Im Stadtteilzentrum Falkendom an der Meller Straße 77 finden Musikkonzerte und Partys statt, die Anwohner nachts aus dem Schlaf reißen. - © Jens Reichenbach
Im Stadtteilzentrum Falkendom an der Meller Straße 77 finden Musikkonzerte und Partys statt, die Anwohner nachts aus dem Schlaf reißen. | © Jens Reichenbach

Bielefeld Falkendom-Betreiber suchen im Lärm-Streit jetzt außergerichtliche Lösung

Falken-Geschäftsführer möchte eine Einigung erzielen und keinen Streit vor Gericht ausfechten

Jens Reichenbach

Bielefeld. Es war ein Schock für die Betreiber und die zahlreichen Besucher der Falkendom-Veranstaltungen. Wie berichtet hatten zwei Nachbarn vor dem Verwaltungsgericht Minden gegen die Bau- und Betriebsgenehmigung vom 10. November 2015 des sanierten Stadtteilzentrums an der Meller Straße geklagt und in Teilen Recht bekommen. Seitdem dürfen die Falken, die den Kinder- und Jugendtreff betreiben, zwischen 22 und 6 Uhr weder Livemusik noch Partys veranstalten. Nach Angaben von Uli Gödde, Geschäftsführer der Falken, ist jetzt möglicherweise doch eine einvernehmliche Lösung in Sicht. Nach Angaben einer Pressemitteilung, will er auf jeden Fall versuchen, mit dem Nachbarn eine Einigung  erzielen. „Wir haben das Ehepaar zu einem Gespräch eingeladen", so Gödde, „und man hat durchaus positiv reagiert". Dabei sollen die Schallschutzmaßnahmen vorgestellt werden, die im Zuge der jüngsten Sanierung in Höhe von 840.000 Euro bereits umgesetzt wurden, heißt es. Weder die Falken noch die Nachbarn können bisher sagen, wie effektiv diese Maßnahmen waren, weil das erste geplante Livekonzert nach dem Umbau schon wegen des Gerichtsurteils verlegt worden war. Darüber hinaus wolle Gödde weitere Möglichkeiten zur  Lärmverringerung erörtern. Gödde: „Wir denken hier an bauliche, aber auch an technische oder organisatorische Veränderungen, die in Abstimmung mit dem Immobilienservicebetrieb vorgenommen werden könnten." Für die Falken, die im Auftrag der Stadt im Falkendom Kindern und Jugendlichen ein umfangreiches Freizeit- und Kulturangebot machen, war dieser Beschluss ein schwerer Schlag. „Eine erfolgreiche Jugendarbeit ist unter diesen Bedingungen kaum noch möglich", klagt Gödde. Trotzdem wolle er nicht weiter auf eine juristische Auseinandersetzung bauen. Gödde: „Wir wollen keinen Streit, uns ist sehr an einer guten Nachbarschaft gelegen. Ich bin überzeugt, dass sich alles regeln lässt, wenn wir gemeinsam nach einer Lösung suchen". Ein Sprecher der Kläger reagierte ebenfalls positiv auf das Gesprächsangebot: "Alle vorherigen Versuche, mit den Falken ins Gespräch zu kommen, hatten bisher wenig Erfolg. Da man uns über Jahre nicht ernst genommen hatte, blieb uns zuletzt aber keine andere Wahl, als vor Gericht zu ziehen." Der Kläger befürchtet auch durch die Sanierung eine fortschreitende Kommerzialisierung der Konzert- und Party-Angebote, die oft lang bis in die Nacht hinein laufen. Immerhin: Die Berichterstattung über den Fall hat eine Welle der Solidarität ausgelöst. „Mehrere Träger der Jugendarbeit haben uns spontan ihre Häuser angeboten, damit wir nicht allzu viele Abendveranstaltungen absagen müssen," sagt der für die offene Kinder- und Jugendarbeit verantwortliche Teamleiter Michael Schütz. So konnte beispielsweise die Konzertveranstaltung „Doom over Bielefeld" am 26. November in das Jugendzentrum Stricker in Brackwede verlegt werden. "Eine supernette, kollegiale Geste, die uns in der aktuellen Notsituation ein wenig Luft verschafft". Bis zu einer Einigung empfiehlt Schütz allen Musik- und Partyfans, sich auf der Facebookseite der Bielefelder Falken zu informieren, wohin die Veranstaltungen jeweils verlegt werden. "Das passiert teilweise sehr kurzfristig."

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