Entsetzt: Matitjahu Kellig (r.), Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Herford-Detmold, und sein Anwalt Thomas Walther nach der kurzfristigen Prozessabsage im Amtsgericht. - © Jens Reichenbach
Entsetzt: Matitjahu Kellig (r.), Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Herford-Detmold, und sein Anwalt Thomas Walther nach der kurzfristigen Prozessabsage im Amtsgericht. | © Jens Reichenbach

Bielefeld/Detmold Prozess gegen Bielefelder Neonazi Sascha Krolzig ausgefallen

Verteidiger sagt kurzfristig ab. Der Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Herford-Detmold reagiert bestürzt

Jens Reichenbach

Bielefeld. Der Prozess wegen Volksverhetzung und Beleidigung gegen den Bielefelder Neonazi Sascha Krolzig vor dem Amstgericht Bielefeld ist am frühen Donnerstagmorgen abgesagt worden. Wie der Anwalt des Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Herford-Detmold, Matitjahu Kellig, mitteilte, hatte der Verteidiger Krolzigs einen Autounfall und musste deshalb kurzfristig absagen. Lange Zeit hatte Kellig auf die juristische Aufarbeitung dieses Streits gewartet. Längst fühlte sich der Pianist von Seiten des Neonazis nicht nur beleidigt sondern auch bedroht. Umso größer war jetzt Kelligs Betroffenheit, als am Donnerstag die Absage kam: "Ich war zunächst richtig entsetzt", sagte Kellig. "Meine Hoffnung, dass es heute zu Ende geht, ist geplatzt. Denn jetzt geht das Warten wieder weiter." Auslöser war Kelligs Kritik an einem Verlag aus Preußisch Oldendorf Die Staatsanwaltschaft wirft dem Funktionär der rechtsextremen Partei Die Rechte vor, Kellig  in volksverhetzender Weise beleidigt zu haben. "Der Begriff 'frecher Jude', wie ihn der Angeklagte auf seiner Homepage benutzt hat, ist ein bekannter Topos aus der NS-Zeit", erklärt Anwalt Walther. Deshalb sind wir davon überzeugt, dass Krolzigs Veröffentlichung den Straftatbestand der Volksverhetzung erfüllt."Der Bielefelder Neonazi, der wegen seiner Vorstrafen und seiner verfassungsfeindlichen Einstellung kein Volljurist werden durfte, bestreitet dies und beruft sich auf die Pressefreiheit. Er hatte Kellig mit diesen Worten auf der Internetseite seiner Partei angegriffen. Eine Reaktion auf die Kritik des jüdischen Gemeindevorsitzenden in einem TV-Beitrag am Programm eines Verlages aus Preußisch Oldendorf (Kreis Minden-Lübbecke). Das Verlagsprogramm führte auch rechtsextreme Schriften. Anwalt Thomas Walther sprach angesichts der Argumentation Krolzigs, wonach "der Jude selber Schuld sei" von einer Täter-Opfer-Umkehr, "die wir so nicht hinnehmen können". Walther weiter: "Zum Glück kann man sich in der heutigen Zeit dagegen wehren." Verschärfte Sicherheitsvorkehrungen im Amtsgericht Da Krolzig seine Parteifreunde aufgerufen hatte, zahlreich bei dem Prozess in Bielefeld zu erscheinen, und weil es aus antifaschistischen Kreisen Solidaritätsaufrufe für Kellig gab, hatte das Amtsgericht die Sicherheitsvorkehrungen im Justizzentrum extra erhöht. Vor dem Gerichtssaal sollte es eine besondere Personenkontrolle geben. Doch das war dann überflüssig, als  am frühen Morgen die überraschende Absage kam. Wann der Prozess wegen Volksverhetzung nun nachgeholt wird, ist noch unbekannt.

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