien bleibt es eine Daueraufgabe und ein Spagat, die heutige Landwirtschaft zu vermitteln, die steigenden Erwartungen der Gesellschaft zu erfüllen und dabei wirtschaftlich zu überleben", betont Beringmeier.

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