Mittwochabend: Schuldezernent Uto Witthaus (stehend) informiert die Besucher in der Brodhagenschule über die Sekundarschule Gellershagen. - © Andreas Frücht
Mittwochabend: Schuldezernent Uto Witthaus (stehend) informiert die Besucher in der Brodhagenschule über die Sekundarschule Gellershagen. | © Andreas Frücht

Bielefeld Schullandschaft in Bielefeld wird kräftig umgekrempelt

Ariane Mönikes

Bielefeld. Die Bielefelder Schullandschaft soll zum Schuljahr 2018/19 kräftig umgekrempelt werden: Die Bosseschule sowie die Kuhlo-Realschule sollen geschlossen werden, zwei neue Sekundarschulen dafür an den Start gehen. In Baumheide ist eine neue Realschule geplant, die dortige Hauptschule läuft aus. Eltern hatten in dieser Woche die Möglichkeit, sich über die drei neuen Schulen zu informieren. Über die Sekundarschulen wird nach wie vor viel diskutiert – vor allem Eltern von Realschülern protestieren. Die Neue Westfälische hat mit Politik, Verwaltung und Eltern gesprochen. DIE VERWALTUNG Die Stadt befragt momentan die Eltern der Dritt- und Viertklässler an Grundschulen, ob es in Bielefeld Bedarf für zwei neue Sekundarschulen gibt. Die Kinder haben einen Brief mit nach Hause bekommen, den die Eltern ausfüllen sollen. Auch online unter www.elternbefragung-bielefeld.de kann der Fragebogen noch bis Mittwoch, 27. September, ausgefüllt werden. Gibt es im Februar jeweils weniger als 75 Anmeldungen für die Sekundarschulen, wird es die Schulen nicht geben – und Bosseschule sowie Kuhlo-Realschule blieben bestehen. Angedacht ist ein vorgezogenes Anmeldeverfahren. So hätten die Eltern die Chance, Kinder im regulären Verfahren an einer anderen Schule anzumelden, wenn die Sekundarschulen nicht kämen. Den Vorwurf einiger Realschul-Eltern, die Stadt sei nicht neutral, weist Schuldezernent Udo Witthaus zurück. „Wir informieren über eine neue Schulform und stellen die Konzepte vor." Alle anderen weiterführenden Schulen sind den Bielefelder Eltern bekannt – weil es sie schon in der Stadt gibt. Über die neue Realschule, die im Gebäude der Hauptschule in Baumheide am Schlehenweg errichtet werden soll, konnten sich am Donnerstagabend 630 geladene Eltern von Dritt- und Viertklässlern informieren. Gekommen waren fünf sowie ein paar andere Besucher. Schulamtsleiter Georg Müller ist aber überzeugt, dass die Schule angenommen wird. „Die Qualität stimmt", sagt er. DIE ELTERN Daniela Schmidt-Müller, Elternpflegschaftsvorsitzende an der Bosseschule, kämpft gemeinsam mit anderen Eltern für den Erhalt der Bosseschule. „Wir sind nicht gegen die Sekundarschule", sagt sie. „Wir sind aber gegen die Schließung unserer Schule." Die Zahlen würden für sich sprechen: „Derzeit haben wir über 460 Schüler und eine durchschnittliche Klassenstärke von etwa 32 Schülern", sagt sie. In den Jahrgängen sechs bis neun seien sogar Mehrklassen gebildet worden. „Wir platzen aus allen Nähten." Sie kritisiert Verwaltung und Politik: Die Stadt weise nicht darauf hin, dass die Realschulen bestehen bleiben, wenn sich denn zu wenig Eltern für die Sekundarschulen entscheiden. „Es kommt so rüber, dass sie die Sekundarschule wählen müssen, also gar keine andere, vielleicht für sie bessere Wahlmöglichkeit haben." Frank H. Elbracht aus dem Sprecherrat der städtischen Realschulen stellt die „gute Arbeit der Realschulen" in den Vordergrund. „Diese Leistungen werden aber nicht mit Investitionen seitens der Schulverwaltung gewürdigt", sagt er. Die Schließung zweier funktionierender Realschulen sei nicht im Sinne der Kinder. Das ist eine Sicht der Realschul-Elternschaft – wie viele Sekundarschul-Befürworter ihre Kinder an dieser Schulform anmelden wollen, wird Anfang Oktober publik gemacht. DIE POLITIK „Neue Schülergenerationen brauchen neue Möglichkeiten", sagt Marcus Kleinkes, schulpolitischer Sprecher der CDU. Er hofft, dass die Sekundarschule ein fester Bestandteil in der Bielefelder Schullandschaft wird. Auch Thomas Wandersleb, schulpolitischer Sprecher der SPD, ist von den pädagogischen Konzepten der geplanten Sekundarschulen überzeugt. „Deshalb hoffe ich auch, dass das Angebot angenommen wird", sagt er. Die Schüler-Lehrer-Relation sei an diesen Schulen besser, die Klassen kleiner. Plätze für diejenigen, die trotzdem eine Realschule wünschen, schaffe man in Baumheide. „Politik bewegt was und schafft Angebote", sagt Wandersleb. Die Eltern aber müssten entscheiden, was sie wollen. „Die sind da völlig frei." Wie berichtet, hatten sich Paprika-Koalition (SPD, Grüne und Piraten/Bürgernähe) sowie die CDU für diese neue Schulform ausgesprochen. Jan Maik Schlifter, Kreisvorsitzender der FDP, hat sich immer für die Realschulen ausgesprochen. Zwei Sekundarschulen zu installieren, sei eine „Hoch-Risiko-Entscheidung". Die würden nur im ländlichen Raum funktionieren.

realisiert durch evolver group