Wollen die Aktionswoche auch im kommenden Jahr anbieten: Sozialdezernent Ingo Nürnberger und Bernadette Bueren aus dem Büro für Integrierte Sozialplanung und Prävention bei der Stadt. - © Wolfgang Rudolf
Wollen die Aktionswoche auch im kommenden Jahr anbieten: Sozialdezernent Ingo Nürnberger und Bernadette Bueren aus dem Büro für Integrierte Sozialplanung und Prävention bei der Stadt. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Mehr als 800 Besucher bei Woche der pflegenden Angehörigen

Auch im kommenden Jahr soll es wieder ein Programm geben

Ariane Mönikes

Bielefeld. Es ist der Nachbar, der einkaufen geht - oder die Tochter, die der Mutter noch schnell die Wärmflasche unter die Decke legt, bevor sie fährt: Pflege ist nicht immer nur körperlich, sie bedeutet auch, sich zu kümmern. Zum dritten Mal hatte die Stadt jetzt mit mehreren Kooperationspartnern die Woche der pflegenden Angehörigen auf die Beine gestellt, um auf die Leistung dieser Menschen aufmerksam zu machen. Mit dabei waren Vertreter der Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände AGW, des Evangelischen Klinikums Bethel (EvKB), des Stadtarbeitskreises der Tagespflegeeinrichtungen, der Altenhilfe Bethel und der Fachhochschule Bielefeld. Die Woche soll für die Betroffenen aber auch Ablenkung sein. "Wir wollen die Pflegenden dabei unterstützen, sich mehr Zeit für sich zu nehmen", sagt Organisatorin Bernadette Bueren. Denn das käme viel zu kurz, wie sie aus Gesprächen mit vielen Angehörigen weiß. Vier Hauptveranstaltungen hatte es in diesem Jahr gegeben: das Galadiner im Kultur- und Kommunikationszentrum Sieker, die Kino-Sondervorstellung für pflegende Angehörige im Lichtwerk, das Konzert der A-cappella-Formation "Vierweiberei" in der Rudolf-Oetker-Halle und das Mitsing-Konzert im Gemeindehaus der Ev.-luth. Neustädter Marien-Kirchengemeinde zum Abschluss der Woche am Freitagabend. Dazu kamen mehrere kleinere Veranstaltungen wie ein Erzähl- und Musiknachmittag mit Ex-Arminen für Menschen mit Demenz. "Insgesamt haben mehr als 800 Menschen die Veranstaltungen besucht", sagt Bueren. Auf das Thema Pflege aufmerksam gemacht worden seien aber deutlich mehr Menschen. Das Feedback sei durchweg positiv gewesen. Deshalb wird es laut Sozialdezernent Ingo Nürnberger auch im kommenden Jahr eine Aktionswoche für pflegende Angehörige geben. Ziel ist es, Pflegende zu unterstützen, sich mehr Zeit für sich zu nehmen. Denn nach wie vor hätten pflegende Angehörige eine gewisse Scheu, etwas für sich zu tun, weil sie denken, jemanden zurückzulassen, sagt Bueren. "Dabei gibt es so tolle Unterstützungsangebote." Auch, wenn pflegende Angehörige in den Urlaub fahren wollen. "Es gibt die Möglichkeit der Kurzzeitpflege", sagt Bueren. Viele Menschen würden sich aber schwer tun, ihre Angehörigen "abzugeben", sagt sie. "Sie wollen anderen diese Belastung nicht zumuten", erklärt sie. In Bielefeld leben knapp 11.500 Pflegebedürftige. Damit ist etwa jeder dreißigste Bielefelder auf Pflege angewiesen. "Die Zahl steigt, allein in den letzten zwei Jahren hat sie um zehn Prozent zugenommen", erklärt Bueren. 25 Prozent der Pflegebedürftigen seien stationär untergebracht, der Rest - etwa 7.500 Bielefelder - werde ambulant gepflegt, ein Großteil davon von Angehörigen. Hinzu kommen Menschen, die regelmäßig Unterstützung bekommen, aber nach dem Gesetz nicht als pflegebedürftig gelten.

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