Verrechnet: Bei den Planungen für das Regenrückhaltebecken an der Ravensberger Straße wurden 52 Hektar Volumen vergessen. - © Andreas Zobe
Verrechnet: Bei den Planungen für das Regenrückhaltebecken an der Ravensberger Straße wurden 52 Hektar Volumen vergessen. | © Andreas Zobe

Bielefeld Rechenfehler bei der Lutter-Sanierung führt zu Kritik

FDP fordert offene Bauweise ohne Rückhaltebecken als günstigere Alternative. Inliner-Lösung auf dem Prüfstand

Joachim Uthmann

Bielefeld. Um die Lutter-Sanierung war es ruhiger geworden. Die Zeit des Streits und heftiger Debatten schien vorbei. Doch jetzt hat der Rechenfehler mit der Folge, dass das Rückhaltebecken an der Teutoburger Straße doppelt so groß und teuer werden müsste, neuen Zündstoff gelegt. Die FDP fordert bereits eine Umplanung. Und Bezirksbürgermeister Hans-Jürgen Franz (SPD) sagt: "Die Zahlen müssen noch mal auf den Tisch." Das sieht auch Umweltdezernentin Anja Ritschel (Grüne) ein, die das Gutachterbüro PFI gebeten hat, mit den neuen Daten die Alternative einer offenen Bauweise bei der Lutter-Sanierung im Grünzug Ravensberger Straße, die das Rückhaltebecken überflüssig machen würde, durchzurechnen. Die Zahlen sollen dem Betriebsausschuss des Umweltbetriebs am 13. April vorgelegt werden. Der UWB geht davon aus, dass das Becken 6.000 statt 3.000 Kubikmeter fassen muss, um das als Minimum geforderte Überflutungsrisiko von ein Mal in fünf Jahren zu schaffen. Damit würde die Variante neun statt 4,8 Millionen Euro kosten. Rücksicht auf Erhalt der Platanenallee Für die FDP zeigt das, dass es nicht weiter "Augen zu und durch" heißen könne. Schon vor zwei Jahren sei es bei der Entscheidung für das Inlinerverfahren, das den Durchfluss des Lutterkanals reduziert und das Rückhaltebecken erforderlich macht, schwergefallen, die Mehrkosten (geschätzt zwei Millionen Euro) in Kauf zu nehmen. Der Grund war damals die Rücksicht auf den Erhalt der Platanenallee. Der jetzt zu erwartende Aufschlag von vier Millionen Euro sei ein "zu hoher Preis", zumal die Inliner-Sanierung mit einem Harzmantel deutlich weniger haltbar sei als der offene Bau eines neuen Kanals. Die geschätzten Zahlen schwanken zwischen 30 und 50 Jahren beim Inliner sowie 70 bis 100 Jahre bei offener Bauweise. Dieser Nachteil der Inliner-Variante war 2014 ebenfalls bekannt. Obwohl sich vor allem CDU und BfB damals heftig gegen die teurere und weniger haltbare Inliner-Lösung stemmten, setzte die Ampel aus SPD, Grünen und FDP sie durch, weil sie sicherer sei und die Platanen schütze. Hartmut Meichsner (CDU) kritisierte damals: "Eine finanzielle Hypothek für die Zukunft." Auch bei anderen Politikern wächst die Überzeugung, dass die offene Bauweise noch mal überprüft werden sollte. Franz: "Wir müssen jetzt mit der Panne umgehen." Denn der Umweltbetrieb verspricht zwar nicht die Gebühren dafür anheben zu wollen. Aber das Geld müsste trotzdem aus dem Gebührenhaushalt kommen. Die Folge wäre, dass andere wichtige Kanalbauten verschoben werden müssen. Während die Lutter-Sanierung in der Ravensberger Straße fortschreitet und das erste Rückhaltebecken im Park der Menschenrechte so gut wie fertig ist, sind die Fragen weiter ungeklärt, wie weit die Lutter weiter offen gelegt und ob sie um die Stauteiche im Grünzug als Bypass geführt wird. Der Plan der Umweltverwaltung für den Bypass, um die Verschlammung der Teiche zu bremsen, stößt bei Bezirkspolitikern auf Skepsis. Beim Beschluss für einen Holzsteg zur Café-Nutzung am Stauteich III lehnte die Bezirksvertretung Mitte die Passage mit der Begründung ab, in der der Bypass aufgeführt ist. Die Lutter-Sanierung im Grünzug birgt noch einiges Konfliktpotenzial.

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