Durchsuchung: 15 Einsatzkräfte waren bei der Kurzfrist-Razzia in der Nähe des Hauptbahnhofs dabei. - © Andreas Zobe
Durchsuchung: 15 Einsatzkräfte waren bei der Kurzfrist-Razzia in der Nähe des Hauptbahnhofs dabei. | © Andreas Zobe

Bielefeld Polizei plant deutlich mehr Razzien an der „Tüte“

Der neue Inspektionsleiter Andreas Schramm verschafft sich am Donnerstag bei einem „ersten schnellen Schlag“ am Treffpunkt von Trinker- und Drogenszene einen Überblick. Das Ziel von jetzt an: verstärkte Präsenz

Dennis Rother

Bielefeld. Schmuddelig und latent gefährlich: So empfinden bekanntlich viele Passanten die Gegend an der „Tüte". Zwischen dem Stadtbahnabgang „Hauptbahnhof" und der Stadthalle trifft sich die Trinker- und Drogenszene. Das geschieht ungestört, monieren Kritiker. Mit der vermeintlichen Ruhe ist jetzt Schluss, kündigt Bielefelds neuer Polizeiinspektionsleiter Andreas Schramm an. Am Donnerstag verschaffte sich der 52-Jährige bei einer Razzia einen Überblick über die Lage am Brennpunkt. Die Kontrollen sollen verstärkt werden. „Ein erster schneller Schlag", das sei das Ziel gewesen, sagte Schramm vor Ort. „Deutlich häufiger" würden solch unangekündigte Aktionen demnächst kommen. Das Milieu vor Ort soll das quasi entnerven, Drogenhändler sollen denken: Hier bin ich vor der Polizei nie sicher. Gegen 12.30 Uhr schlossen die Beamten am Donnerstag den sprichwörtlichen Ring um die „Tüte". 15 Einsatzkräfte waren ausgerückt, darunter fünf von der Kripo. Die Bielefelder Einsatzhundertschaft war nicht dabei, dafür zwei Ordnungsamts-Mitarbeiter. „Wir leisten unseren polizeilichen Teil, sind aber schließlich nicht alleine für die ,Tüte‘ zuständig", betonte Inspektionschef Schramm in Richtung Stadtverwaltung. Die Beamten überprüften 21 Personen, fast alles Männer, die meisten polizeibekannt. Die Zahl war vergleichsweise gering: Bei der jüngsten Razzia im Juni wurden 45 Personen gecheckt. Damals wollten auch einige vor den Kontrollen türmen. Diesmal nicht. Die Polizei durchsuchte Taschen und Klamotten und nahm Personalien auf. Zwei Männer bekamen Anzeigen: einer wegen des Besitzes von Marihuana, einer wegen Hehlerei. „Der Mann wollte eine gestohlene, hochwertige Jacke verkaufen", so Polizeisprecherin Kathryn Landwehrmeyer. Gegen vier Personen sprachen die Beamten Aufenthaltsverbote für jeweils drei Monate aus. Drei weitere Personen wurden des Platzes verwiesen. Per Haftbefehl gesuchte Personen seien nicht angetroffen worden. Landwehrmeyer blieb vage, aber auch sie erklärte: „Zukünftig wird an der ,Tüte‘ mehr passieren." Zu städtischen Kontrollen will sich Ordnungsamtsleiter Friedhelm Feldmann vor Dienstag, 12. September, nicht äußern. Dann tagt der Sozial- und Gesundheitsausschuss, in dem die CDU eine Anfrage zur Lage an der „Tüte" gestellt habe. Die Antwort müsse noch intern abgestimmt werden, so Feldmann. Es geht bei der Anfrage etwa um fünf umzuschulende Langzeitarbeitslose, die die Stadtwache unterstützen sollen. Von dem Vorhaben hatte Dezernentin Anja Ritschel im März im Hauptausschuss berichtet. Die CDU fragt nach dem Status quo.

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