Stammtisch Hammer Mühle: Hier treffen sich mittwochs rund 20 Mitglieder. Im Vordergrund sind Eva Wall und Siegfried Wiezorek zu sehen. - © Sylvia Tetmeyer
Stammtisch Hammer Mühle: Hier treffen sich mittwochs rund 20 Mitglieder. Im Vordergrund sind Eva Wall und Siegfried Wiezorek zu sehen. | © Sylvia Tetmeyer

Bielefeld Der Treff für einsame Menschen wächst und wächst

Freizeittreff Bielefeld/OWL: In fünf Jahren ist die Anzahl der Teilnehmer von 7 auf 100 gewachsen. Frauen und Männer zwischen 45 und 65 treffen sich mittwochs in der Hammer Mühle

Sylvia Tetmeyer

Mitte. Eine Scheidung, berufliche Veränderungen oder ein Umzug – all das kann dazu führen, dass Kontakte abbrechen und Freundschaften aufhören zu bestehen. Vor fünf Jahren verabredeten sich erstmals sieben Männer und Frauen in der Gaststätte „Zum Siekerfelde“, um neue Menschen kennenzulernen. Inzwischen hat der Freizeittreff rund 100 Mitglieder. „Wir haben auch einige verheiratete Paare“, erzählt Heinrich Schroeder. Ihnen würden Unternehmungen zu zweit nicht ausreichen. „Wir wollen ein Netzwerk mit Menschen aufbauen, um daraus neue Perspektiven zu entwickeln“, sagt der Gruppensprecher. Um die verschiedensten Freizeitaktivitäten effektiv zu organisieren, wurde eine Mailingliste eingerichtet. Darüber können sich alle Teilnehmer austauschen, sich verabreden und Treffen organisieren. „Insgesamt haben bis heute über 500 Männer und Frauen aus Ostwestfalen-Lippe den Stammtisch besucht. Freundschaften und Partnerschaften sind entstanden“, berichtet der 58-Jährige. Viele Teilnehmer hätten Hoffnung und neue Kraft geschöpft. Die Zielgruppe sei zwischen 45 und 65 Jahre alt. „Wir wollen niemanden ausgrenzen“, betont Schroeder. Ziel sei, dass sich jeder gleich wohlfühle. Alle Berufe – vom Professor bis zum Handwerker – seien vertreten. Für Siegfried Wiezorek ist der Treff ein „wichtiges soziales Netzwerk.“ Der 59-jährige Großhandelskaufmann wohnt in Rheda-Wiedenbrück. Den Weg zu den wöchentlichen Treffen nimmt der alleinstehende Mann gerne in Kauf. Eva Wall lebt ebenfalls alleine. Ihr gefällt, dass man „ständig neue Leute“ kennenlernt – und selber auch Vorschläge machen kann. „Wenn ich beispielsweise nicht alleine ins Kino gehen möchte, kann ich über unsere Mailingliste anfragen, wer Lust und Zeit hat mitzukommen“, sagt die Pädagogin. Schließlich lebe der Freizeittreff davon, dass Mitglieder Angebote machen. Mit Elan und Ehrgeiz organisieren die Teilnehmer immer neue Höhepunkte wie Draisinenfahrten, Eisstockschießen, Grillabende, Kanutouren, Wanderungen oder Partys. Für die einen ist es ein Ausgleich zum beruflichen Alltag, für die anderen eine Möglichkeit, ihre Freizeit in der Gemeinschaft zu verbringen.

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